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Internationale Rentenmärkte weiterhin von den US-Entwicklungen getrieben


24.04.23 09:30
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Die internationalen Rentenmärkte werden weiterhin vor allem von den US-Entwicklungen bzw. von den diesbezüglichen Statements der US-Notenbank getrieben, berichten die Analysten der National-Bank AG.

Insgesamt sei die Inflationsentwicklung in den Vereinigten Staaten auf dem richtigen Wege. Die mit am weitesten vorlaufenden Frühindikatoren würden deutlich auf eine spürbare Beruhigung an der Preisfront in den kommenden Quartalen verweisen: Die Jahresveränderungsrate etwa der Produzentenpreise sei nunmehr negativ, sie habe vor etwas über einem Jahr noch bei rund 25% gelegen.

Kaum zu überschätzen gewesen sei zuletzt aber vor allem, dass sich nunmehr eine deutliche Abkühlung am US-Arbeitsmarkt abzeichne, die den US-Arbeitsmarkt nach Erachten der Analysten der National-Bank AG binnen Jahresfrist wieder ins Gleichgewicht bringen könnte. Diese aggregierte Entwicklung wiege nach dem Dafürhalten der Analysten der National-Bank AG wesentlich schwerer als der (noch) anhaltende Preisdruck in einigen Segmenten der US-Ökonomie - etwa im Dienstleistungssektor. Da diese Entwicklung mit den Februar-Daten bereits weit vor den jüngsten Turbulenzen um einzelne Banken eingesetzt habe, sei davon auszugehen, dass das Tempo des Ausgleichs von Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften zumindest nicht nachlassen dürfte. In diesem Szenario wäre der Break-Even am US-Arbeitsmarkt zum Jahresende 2023 erreicht, hier wäre dann mit einer hohen Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die FED die Inflation - nachhaltig - eingedämmt hätte.

Noch sei es mit Blick vor allem auf die Revisionsanfälligkeit der Daten zwar noch zu früh, um dies abschließend zu beurteilen, auch da erst relativ wenige Datenpunkte vorlägen. Bleibe es aber wie es sei, könnte dies zur Jahresmitte 2023 das sukzessive dominante Szenario an den Rentenmärkten werden. In der Tat könnte sich die US-Inflationsrate bereits in zwölf Monaten wieder bei knapp über 2% einpendeln: Die FED hätte dann - allen Unkenrufen zum Trotz - einmal mehr grundsätzlich richtig kalkuliert! Der Hochpunkt der US-Leitzinsen rücke damit erheblich näher, spätestens zum Herbst 2023 könnte der Zinszyklus der US-Notenbank dann abgeschlossen sein.

Auch in der Eurozone würden die Disinflationsimpulse allmählich sichtbar - bislang erwartungsgemäß allerdings lediglich auf den Vorstufen der Produktion: So würden die deutschen Importpreise auch weiterhin so digital fallen, wie sie vorher gestiegen seien: Hätten die Zuwächse hier im August 2022 noch bei über 30% gelegen, sei die Jahresveränderungsrate auf nunmehr nur noch 2,8% gesunken. Insofern entwickele sich das Datengefüge auch hier wie von den Analysten der National-Bank AG erwartet: Aller Erfahrung nach dürfte die sich verfestigende Disinflation in den Vereinigten Staaten auch in Europa spürbar werden, zumal der gesamteuropäische Wachstumsausblick wie erörtert anämisch bleibe. Die EZB-Ratsmitglieder seien zwar mehrheitlich nach wie vor der Ansicht, dass weitere Zinsschritte notwendig seien, sie seien zuletzt aber spürbar zurückhaltender gewesen, was starke Zinserhöhungen anbelange - vollkommen zu Recht: Die Analysten der National-Bank AG würden auch weiterhin davon ausgeheen, dass sich die EZB perspektivisch damit konfrontiert sehen könnte, dass eine immer stärker global getriebene Disinflation zum Jahreswechsel 2023/2024 die Eurozone erreiche, während gleichzeitig die Perspektive einer Dauerstagnation sukzessive Platz greife und zum Frühjahr 2024 dann auch auf den europäischen Arbeitsmärkten sichtbar werde.

Mit Blick auf die geschilderte Entwicklung sähen die Analysten der National-Bank AG den Hochpunkt der FED-Funds weiterhin bei 5,5%, wobei die Abwärtsrisiken für die Projektion allerdings zugenommen hätten. Die Prognosen für die EZB-Sätze würden die Analysten der National-Bank AG ebenfalls bei Werten um 4,0% für den Hauptrefinanzierungssatz belassen, auch wenn die Projektion auch hier mit Blick auf den immer bedenklicheren konjunkturellen Ausblick immer unsicherer werde. Auf Jahressicht würden die Analysten der National-Bank AG die Renditen für die 10-jährigen Bundesanleihen mit einer zunehmenden Abwärtsbias nunmehr auf rund 2,0% taxieren, die Projektionen für die US-amerikanischen 10-jährigen Benchmark-Sätze würden die Analysten ebenfalls auf Werte um 3,4% auf Sicht der nächsten zwölf Monate ermäßigen. (Ausgabe vom 21.04.2023) (24.04.2023/alc/a/a)