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Die Inflation wird auch längerfristig bei 3 bis 4 Prozent bleiben
06.10.22 11:00
M&G Investments
London (www.anleihencheck.de) - Die gemeldeten Inflationsraten haben zuletzt erneut die Erwartungen der Marktteilnehmer übertroffen, so Ivan Domjanic, Capital Market Strategist von M&G Investments.
Dennoch: So stark die Inflationsdynamik derzeit auch sei, ein gewisser Rückgang über die nächsten Monate sei allein aufgrund von Basiseffekten wahrscheinlich. Hinzu komme die Entspannung bei vielen Rohstoffpreisen, wie Rohöl oder Stahl, sowie erste Anzeichen für eine Entspannung bei den Lieferketten, die jedoch auf etwas tönernen Füßen stehe.
Die entscheidende Frage sei, mit welcher Inflation Anleger über die nächsten Jahre rechnen müssten. Die Märkte für Inflationsanleihen würden für Deutschland derzeit eine durchschnittliche Inflation von rund 2,1% über die nächsten zehn Jahre einpreisen. Sie würden somit davon ausgehen, dass die Teuerung von den aktuell extremen Niveaus sehr bald unter Kontrolle gerate und längerfristig um die 2%-Zielmarke oszilliere - ein aus Sicht der Experten zu optimistisches Szenario. Zu erwartende Zweitrundeneffekte dürften die Inflation auf absehbare Zeit auf einem erhöhten Niveau deutlich oberhalb von 2% halten.
Denn die Arbeitnehmer würden die steigenden Lebenshaltungskosten in ihren Lohnverhandlungen sehr wahrscheinlich mitberücksichtigen. Ebenso würden die Unternehmen die Preise für ihre Produkte und Dienstleistungen weiter nach oben anpassen, um den steigenden Kosten entgegenzuwirken. Die wahrscheinlich bevorstehende Rezession dürfte die Inflation zwar dämpfen, allerdings nur vorrübergehend. Denn die entscheidenden Gründe für eine erhöhte Inflation über die nächsten zehn Jahre seien strukturell bedingt. Dazu würden De-Globalisierungstendenzen, strukturelle Arbeitskräfteknappheit wegen der alternden Bevölkerung, Maßnahmen hinsichtlich der Energiewende (z.B. CO2-Steuer), massiver Investitionsbedarf in Infrastruktur, zu erwartende Rohstoffknappheiten und die Kosten für die Auswirkungen des Klimawandels gehören.
Als wesentlicher deflationärer Treiber werde des Öfteren der technologische Fortschritt angeführt. Ob dieser jedoch in der Lage sein werde, die obigen Punkte auszugleichen, erscheine zumindest für die nächsten Jahre unwahrscheinlich. Somit werde man sich wahrscheinlich auf absehbare Zeit an erhöhte und auch volatilere Inflationsraten gewöhnen müssen, die aus Sicht der Experten im Durchschnitt eher zwischen 3 und 4% liegen dürften als bei den derzeit von den Märkten eingepreisten 2,1%.
Mit welchen Anlagen würden sich potenzielle Inflationsraten von mehr als 3% längerfristig ausgleichen lassen?
Im Vergleich zu Staatsanleihen würden die Experten Unternehmensanleihen interessanter finden. Denn mittlerweile würden europäische Unternehmensanleihen mit Top-Bonität bei rund 4% rentieren. Europäische Hochzinsanleihen böten sogar Ablaufrenditen von rund 8% und damit aus Sicht der Experten einen ausreichenden Puffer für höhere Ausfallraten im Vergleich zum Investment-Grade-Bereich.
Aktien können ebenfalls, je nach Marktsegment, einen guten Inflationsschutz bieten. Denn mit der Inflation würden über kurz oder lang auch die Umsätze und Gewinne vieler (wenn auch nicht aller) Unternehmen steigen. Profitable Unternehmen mit günstigen Bewertungen, wie beispielsweise im Value-Segment, gelte es zu finden. Aber auch moderat bewertete Qualitätsunternehmen mit Preissetzungsmacht sollten in diesem inflationären Umfeld bestehen können. Schließlich böten sich auch thematische Ansätze an, die ein langfristiges Wachstumspotenzial hätten. Allerdings sei hier eine bewertungsorientierte Titelselektion umso wichtiger.
