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Inflation kratzt zunehmend am Geldvermögen der deutschen Privathaushalte
29.08.18 11:30
Postbank Research
Bonn (www.anleihencheck.de) - Die privaten Haushalte in Deutschland haben im Jahr 2017 durch aktives Sparen Geldvermögen in einem Gesamtvolumen von rund 210 Mrd. EUR gebildet, so die Analysten von Postbank Research.
Damit sei die Geldvermögensbildung seit 2013 um knapp die Hälfte gestiegen, nachdem sie zuvor einige Jahre lang nahezu stagniert habe. Zu den bevorzugten Anlageformen hätten auch weiterhin Bankeinlagen (einschließlich Bargeld) gehört, die um rund 104 Mrd. EUR aufgestockt worden seien. Dies habe rund 49% des neugebildeten Geldvermögens entsprochen. Besonderer Beliebtheit unter den Bankeinlagen hätten sich wiederum, wie bereits in den Vorjahren, täglich fällige Einlagen erfreut. Auf Giro- und Tagesgeldkonten alleine seien gut 100 Mrd. EUR zusätzlich angelegt worden. In dieser Präferierung schlage sich vor allem das extrem niedrige Zinsniveau am Geld- und Kapitalmarkt nieder, das dazu führe, dass die Opportunitätskosten hochliquider Anlagen im Vergleich zu einer längerfristigen Bindung verfügbarer Anlagemittel gegen Null tendieren würden.
Gegenüber Versicherungen (einschließlich sonstiger Forderungen) seien die Ansprüche um gut 30 Mrd. EUR gewachsen. Die Ansprüche gegenüber anderen Alterssicherungssystemen (z.B. Pensionsfonds) hätten sich um gut 29 Mrd. EUR erhöht. Etwa 47 Mrd. EUR seien in die kapitalmarktbasierte Geldvermögensbildung geflossen. Dabei hätten die privaten Haushalte festverzinsliche Wertpapiere im Umfang von netto ca. 8 Mrd. EUR abgestoßen. Auch hier würden die Niedrigzinsen, wie schon in den Vorjahren, grüßen lassen.
Dagegen hätten die Bundesbürger netto knapp 9 Mrd. EUR direkt in börsennotierte Aktien investiert. Fast 45 Mrd. EUR seien in Investmentfonds und sonstige Anteilsrechte geflossen. Damit hätten sich die Netto-Investitionen in Anteilsrechte und Investmentzertifikate weiter verstärkt. Zugleich würden sie sich seit nunmehr vier Jahren in Folge auf einem für deutsche Verhältnisse recht ordentlichen Niveau bewegen, nachdem zuvor seit dem Platzen der Dotcom-Blase 2001 das Interesse doch sehr gering bis (per saldo) überhaupt nicht vorhanden gewesen sei.
Aufgrund der Netto-Investitionen sowie der 2017 per saldo positiven Entwicklung an den Aktienbörsen habe sich der Wert der von den privaten Haushalten gehaltenen Aktien im vergangenen Jahr um knapp 40 Mrd. EUR auf 327,4 Mrd. EUR erhöht, der von Investmentzertifikaten um 58 Mrd. EUR auf 576,2 Mrd. EUR. Insgesamt sei der Bestand an Geldvermögen damit um fast 280 Mrd. EUR auf 5.860,8 Mrd. EUR geklettert.
Trotz des gestiegenen Interesses an Aktien und Investmentfonds würden sich die Bundesbürger bei ihrer Geldvermögensbildung grundsätzlich immer noch risikoscheu verhalten. Seit dem Jahr 2010 seien 91,2% des neugebildeten Geldvermögens in Bankeinlagen, Versicherungen und Alterssicherungssysteme geflossen. Auf Aktien, Anteile an Investmentfonds, sonstige Anteilsrechte und festverzinsliche Wertpapiere seien in der Summe gerade einmal 8,3% entfallen. Trotz dieser Zurückhaltung gegenüber kapitalmarktbasierten Formen der Vermögensbildung habe sich deren Bedeutung im Hinblick auf die von Privatpersonen gehaltenen Bestände an Geldvermögen leicht erholt.
