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Internationale Kapitalmärkte im Überblick - Niedrigzinsumfeld bleibt bestehen


21.09.15 15:38
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Mit Spannung wurde die Pressekonferenz der US-Notenbankchefin Janet Yellen am Freitag erwartet, so die Analysten der Weberbank.

Immerhin sei es um die Frage gegangen, ob die US-Notenbank (FED) ihren Leitzins nach elf Jahren zum ersten Mal wieder anhebe. Und so sei vorher viel analysiert, mit Wahrscheinlichkeiten gearbeitet und diskutiert worden. Am Ende habe es der FED aber offenbar an Überzeugung gefehlt, dass ein Zinsschritt im aktuellen Marktumfeld angemessen wäre. Der Leitzins sei nicht verändert worden. Dabei biete die US-Wirtschaft eine Reihe von sehr positiven Entwicklungen. So sei die Arbeitslosenquote zuletzt sogar unter die so genannte "natürliche Arbeitslosenquote" auf nunmehr 5,1% gefallen. Damit herrsche in den USA Vollbeschäftigung. Die Beschäftigungsaussichten würden speziell auch im Mittelstand als sehr positiv erachtet. Die weiter niedrigen Energiepreise würden die Wirtschaftsentwicklung neben dem soliden Konsum unterstützen. Allerdings sei Janet Yellen auch die negativen Effekte des Rohstoffpreisverfalls in den Fokus gerückt. Denn ein Blick auf die Inflation in den USA verrate, dass sich die US-Preisentwicklung deutlich unterhalb des FED-Inflationszieles bewege.

Mithin beobachte die FED sehr aufmerksam Risiken in China und den globalen Schwellenländern. Denn diese hätten eine sehr starke Wirkung auf die Rohstoffpreise und damit auf die Inflation. Insgesamt habe die FED ihre Wachstumserwartung für 2015 angehoben. Gleichzeitig habe sie jedoch die Erwartung für 2016 gesenkt. Damit reihe sie sich in den Reigen der großen Notenbanken ein, die ihre Wachstumsprognosen für 2016 jüngst zurückgeschraubt hätten. Allerdings, und das sei für die Einordnung dieser Revisionen wichtig, hätten die Notenbanken ihre Aufschwungsszenarien nur abgemildert. Allen gemein sei, dass sie für die Industrienationen im nächsten Jahr weiterhin ein höheres Wachstum als in diesem Jahr erwarten würden.

Ob die FED in diesem Jahr ihre Zinsen nun überhaupt noch anhebe, bleibe im Unklaren. Eigentlich müsste sie bald damit beginnen, sich eine Manövriermasse für die Zukunft zu schaffen, damit sie mögliche wirtschaftliche Abschwünge dann wieder mit Zinssenkungen begegnen könne. Immerhin würden 13 von 17 FED-Mitglieder mindestens einen Zinsschritt noch in diesem Jahr für angemessen halten. Yellen werde jedoch weiter auf Sicht fahren. Für Spannung vor den nächsten FED-Sitzungen sei also gesorgt.

Die Aktienmärkte würden verschnupft auf das FED-Statement vom Freitag reagieren. Offensichtlich habe die erneute Erwähnung von Risiken in China und den übrigen Schwellenländern nicht gerade zur Beruhigung der Börsianer beigetragen. Auch die Wahl in Griechenland und das Flüchtlingsthema seien geeignet, die Märkte weiter schwankungsintensiv zu halten. Wenngleich die Analysten mittelfristig nach wie vor ein solides Umfeld für Aktien sähen, würden sie empfehlen zunächst etwas zurückhaltender positioniert zu bleiben. Die aktuelle Unruhe dürfte noch einige Zeit anhalten. Generell sähen die Analysten aber weiteres Kurspotenzial für die Aktienmärkte.

An den Rentenmärkten hätten zumindest die Schwellenländeranleihen von der weiter verschobenen Zinserhöhung der FED profitieren können. Insgesamt sei es aber wichtig, seine Investments in Schwellenländern sehr selektiv vorzunehmen. Brasilien sei zuletzt von S&P sogar von Investment Grade auf High Yield Status herabgestuft worden - also vom Anleihensegment hoher Bonität in das Segment niedriger Qualität. Neben Brasilien befinde sich auch Russland weiter in der Rezession. In diesem Umfeld sollten allerdings Qualitätstitel gefragt und damit die Renditen niedrig bleiben.

Überhaupt würden speziell rohstoffproduzierende Länder unter den Preisabschlägen von Öl und Industrierohstoffen leiden. Damit einhergehend stünden die dortigen Währungen unter Druck. Auch die Aussichten für die Entwicklung des Ölpreises würden mäßig bleiben. Zuletzt habe Saudi-Arabien eine von Venezuela angeregte, außerplanmäßige OPEC Sitzung wegen des rasanten Ölpreisverfalls abgelehnt. Gerüchte um eine mögliche Allianz Russlands und der OPEC zum Zwecke einer Angebotsverknappung hätten sich schnell wieder zerschlagen. Das Angebot an Öl sei global sehr auskömmlich. Eine schnelle Erholung auf alte Preisniveaus scheine damit sehr unwahrscheinlich. (21.09.2015/alc/a/a)