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Inflationsschock für Österreichs Wettbewerbsfähigkeit?
04.08.23 09:40
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Trotz auch in Österreich sinkender Inflationsraten ist der Inflationsaufschlag gegenüber der Eurozone weiterhin nahezu rekordhoch, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Das bleibe nicht folgenlos für die Konkurrenzfähigkeit der österreichischen Unternehmen, allen voran der im internationalen Wettbewerb stehenden Industrie. Schon jetzt würden auch die Stundenlöhne hierzulande stärker als in der Eurozone oder in Deutschland steigen. Nach Jahren, in denen sich die Lohnstückkosten im europäischen Gleichklang bewegt hätten, sei Österreichs Industrie seit Jahresbeginn gegenüber der europäischen Konkurrenz ins Hintertreffen geraten. Ein Trend, der sich zunächst fortsetzen werde. Zumindest 2023 und 2024 würden die Lohnstückkosten deutlich vorauseilen.
Die österreichische Industrie erleide somit aktuell einen Inflationsschock. Jedoch müsse dieser nicht den Auftakt zu einem schleichenden Niedergang der Industrie darstellen. Denn auch wenn der Inflationsrückgang hierzulande weitaus zäher verlaufe als in der gesamten Eurozone: Der Beginn einer neuen Ära, in der die österreichischen Verbraucherpreise über viele Jahre hinweg spürbar schneller steigen würden, zeichne sich nicht ab. Langfristig dürfte sich der "Österreich-Aufschlag" auf ein Niveau einpendeln, wie es bereits in den Jahren nach der Finanzkrise zu beobachten gewesen sei.
Dass Inflation und Lohnwachstum hierzulande höher seien als im Rest der Währungsunion, sei also beileibe keine neue Erfahrung. Im Durchschnitt der Jahre 2011 und 2022 habe die österreichische Inflation Jahr für Jahr um 0,6 Prozentpunkte über der Teuerung in der Währungsunion gelegen. Die Wettbewerbsposition der Industriebetriebe habe sich in dieser Zeit trotzdem nicht nennenswert verschlechtert. Denn die Unternehmen seien nicht nur teurer, sondern auch besser geworden: Den Lohnanstiegen hätten fast ebenso große Produktivitätszuwächse gegenübergestanden und seien teilweise auch durch diese begründet gewesen. Die Kostenanstiege hätten somit "aufgefangen" werden können.
Für das aktuelle Umfeld bedeute das: Natürlich sollten die Kostenanstiege so gering wie möglich gehalten werden. Diskussionen wie eine Arbeitszeitverringerung bei vollem Lohnausgleich seien daher auch abseits des Themas Arbeitskräftemangel fehl am Platze. Eine Verringerung der Arbeitszeit um 10% würde für Österreichs Industrie bei vollem Lohnausgleich einen zusätzlichen Verlust an preislicher Wettbewerbsfähigkeit von 11% bedeuten. Jedoch habe die Vergangenheit gezeigt, dass Österreichs Industrie grundsätzlich in der Lage sei, stärkere Produktivitätszuwächse zu erzielen. Diese seien auch notwendig, um zumindest einen Teil des derzeitigen Kostenanstiegs nachträglich wieder "einzufangen". Höhere Produktivitätszuwächse hätten aber zusätzliche Anstrengungen vorausgesetzt. Denn zuletzt habe sich der Produktivitätsfortschritt abgeschwächt und nicht beschleunigt.
Anders die Situation in der Tourismuswirtschaft. Digitale Revolution hin oder her - ein Kellner werde dadurch nicht schneller servieren können, ein Koch nicht schneller kochen. Dass die Löhne in der österreichischen Tourismusbranche absehbar stärker steigen würden als im Rest Europas, könne daher kaum durch Effizienzgewinne ausgeglichen werden. Das lasse den Österreich-Urlaub schneller teurer werden als andernorts. Zwar sei das Urlaubsverhalten weiterhin vom Post-Corona Nachholbedarf geprägt. Mittelfristig könnte der stärkere Kostenanstieg für den österreichischen Tourismus aber einen Belastungsfaktor darstellen.