Vor allem aufgrund der seit Anfang 2012 im Trend stark gestiegenen Aktienkurse habe sich der Anteil der kapitalmarktbasierten Vermögenshaltung an den gesamten Geldvermögensbeständen von seinem Tief von 21,9% im Jahr 2014 gerade einmal auf 22,8% im Jahr 2017 erhöht. Dieses Niveau sei selbst für deutsche Verhältnisse sehr niedrig. 2007, also vor Ausbruch der Finanzmarktkrise, habe der Anteil noch bei rund 30% gelegen. Der Höhepunkt seit dem Start der Europäischen Währungsunion sei im Jahr 2000 mit fast 34% erreicht worden. Seinerzeit habe er sich fast auf Augenhöhe mit den Bankeinlagen befunden und sei deutlich höher gewesen als der Anteil der Versicherungen zuzüglich anderer Alterssicherungssysteme.
Die Netto-Neuverschuldung der privaten Haushalte habe sich 2017 weiter auf 45,9 Mrd. EUR erhöht. Vier Jahre zuvor habe sie noch bei 12,5 Mrd. EUR gelegen. In den Jahren 2005 bis 2009 hätten die Bundesbürger sogar Jahr für Jahr mehr Schulden getilgt als neue aufgenommen. Der Anstieg der Neuverschuldung sei aber kein Indiz für eine deutliche Veränderung der Verschuldungsmentalität. Er stehe vielmehr in einem direkten Zusammenhang mit der spürbaren Belebung der Investitionen in den Wohnungsbau. So seien 2017 rund 85% der Netto-Neuverschuldung auf Wohnungsbaukredite entfallen. Zugleich sei die Verschuldungsdynamik immer noch nicht sonderlich hoch. Zwar sei das Volumen der Verbindlichkeiten der privaten Haushalte 2017 um 3,4% gestiegen. Damit sei der relative Zuwachs aber deutlich hinter dem Anstieg der Geldvermögensbestände von 5,0% zurückgeblieben.
Der Verschuldungsgrad, der an der Relation 'absoluter Schuldenstand / Verfügbare Einkommen' gemessen werden könne, habe sich in den Jahren 2014 bis 2017 bei rund 90% eingependelt. Im Jahr 2000 habe er noch bei rund 113% gelegen und sei anschließend im Zuge des langanhaltenden Einbruchs bei den Wohnungsbauinvestitionen und einer damit einhergehenden sehr geringen Nachfrage nach Immobilienkrediten kräftig gefallen. Aufgrund der hier im wesentlichen seit 2014 zu beobachtenden, sukzessiven Verstärkung, die sich nach Einschätzung der Analysten aufgrund der anhaltenden Knappheit an Wohnraum noch einige Jahre fortsetzen sollte, dürfte der Verschuldungsgrad seinen Abwärtstrend in absehbarer Zukunft aber wohl nicht wieder aufnehmen.
Vielmehr sei damit zu rechnen, dass die jährliche Netto-Neuverschuldung noch etwas steige und sich der Verschuldungsgrad in der Folge leicht erhöhe. Werte, wie sie vor zehn oder gar fünfzehn Jahren zu verzeichnen gewesen seien, würden aber mit Sicherheit in den nächsten Jahren bei Weitem nicht erreicht werden. Der Verschuldungsgrad der privaten Haushalte sollte sich demnach weiterhin auf einem eher moderaten Niveau bewegen und damit - bei Betrachtung auf einer hochaggregierten Ebene - auch von einer soliden Schuldentragfähigkeit zeugen.
