Die Inflation verspätet sich, meint Federated Hermes


02.03.21 10:30
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Notenbanken und Regierungen pumpen immer mehr Geld in die Wirtschaft, um die negativen Effekte der Pandemie abzufedern, so die Experten von "FONDS professionell".

Irgendwann dürften dadurch die Verbraucherpreise steigen. Silvia Dall'Angelo, Ökonomin bei Federated Hermes, drücke es so aus: "Die Fiskalpolitik ist mittel- und langfristig klar inflationär ausgerichtet." Trotzdem könnten höhere Teuerungsraten auf sich warten lassen, schätze sie. Denn eine expansive Geld- und Fiskalpolitik genüge möglicherweise nicht, um dem langfristigen Disinflationsdruck entgegenzuwirken.

Gegen steigende Verbraucherpreise spreche vor allem, dass die Nachfrage durch die Corona-Pandemie einen massiven Dämpfer bekommen habe und noch eine ganze Weile nicht wieder auf Vorkrisenniveau liege. Bis alle Bürger, die in der Krise ihren Job verloren hätten, wieder in Lohn und Brot stünden und ihren gewohnten Konsum wieder aufnehmen würden, könnte es sogar Jahre dauern, prophezeie Dall'Angelo. Allein in den Vereinigten Staaten hätten im bisherigen Verlauf der Coronakrise rund zehn Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz verloren.

Die Ökonomin sehe indes auch einige Argumente für eine steigende Inflation. So könnte unter anderem ein anziehender Ölpreis die Teuerung anheizen - vor allem in Kombination mit einem schwächeren US-Dollar. Auch Nachholeffekte, wenn die Pandemie unter Kontrolle sei, seien denkbar. "Möglicherweise verlieren die Verbraucher ihre Sensibilität gegenüber Preisen, wenn sie Erfahrungen und Aktivitäten nachholen, die ihnen während des Lockdowns gefehlt haben", mutmaße Dall'Angelo. Die Ersparnisse, die ein Teil der Verbraucher in der Krise angehäuft hätten, könnten dann die Nachfrage steigern.

Insgesamt sehe die Federated-Hermes-Expertin in puncto Inflation ein gemischtes Bild. "Einige disinflationäre Kräfte, wie Demografie und Automatisierung, werden voraussichtlich weiter wirken. Andere Einflussfaktoren könnten sich wandeln", habe sie gesagt. "Dazu zählen die Globalisierung, das Kräfteverhältnis zwischen Unternehmen und Arbeitnehmern, die Umverteilungspolitik sowie die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken." (Ausgabe vom 01.03.2021) (02.03.2021/alc/a/a)