Die Inflation wird ein Ende haben


06.10.23 12:00
BNP Paribas

Paris (www.anleihencheck.de) - Die Inflation befindet sich weiter auf dem Rückzug, so die Experten der BNP Paribas in einer aktuellen Ausgabe von "Märkte & Zertifikate weekly".

Im September hätten die Verbraucherpreise in Deutschland im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4,5 Prozent zugelegt, das sei der niedrigste Wert seit Februar 2022. Die Experten der BNP Paribas hätten ja schon des Öfteren betont, dass die Inflation kein Dauerthema sein werde. Ganz im Gegenteil, vielleicht würden wir uns im kommenden Jahr sogar mehr Gedanken um die Deflation machen müssen, also um Minus-Inflationszahlen. Die Experten der BNP würden denken, dass die Risiken in dieser Richtung derzeit an den Märkten völlig unterschätzt würden. Dabei sehe man schon eine Geldmenge, die sich klar rückläufig entwickele. In den USA etwa schrumpfe die Geldmenge M2 bereits seit Mitte des zurückliegenden Jahres, von knapp 22 Billionen Dollar auf unter 21 Billionen Dollar im August. Das sei wichtig, denn die Geldmenge sei sozusagen das Fundament, auf dem die Inflation fuße. Je höher die Geldmenge, desto höher die Güterpreise, und umgekehrt. Falle also die Geldmenge, dann fallen auch die Preise. Allerdings nicht sofort, sondern mit einer zeitlichen Verzögerung. Und genau dies werde derzeit an den Märkten nicht richtig eingestuft. Deswegen herrsche immer noch die Angst vor der Inflation, während die Deflation kein Thema zu sein scheine. Das sei zum Teil sogar so gewollt. Die US-Notenbank spiele mit der Angst der Marktteilnehmer ganz bewusst, denn nur so entfaltet ihre Geldpolitik ihre volle Wirkung. Die rückläufige Geldmenge würden wir auch in vielen anderen Industrienationen sehen, auch in Europa. Setze sich das fort, könne sich daraus ein kräftiger Konjunkturabschwung entwickeln, was wir ja etwa in Deutschland schon zu spüren bekämen. In Kombination mit fallenden Güterpreisen ein gefährlicher Mix, der sich am Ende selbst verstärken und in einer Deflation münden könne. Ein Mix, der nur durch kräftige Zinssenkungen aufzuhalten wäre, wenn überhaupt. Darum würden die Experten der BNP Paribas meinen, dass die Phase der Niedrigzinsen nicht vorbei sei, sie sei durch Corona und so weiter nur zeitweise unterbrochen worden.

Und was heiße das für die Börse? Da seien sich die Experten der BNP Paribas noch nicht sicher. Eine schrumpfende Geldmenge sei erst einmal nicht gut für den Aktienmarkt, da dieser von einer steigenden Geldmenge profitiere. Je mehr Geld im Umlauf sei, desto mehr Geld stehe für die Börse zur Verfügung. Andererseits: Würden die Zinsen fallen, steige dadurch die Attraktivität der Aktien. Sie würden quasi wieder alternativlos. Da müssten wir also noch abwarten, vielleicht drohe uns am Ende eine lange Seitwärtsbewegung, die aber auch Chancen für Stock-Picking eröffne. Denn einige Sektoren würden weiter wachsen, etwa erneuerbare Energien, neue Technologien wie Künstliche Intelligenz und klimafreundliche Lebensmittel. Sie würden sich sozusagen der Deflation entwinden, weil hier übergeordnete Interessen eine Rolle spielen würden. (06.10.2023/alc/a/a)