Der natürliche Feind des Sparers sei die Inflation. Diese drücke den Realwert seines Geldvermögens. Während Sachvermögen, wie z.B. Immobilien, in Inflationsphasen oftmals parallele oder sogar überproportionale Wertsteigerungen erfahre, wodurch Inhaber 'entschädigt' würden, sei Finanzvermögen viel anfälliger. Auf Dauer würden selbst Inflationsraten, die gemeinhin als eher moderat angesehen würden, am Realwert des Geldvermögens zehren.
So seien die Verbraucherpreise in Deutschland von 2000 bis 2013 um rund 23% gestiegen. Dies habe einer durchschnittlichen Inflationsrate von 1,6% entsprochen. Aber selbst dieser verhaltene Preisauftrieb habe dazu geführt, dass von dem Anstieg der Geldvermögensbestände um nominal 1.468 Mrd. EUR in realer Rechnung gerade einmal 562 Mrd. EUR übrig geblieben seien. Ganz anders sei hingegen die Bilanz der Jahre 2014 bis 2016 ausgefallen. Die durchschnittliche Inflationsrate sei in diesem Zeitraum auf sehr niedrige 0,5% gesunken. Von dem nominalen Anstieg des Geldvermögens um 726 Mrd. EUR oder 15% seien nach Herausrechnung der Preissteigerungen real 641 Mrd. EUR übrig geblieben.
Im vergangenen Jahr seien die Zeiten für Sparer aber schon wieder härter geworden. Die Inflationsrate sei auf 1,7% gesprungen. Das Geldvermögen der privaten Haushalte sei dadurch um 100 Mrd. EUR entwertet worden. Dass dessen Realwert dennoch um sehr beachtliche 180 Mrd. EUR zugelegt habe, sei neben der regen Spartätigkeit der im Jahr 2017 positiven Börsenentwicklung zu verdanken. Im laufenden Jahr habe sich die über den Sparern hängende Wolkendecke gleich von zwei Seiten verdichtet. Die Inflationsrate dürfte auf 1,9% anziehen, wodurch sich die Entwertung der Geldvermögen auf ca. 115 Mrd. erhöhen dürfte.
Dazu habe sich Lage an den Aktienmärkten eingetrübt. Die Entwicklung im restlichen Verlauf des Jahres müsste schon überraschend positiv verlaufen, damit die Anleger in der Summe überhaupt Kursgewinne erzielen könnten. Für wahrscheinlicher würden die Analysten es derzeit aber halten, dass im Gesamtjahr 2018 moderate Kursverluste verbucht werden müssten. Sollten die Aktienmärkte bis zum Jahresende einen spürbaren Rückschlag erleiden, wäre es sogar möglich, dass der Realwert der Geldvermögensbestände gegenüber dem Vorjahr sinke, obwohl die aktive Sparleistung der privaten Haushalte voraussichtlich auf mehr als 220 Mrd. EUR steige.
Die Ausstattung der privaten Haushalte Deutschlands mit finanziellen Mitteln sei gemessen an den Verfügbaren Einkommen im internationalen Vergleich mäßig. In UK liege das Verhältnis zwischen Geldvermögen und Einkommen um rund 60% höher, in den USA um gut die Hälfte. Selbst im Euroraum übersteige die Relation die Deutschlands um ein Fünftel. Dabei sei die Sparquote, also der Teil des Verfügbaren Einkommens, der nicht für Konsumzwecke verwendet werde, in Deutschland wesentlich höher als in den genannten Ländern und Regionen. Zu Zeiten der Finanzkrise habe Deutschland dadurch zwar zwischenzeitlich einmal spürbar aufgeholt, nachfolgend aber klar an Boden verloren.
Zugleich sei festzustellen, dass die Vermögensbildung hierzulande wesentlich konstanter verlaufe als in anderen Teilen der Welt. Ursächlich für all diese Phänomene sei der geringe Anteil kapitalmarktbasierter Anlageformen an der Vermögenshaltung hierzulande, da er dazu führe, dass sich Entwicklungen an den Börsen in vergleichsweise geringem Umfang niederschlagen würden - im guten wie im schlechten Falle.