Neben dem Thema "grüne Energie" würden die Experten u.a. auch im Thema Infrastruktur weiterhin Chancen sehen. Kritischer würden sie hingegen viele nach wie vor teure und unprofitable Wachstumstitel betrachten, die es schwer haben dürften, ihre inflationär bedingt steigenden Kosten abzufedern. (06.10.2022/alc/a/a)
Dennoch: So stark die Inflationsdynamik derzeit auch sei, ein gewisser Rückgang über die nächsten Monate sei allein aufgrund von Basiseffekten wahrscheinlich. Hinzu komme die Entspannung bei vielen Rohstoffpreisen, wie Rohöl oder Stahl, sowie erste Anzeichen für eine Entspannung bei den Lieferketten, die jedoch auf etwas tönernen Füßen stehe.
Die entscheidende Frage sei, mit welcher Inflation Anleger über die nächsten Jahre rechnen müssten. Die Märkte für Inflationsanleihen würden für Deutschland derzeit eine durchschnittliche Inflation von rund 2,1% über die nächsten zehn Jahre einpreisen. Sie würden somit davon ausgehen, dass die Teuerung von den aktuell extremen Niveaus sehr bald unter Kontrolle gerate und längerfristig um die 2%-Zielmarke oszilliere - ein aus Sicht der Experten zu optimistisches Szenario. Zu erwartende Zweitrundeneffekte dürften die Inflation auf absehbare Zeit auf einem erhöhten Niveau deutlich oberhalb von 2% halten.
Denn die Arbeitnehmer würden die steigenden Lebenshaltungskosten in ihren Lohnverhandlungen sehr wahrscheinlich mitberücksichtigen. Ebenso würden die Unternehmen die Preise für ihre Produkte und Dienstleistungen weiter nach oben anpassen, um den steigenden Kosten entgegenzuwirken. Die wahrscheinlich bevorstehende Rezession dürfte die Inflation zwar dämpfen, allerdings nur vorrübergehend. Denn die entscheidenden Gründe für eine erhöhte Inflation über die nächsten zehn Jahre seien strukturell bedingt. Dazu würden De-Globalisierungstendenzen, strukturelle Arbeitskräfteknappheit wegen der alternden Bevölkerung, Maßnahmen hinsichtlich der Energiewende (z.B. CO2-Steuer), massiver Investitionsbedarf in Infrastruktur, zu erwartende Rohstoffknappheiten und die Kosten für die Auswirkungen des Klimawandels gehören.
Mit welchen Anlagen würden sich potenzielle Inflationsraten von mehr als 3% längerfristig ausgleichen lassen?
Im Vergleich zu Staatsanleihen würden die Experten Unternehmensanleihen interessanter finden. Denn mittlerweile würden europäische Unternehmensanleihen mit Top-Bonität bei rund 4% rentieren. Europäische Hochzinsanleihen böten sogar Ablaufrenditen von rund 8% und damit aus Sicht der Experten einen ausreichenden Puffer für höhere Ausfallraten im Vergleich zum Investment-Grade-Bereich.
Aktien können ebenfalls, je nach Marktsegment, einen guten Inflationsschutz bieten. Denn mit der Inflation würden über kurz oder lang auch die Umsätze und Gewinne vieler (wenn auch nicht aller) Unternehmen steigen. Profitable Unternehmen mit günstigen Bewertungen, wie beispielsweise im Value-Segment, gelte es zu finden. Aber auch moderat bewertete Qualitätsunternehmen mit Preissetzungsmacht sollten in diesem inflationären Umfeld bestehen können. Schließlich böten sich auch thematische Ansätze an, die ein langfristiges Wachstumspotenzial hätten. Allerdings sei hier eine bewertungsorientierte Titelselektion umso wichtiger.
Neben dem Thema "grüne Energie" würden die Experten u.a. auch im Thema Infrastruktur weiterhin Chancen sehen. Kritischer würden sie hingegen viele nach wie vor teure und unprofitable Wachstumstitel betrachten, die es schwer haben dürften, ihre inflationär bedingt steigenden Kosten abzufedern. (06.10.2022/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 27.03./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


