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Internationale Kapitalmärkte im Überblick - Rentenmarkt erholt sich


24.07.15 12:04
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Kaum zu glauben, wie schnell sich das Blatt wenden kann. Nach einer Marathon-Sitzung haben die Staats- und Regierungschefs der Euro-Staaten einen Kompromiss für ein weiteres Griechenland-Hilfspaket gefunden, so die Analysten der Weberbank.

Der griechische Ministerpräsident habe eine 180-Grad-Wende einleiten und Reformen in seinem Parlament durchbringen müssen, die er zuvor noch vehement abgelehnt habe. Alles in allem würden die Auflagen für ein Rettungspaket in fast allen Punkten höher als noch vor dem Referendum erscheinen, in welchem die Griechen ihr "Nein" zu den Reformauflagen zum Ausdruck gebracht hätten. Ob die Griechenlandkrise nun als nachhaltig gelöst betrachtet werden könne, dürfe angezweifelt werden. Tatsache sei aber, dass erneut Zeit gewonnen worden sei.

Mit einer von der EU gewährten Brückenfinanzierung seien Schulden beim Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) beglichen worden. Damit sei der Weg frei für weitere Zahlungen auf ein laufendes Programm beim IWF. Wichtiger sei aber gewesen, dass die EZB die griechischen Banken weiter am Leben gehalten habe und somit diese nach mehrwöchiger Schließung wieder hätten öffnen können. Ein wichtiger Schritt zur Normalität für die griechischen Bürger.

Und auch die Analysten der Weberbank können sich nun wieder stärker anderen Themen zuwenden, wie etwa den Wirtschaftsentwicklungen in den USA und Europa. Leider hätten die USA im Juni einen Dämpfer bekommen, denn die Einzelhandelsumsätze seien leicht rückläufig gewesen. Auch die Produktionsseite dümple mit vergleichsweise geringen Wachstumsraten vor sich hin. Daten vom US-Immobilienmarkt hätten im Gegensatz dazu eine etwas freundlichere Entwicklung gezeigt. Auch in der Eurozone sei entgegen den Erwartungen die Industrieproduktion um 0,4 Prozent gesunken, und die Stimmung habe sich etwas eingetrübt, nicht zuletzt aufgrund der Griechenland-Thematik. Sie sei aber noch grundsätzlich gut.

Die kurzfristigen Inflationserwartungen für die Eurozone seien in diesem Jahr bis auf ein Prozent angestiegen, zuletzt aber wieder auf rund 0,6 Prozent gefallen. Somit gebe die rückläufige Inflationserwartung derzeit einen positiven Impuls auf den Rentenmarkt. Im Laufe des Jahres, sollte die Inflation etwa aufgrund von Basiseffekten wieder steigen, könnte der Impuls aber auch in die andere Richtung wirken. Wichtiger seien nun erneut die Anleihenkäufe der EZB, die den Markt für Staatsanleihen und Pfandbriefe stark beeinflussen und das Renditeniveau niedrig halten sollten.

Risikoprämien für Unternehmensanleihen seien während der Griechenlanddiskussionen angestiegen, so dass die Kurse gefallen seien. Angesichts der fundamentalen Stärke der Unternehmen sei das nicht gerechtfertigt gewesen. Somit habe sich der Anreiz für Zukäufe in diesem Segment wieder erhöht. Positiv sollte auch wirken, dass die EZB in einer kaum beachteten Randnotiz angekündigt habe, ausgewählte Unternehmensanleihen auf ihren Einkaufszettel zu setzen. Vorerst betreffe dies Titel, in denen eine staatliche Beteiligung vorliege, also zum Beispiel bei einigen Versorgern. Mit zunehmender Zuversicht am Kapitalmarkt seien nun auch Wandelanleihen wieder attraktiver.

Diese würden profitieren, wenn der Aktienmarkt steige. Hier helle sich die Wetterlage wieder auf. Die Verunsicherung haben wir erst einmal hinter uns gelassen und können uns nun erneut den Fundamentaldaten zuwenden, so die Analysten der Weberbank. Und die seien für viele Regionen recht gut. Während die Gewinndynamik der US-Unternehmen derzeit stagniert und uns für Dow Jones und Co. ein wenig die Fantasie fehlt, sieht es in Europa besser aus: Viele Aktien aus Deutschland, aber auch einige aus Frankreich und Italien zeigen eine gute Gewinnentwicklung und faire Bewertungen, so die Analysten der Weberbank.

Auch die Schwellenländer Asiens sähen die Analysten positiv und würden jetzt auch erneut etwa in den indischen Aktienmarkt investieren. Rechtliche Unsicherheiten bezüglich der Besteuerung für ausländische Investoren hätten viele veranlasst, Indien den Rücken zu kehren. Die Bedenken seien nun hinreichend ausgeräumt, so dass sich die Stimmung unter den Anlegern verbessert habe. Der heiß gelaufene chinesische Aktienmarkt habe in den vergangenen Wochen heftig Federn lassen müssen. Die chinesische Regierung habe stark eingegriffen und so versucht, den freien Fall der Aktienmärkte aufzuhalten. Vorerst sehe es so aus, als sei das Vorhaben geglückt, denn der Markt habe sich stabilisieren können.

Gold zeige sich zurzeit als unattraktive Anlageklasse. Nach nunmehr vier Jahren mit fallenden Kursen habe die vermeintliche Krisenwährung selbst dann nicht profitieren können, als die Eurozone an Griechenland zu zerbrechen gedroht habe. Der jüngste Kursrutsch lasse das Edelmetall auch aus technischer Sicht schlecht dastehen. Weiter fallende Notierungen seien wahrscheinlich. (24.07.2015/alc/a/a)