Eine Ausnahmestellung nehme Deutschland bei der Entwicklung der Verschuldung ein. Habe die Verschuldungsquote der privaten Haushalte zu Beginn des Jahrtausends noch deutlich höher gelegen als in den USA, UK oder in der EWU, so hätten sich die Verhältnisse inzwischen umgekehrt. Deutschland weise innerhalb der betrachteten Gruppe seit gut zehn Jahren die niedrigste Verschuldungsquote auf, wenn auch nur knapp vor den USA.
Zugleich zeige sich auch diesbezüglich die hohe Robustheit von Trends hierzulande. Während die hiesige Quote von 2002 bis 2014 nahezu durchgängig gefallen sei und sich seitdem stabilisiert habe, habe sie in anderen Ländern zum Teil starken Schwankungen unterlegen. So habe es insbesondere in den USA, aber auch in einigen Ländern des Euroraums, bis zur Finanzkrise einen regelrechten Kreditboom gegeben, dem dann aber ein schmerzhafter Anpassungsprozess nach unten gefolgt sei. Davon sei Deutschland praktisch vollständig verschont geblieben.
Konstanz und Sicherheit könnten als eigene Werte betrachtet werden. Sie würden aber nicht notwendigerweise zu besseren ökonomischen Ergebnissen führen. Bei der Kombination aus Sparverhalten und Vermögensentwicklung zeige sich über längere Zeiträume sogar ein negativer Einfluss. So würden die Deutschen im internationalen Vergleich sehr regelmäßig sparen und hierfür auch einen überproportionalen Anteil ihrer Einkommen aufwenden. Zugleich seien sie sehr zurückhaltend bei der Aufnahme von Schulden. Die Entwicklung der Netto-Geldvermögen sei aber eher bescheiden.
Insbesondere die angelsächsischen Länder haben uns diesbezüglich in den letzten Jahren abgehängt, so die Analysten von Postbank Research. Verantwortlich hierfür sei die ausgeprägte Risikoaversion. Da sich hieran vorläufig wohl nur wenig ändern werde, dürften die deutschen Privathaushalte vor dem Hintergrund des nach Erachten der Analysten auf mittlere Sicht weiterhin konstruktiven Umfeldes für Aktienanlagen beim Vermögensaufbau gegenüber Ländern, die eine ausgeprägte kapitalmarktorientierte Anlagekultur aufweisen würden, weiter zurückfallen. Aus einer langfristigen Perspektive werde Deutschland selbst unter der Annahme, dass die Sparquote hierzulande überdurchschnittlich hoch bleiben werde, den Rückstand zu anderen führenden Wirtschaftsnationen nur verkürzen können, wenn die Bereitschaft, bei der Geldanlage Risiken in Kauf zu nehmen, spürbar steige. (Ausgabe September 2018) (29.08.2018/alc/a/a)
Damit sei die Geldvermögensbildung seit 2013 um knapp die Hälfte gestiegen, nachdem sie zuvor einige Jahre lang nahezu stagniert habe. Zu den bevorzugten Anlageformen hätten auch weiterhin Bankeinlagen (einschließlich Bargeld) gehört, die um rund 104 Mrd. EUR aufgestockt worden seien. Dies habe rund 49% des neugebildeten Geldvermögens entsprochen. Besonderer Beliebtheit unter den Bankeinlagen hätten sich wiederum, wie bereits in den Vorjahren, täglich fällige Einlagen erfreut. Auf Giro- und Tagesgeldkonten alleine seien gut 100 Mrd. EUR zusätzlich angelegt worden. In dieser Präferierung schlage sich vor allem das extrem niedrige Zinsniveau am Geld- und Kapitalmarkt nieder, das dazu führe, dass die Opportunitätskosten hochliquider Anlagen im Vergleich zu einer längerfristigen Bindung verfügbarer Anlagemittel gegen Null tendieren würden.
