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Iran-Angriff ohne nachhaltige Spuren am Rentenmarkt


10.01.20 10:21
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Das neue Jahr begann mit einem Paukenschlag, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.

Die gezielte Tötung eines hochrangigen iranischen Militärs durch die USA auf irakischem Boden habe die Staatsanleiherenditen der USA und Deutschlands unmittelbar in den Keller geschickt. Während sich die Aktienmärkte von diesem Schock recht bald wieder erholt hätten und der S&P 500 beispielsweise einen neuen Rekordstand erreicht habe, sehe man an den Anleihemärkten noch gewisse Spuren der Verunsicherung. Insbesondere vorgestern Morgen (08.01.) habe der Raketenangriff des Iran auf zwei amerikanische Militärstützpunkte im Irak für Nervosität gesorgt. Nachdem jedoch klar geworden sei, dass dies offensichtlich eine Aktion gewesen sei, mit der die iranische Regierung lediglich ihr Gesicht habe wahren wollen, eine weitere Eskalation aber zu vermeiden gesucht habe, hätten die Märkte wieder auf Risk-on geschaltet. Dieser Trend sei noch verstärkt worden, als US-Präsident Donald Trump angekündigt habe, auf weitere Militäraktionen zu verzichten. Entsprechend habe sich auch der Ölmarkt rasch wieder beruhigt und sei sogar deutlich unter das Niveau von vor dem US-Angriff gefallen.

Von einer ungetrübten Risk-on-Stimmung könne man sicherlich nicht sprechen. Zu viele Unsicherheiten würden die Marktteilnehmer auch zu Beginn des Jahres beschäftigen. Das Handelsabkommen zwischen den USA und China solle angeblich am 15. Januar unterschrieben werden, aber zuletzt habe es offensichtlich wieder Unstimmigkeiten zwischen den beiden Parteien gegeben. So habe das Agrarministerium Chinas angekündigt, die Importquoten etwa für Mais und Getreide nicht anzuheben, worauf die USA verärgert reagieren könnten. Da man an den Märkten bislang von einem "done deal" ausgehe, sei hier noch Überraschungspotenzial vorhanden.

Von der politischen Front kämen beruhigende Nachrichten aus Spanien, wo nach einer langen Durststrecke endlich wieder eine ordnungsgemäße Regierung im Amt sei. Zwar handle es sich um eine Minderheitsregierung, aber die politische Blockade der vorangegangenen Monate sei zunächst beendet. An den Bondmärkten sei ein leichter Rückgang der Risikoprämien spanischen Staatsanleihen zu verzeichnen gewesen. In Frankreich würden sich hingegen die Proteste gegen die Reform des Rentensystems fortsetzen.

In den nächsten Tagen werde eine Reihe von Konjunkturdaten Aufschluss darüber geben, ob der Konjunkturoptimismus, den viele Marktbeobachter derzeit an den Tag legen würden, tatsächlich gerechtfertigt sei. Am 10.01. stünden die US-Arbeitsmarktdaten im Fokus.

Der Bloomberg-Konsens gehe für den Monat Dezember von einem soliden Beschäftigungszuwachs von 160.000 Personen aus, nach 266.000 im Vormonat. Die ADP-Beschäftigungsdaten würden auf eine positive Überraschung hindeuten, hätten sich aber nicht immer als zuverlässig erwiesen. Wichtig sei auch die Industrieproduktion in Frankreich und Italien (10.01.), nachdem in Deutschland der Output mit 1,1% MoM im November stärker gestiegen sei als erwartet. Die letzten PMI-Daten für das Verarbeitende Gewerbe seien allerdings wenig ermutigend gewesen. In allen Euro-4-Ländern seien die PMI's gesunken und nur der PMI-Index Frankreichs habe sich knapp über 50 halten können, während die Stimmung in Italien und Spanien auf eine Schrumpfung des Outputs hindeute.

Beachten sollten man außerdem noch die Inflationsdaten aus den USA für Dezember (14.01.). Aus den Einzelhandelsumsätzen in den Vereinigten Staaten und dem NAHB-Stimmungsindex des Wohnungsbausektors lasse sich darüber hinaus ableiten, ob die privaten Haushalte auch weiterhin eine Stütze der US-Konjunktur bleiben würden. Am 16.01. werde China seine BIP-Zahlen für Q4 veröffentlichen.

Ein Auge sollte man schließlich auf Italien werfen. Dort könnte am 15.01. das Oberste Gericht entscheiden, ob ein Referendum über die Schaffung eines Mehrheitswahlrechts zugelassen werde. Die Initiative stamme von Matteo Salvini von der Lega. Er erhoffe sich in einem derartigen Wahlsystem offensichtlich eine absolute Regierungsmehrheit. Allerdings stünden reguläre Wahlen erst 2023 an. (Ausgabe vom 09.01.2020) (10.01.2020/alc/a/a)