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Internationales Zinsgefüge dürfte unter Druck bleiben


08.07.19 08:45
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Die EZB ist weiterhin mit den weiter fallenden längerfristigen Inflationserwartungen konfrontiert, so die Analysten der National-Bank AG.

Nach der Rede von Sintra sei es hier zu einer Gegenbewegung gekommen - aber der Abwärtstrend der Entwicklung habe bislang nicht umgekehrt werden können. Die weitere Entwicklung werde nun maßgeblich davon abhängen, ob sich der Verfall der Erwartungen fortsetze oder nicht und wie die EZB diesen interpretiere. Was stecke also hinter dem Einbruch der Inflationserwartungen? Sei es eine strukturelle Entwicklung oder ein zyklisches Phänomen? Bei einer zyklischen Entwicklung sei davon auszugehen, dass es zumindest auf Dauer auch wieder anders kommen werde. Sollte der Konflikt um die internationale Handelsordnung sukzessive gelöst werden, dürfte die Räumung des Arbeitsmarktes auch in Europa sukzessive zu mehr Lohndruck führen.

In diesem Umfeld bliebe die Zinswende auch in Europa zumindest eine Perspektive. Sollte der Rückgang der Inflationserwartungen in Europa dagegen systematischen Charakter haben, würde dies wahrscheinlich bedeuten, dass der Eurozone ein abermaliger nennenswerter quantitativer Schub bevorstünde. Die Analysten der National-Bank AG erwarten, dass die EZB bereits auf der kommenden Sitzung den Boden für weitere Maßnahmen bereitet. Hier dürfte die Bank ihre Projektionen dahingehend ändern, dass die Leitzinsen bis mindestens Mitte nächsten Jahres auf den derzeitigen oder niedrigeren Niveaus bleiben würden. Alles Weitere könnte dann auf dem September-Termin umgesetzt bzw. entschieden werden.

Vor dem Hintergrund des weiterhin schwelenden Handelskonfliktes gehen die Analysten der National-Bank AG davon aus, dass das internationale Zinsgefüge unter Druck bleibt. Während die FED aus der binnenwirtschaftlichen Perspektive kaum Anlasse habe, die Zinssätze zu senken, werde die EZB vor allem unter einen neuen Führung mit zunehmender Wahrscheinlichkeit noch mehr Stimulus auf den Weg bringen: Dies ergebe sich aus der politökonomischen Konstitution der Eurozone, die ja letztendlich auch durch die deutsche Europapolitik mitgetragen werde. Vor diesem Hintergrund würden die Analysten ihre Bundprojektion weiter absenken: Sie würden erwarten, dass die Bundrenditen auf Sicht eines Jahres Werte um -10 Basispunkte (Bloomberg Konsensus +0,18%) erreichen würden. Ihre Projektion für die US-Zinssätze würden sie ebenfalls auf Werte um nunmehr 2,4% (Bloomberg Konsensus 2,47%) auf Jahressicht ermäßigen. (Ausgabe vom 05.07.2019) (08.07.2019/alc/a/a)