Inflation steigt wieder - doch Volkswirte geben Entwarnung


09.02.23 15:00
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Verbraucherpreise in Deutschland sind im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat um voraussichtlich 8,7 Prozent gestiegen. Das teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit, berichten die Experten von "FONDS professionell".

Damit habe die Inflation 0,1 Punkte über dem Dezember-Wert gelegen, sei also wieder gestiegen, nachdem der Trend steigender Teuerungsraten schon gebrochen schien.

Ökonomen würden die Daten jedoch nicht beunruhigen. "Die Inflation in Deutschland hat ihren Höhepunkt hinter sich", meine Jörg Zeuner, der Chefvolkswirt von Union Investment. Die Zahlen im Dezember seien durch diverse Sonderfaktoren verzerrt gewesen. "So hatte der Bund beispielsweise zum Jahresende die Abschlagszahlungen der Haushalte für Gas und Fernwärme übernommen", erinnere Zeuner. "Die letzten vergleichbaren Werte stammen aus dem Oktober und November." Damals habe die Teuerungsrate noch bei 10,4 beziehungsweise zehn Prozent gelegen.

"Dass die Energiepreise ihren Höhenflug beendet haben und in etwa auf dem Vorkriegsniveau liegen, dürfte die Teuerung zumindest mittelfristig weiter einbremsen", so Zeuner weiter. "Der Preisdruck in der Kernrate, etwa bei Wohnen, Bekleidung und Dienstleistungen, dürfte sich dennoch bis in den Sommer hinein halten." Für eine Lockerung der Geldpolitik gebe es daher noch keinen Spielraum. Zeuner und seine Kollegen würden bis Mai weitere Zinsschritte der Europäischen Zentralbank (EZB) über insgesamt 75 Basispunkte erwarten.

Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust, pflichte Zeuner bei: "Auch wenn der hohe Preisanstieg im Januar in Deutschland administrative Sondereffekte enthält, ist er ein weiteres Signal für eine straffe Zinspolitik der EZB: Im März dürften die Zinsen erneut angehoben werden." Der weitere Rückgang der Jahresinflationsrate dürfte "eher graduell" ausfallen, erwarte Heise. "Lediglich im März ist ein deutlicher Rückgang der Vorjahresrate zu erwarten, da die extrem starken Preiserhöhungen vom März 2022 dann aus der Berechnung herausfallen." (09.02.2023/alc/a/a)