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Ist der Zinsanstieg endlich Realität?


29.01.18 12:20
La Financière de l´Echiquier

Paris (www.anleihencheck.de) - Die Zinsen steigen weiter, so Olivier de Berranger, CIO bei La Financière de l'Echiquier.

Der Zinssatz 10-jähriger amerikanischer Anleihen habe unlängst bei knapp 2,64% gelegen, womit er seine Höchststände vom März 2017 übertroffen habe und nun auf einem Niveau liege, das zuletzt im Sommer 2014 habe erreicht werden können. Wenngleich der Zinsanstieg auf der gesamten Kurve spürbar sei, so setze sich die Abflachung dennoch fort: Der Zinssatz für 2-jährige Anleihen habe seinen höchsten Stand seit Ende 2008 erreicht, während der 30-jährige Zinssatz nach wie vor unter seinen Niveaus von Anfang 2017 liege.

Neben den fortgesetzten Leitzinsanhebungen durch die FED gebe es zahlreiche Faktoren, die diesen Anstieg stützen würden: Positive Überraschungen im Hinblick auf die Kerninflation, nach wie vor solide Konjunkturdaten, Donald Trumps Bekräftigung seines Vorhabens, ein Infrastrukturprogramm im Umfang von 1.000 Mrd. USD aufzulegen, oder auch der angespannte Arbeitsmarkt sowie ein Anstieg der Mindestlöhne, der höhere Lohnkosten bewirken werde.

Nun würden sich drei Fragen stellen: Werde es ein dauerhafter Anstieg sein? Gebe es Anlass zur Sorge? Wie werde sich der Anstieg der US-Zinsen auf ihre europäischen Pendants auswirken?

Die erste Frage lasse sich mit Ja beantworten. Es gebe zahlreiche Faktoren, die auf einen Zinsanstieg hindeuten würden, und es sei äußerst plausibel, dass der Inflationsdruck höher als erwartet sein werde. Gebe es Anlass zur Sorge? Alles hänge von der Schnelligkeit der Bewegung und ihren Ursachen ab.

Und was letztere Frage angehe, würden sich die Zweifel problemlos zerstreuen lassen: Der Anstieg sei durch ein günstiges Konjunkturumfeld bedingt und nicht dadurch, dass niemand mehr amerikanische Staatsanleihen kaufen möchte, wie mitunter befürchtet worden sei. Schwieriger werde es in Sachen Schnelligkeit. Die US-Unternehmen seien zwar in der Lage, einen Anstieg mit konstanter Geschwindigkeit zu absorbieren, ein abrupter Anstieg hätte jedoch negative Konsequenzen im Hinblick auf die Verschuldung bestimmter Unternehmen. In diesem Zusammenhang würden die Strategie und die Mitteilungen der FED eine wichtige Rolle spielen.

Was die möglichen Auswirkungen der Entwicklung in den USA auf die europäischen Zinsen betreffe, sei es sinnvoll, den Spread zwischen 2-jährigen Bundesanleihen und 10-jährigen US-Staatsanleihen im Auge zu behalten. Mit 3,2% liege er auf dem Niveau vom Februar/März 2017, das seit 1996/1997 nicht mehr erreicht worden sei. In der Vergangenheit habe dieser Wert stets bedeutet, dass das Maximum erreicht gewesen sei und der Rückgang bevorgestanden habe. Die amerikanischen Zinsen dürften jedoch weiter steigen. Entsprechend könne man von einem Zinsanstieg in der Eurozone ausgehen, zumindest am kurzen Ende der Zinskurve, sowie wahrscheinlich von einer Abflachung derselben, sofern sich die Eurozone analog zu den USA entwickle. (29.01.2018/alc/a/a)