Dabei habe der Österreich-Urlaub bereits in den Jahren seit der Finanzkrise an preislicher Konkurrenzfähigkeit eingebüßt. Zwischen 2011 und 2019 seien die Stundenlöhne in der österreichischen Tourismuswirtschaft (Hotellerie und Gastronomie) um insgesamt 32% gestiegen, die Lohnstückkosten gar um satte 40%. Ein Wert, der in der Eurozone nur noch von den baltischen Ländern und der Slowakei übertroffen worden sei. (Ausgabe vom 03.08.2023) (04.08.2023/alc/a/a)
Das bleibe nicht folgenlos für die Konkurrenzfähigkeit der österreichischen Unternehmen, allen voran der im internationalen Wettbewerb stehenden Industrie. Schon jetzt würden auch die Stundenlöhne hierzulande stärker als in der Eurozone oder in Deutschland steigen. Nach Jahren, in denen sich die Lohnstückkosten im europäischen Gleichklang bewegt hätten, sei Österreichs Industrie seit Jahresbeginn gegenüber der europäischen Konkurrenz ins Hintertreffen geraten. Ein Trend, der sich zunächst fortsetzen werde. Zumindest 2023 und 2024 würden die Lohnstückkosten deutlich vorauseilen.
Die österreichische Industrie erleide somit aktuell einen Inflationsschock. Jedoch müsse dieser nicht den Auftakt zu einem schleichenden Niedergang der Industrie darstellen. Denn auch wenn der Inflationsrückgang hierzulande weitaus zäher verlaufe als in der gesamten Eurozone: Der Beginn einer neuen Ära, in der die österreichischen Verbraucherpreise über viele Jahre hinweg spürbar schneller steigen würden, zeichne sich nicht ab. Langfristig dürfte sich der "Österreich-Aufschlag" auf ein Niveau einpendeln, wie es bereits in den Jahren nach der Finanzkrise zu beobachten gewesen sei.
Für das aktuelle Umfeld bedeute das: Natürlich sollten die Kostenanstiege so gering wie möglich gehalten werden. Diskussionen wie eine Arbeitszeitverringerung bei vollem Lohnausgleich seien daher auch abseits des Themas Arbeitskräftemangel fehl am Platze. Eine Verringerung der Arbeitszeit um 10% würde für Österreichs Industrie bei vollem Lohnausgleich einen zusätzlichen Verlust an preislicher Wettbewerbsfähigkeit von 11% bedeuten. Jedoch habe die Vergangenheit gezeigt, dass Österreichs Industrie grundsätzlich in der Lage sei, stärkere Produktivitätszuwächse zu erzielen. Diese seien auch notwendig, um zumindest einen Teil des derzeitigen Kostenanstiegs nachträglich wieder "einzufangen". Höhere Produktivitätszuwächse hätten aber zusätzliche Anstrengungen vorausgesetzt. Denn zuletzt habe sich der Produktivitätsfortschritt abgeschwächt und nicht beschleunigt.
Anders die Situation in der Tourismuswirtschaft. Digitale Revolution hin oder her - ein Kellner werde dadurch nicht schneller servieren können, ein Koch nicht schneller kochen. Dass die Löhne in der österreichischen Tourismusbranche absehbar stärker steigen würden als im Rest Europas, könne daher kaum durch Effizienzgewinne ausgeglichen werden. Das lasse den Österreich-Urlaub schneller teurer werden als andernorts. Zwar sei das Urlaubsverhalten weiterhin vom Post-Corona Nachholbedarf geprägt. Mittelfristig könnte der stärkere Kostenanstieg für den österreichischen Tourismus aber einen Belastungsfaktor darstellen.
Dabei habe der Österreich-Urlaub bereits in den Jahren seit der Finanzkrise an preislicher Konkurrenzfähigkeit eingebüßt. Zwischen 2011 und 2019 seien die Stundenlöhne in der österreichischen Tourismuswirtschaft (Hotellerie und Gastronomie) um insgesamt 32% gestiegen, die Lohnstückkosten gar um satte 40%. Ein Wert, der in der Eurozone nur noch von den baltischen Ländern und der Slowakei übertroffen worden sei. (Ausgabe vom 03.08.2023) (04.08.2023/alc/a/a)
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