Gegenüber Versicherungen (einschließlich sonstiger Forderungen) seien die Ansprüche um gut 30 Mrd. EUR gewachsen. Die Ansprüche gegenüber anderen Alterssicherungssystemen (z.B. Pensionsfonds) hätten sich um gut 29 Mrd. EUR erhöht. Etwa 47 Mrd. EUR seien in die kapitalmarktbasierte Geldvermögensbildung geflossen. Dabei hätten die privaten Haushalte festverzinsliche Wertpapiere im Umfang von netto ca. 8 Mrd. EUR abgestoßen. Auch hier würden die Niedrigzinsen, wie schon in den Vorjahren, grüßen lassen.
Dagegen hätten die Bundesbürger netto knapp 9 Mrd. EUR direkt in börsennotierte Aktien investiert. Fast 45 Mrd. EUR seien in Investmentfonds und sonstige Anteilsrechte geflossen. Damit hätten sich die Netto-Investitionen in Anteilsrechte und Investmentzertifikate weiter verstärkt. Zugleich würden sie sich seit nunmehr vier Jahren in Folge auf einem für deutsche Verhältnisse recht ordentlichen Niveau bewegen, nachdem zuvor seit dem Platzen der Dotcom-Blase 2001 das Interesse doch sehr gering bis (per saldo) überhaupt nicht vorhanden gewesen sei.
Aufgrund der Netto-Investitionen sowie der 2017 per saldo positiven Entwicklung an den Aktienbörsen habe sich der Wert der von den privaten Haushalten gehaltenen Aktien im vergangenen Jahr um knapp 40 Mrd. EUR auf 327,4 Mrd. EUR erhöht, der von Investmentzertifikaten um 58 Mrd. EUR auf 576,2 Mrd. EUR. Insgesamt sei der Bestand an Geldvermögen damit um fast 280 Mrd. EUR auf 5.860,8 Mrd. EUR geklettert.
Trotz des gestiegenen Interesses an Aktien und Investmentfonds würden sich die Bundesbürger bei ihrer Geldvermögensbildung grundsätzlich immer noch risikoscheu verhalten. Seit dem Jahr 2010 seien 91,2% des neugebildeten Geldvermögens in Bankeinlagen, Versicherungen und Alterssicherungssysteme geflossen. Auf Aktien, Anteile an Investmentfonds, sonstige Anteilsrechte und festverzinsliche Wertpapiere seien in der Summe gerade einmal 8,3% entfallen. Trotz dieser Zurückhaltung gegenüber kapitalmarktbasierten Formen der Vermögensbildung habe sich deren Bedeutung im Hinblick auf die von Privatpersonen gehaltenen Bestände an Geldvermögen leicht erholt.
Vor allem aufgrund der seit Anfang 2012 im Trend stark gestiegenen Aktienkurse habe sich der Anteil der kapitalmarktbasierten Vermögenshaltung an den gesamten Geldvermögensbeständen von seinem Tief von 21,9% im Jahr 2014 gerade einmal auf 22,8% im Jahr 2017 erhöht. Dieses Niveau sei selbst für deutsche Verhältnisse sehr niedrig. 2007, also vor Ausbruch der Finanzmarktkrise, habe der Anteil noch bei rund 30% gelegen. Der Höhepunkt seit dem Start der Europäischen Währungsunion sei im Jahr 2000 mit fast 34% erreicht worden. Seinerzeit habe er sich fast auf Augenhöhe mit den Bankeinlagen befunden und sei deutlich höher gewesen als der Anteil der Versicherungen zuzüglich anderer Alterssicherungssysteme.
Die Netto-Neuverschuldung der privaten Haushalte habe sich 2017 weiter auf 45,9 Mrd. EUR erhöht. Vier Jahre zuvor habe sie noch bei 12,5 Mrd. EUR gelegen. In den Jahren 2005 bis 2009 hätten die Bundesbürger sogar Jahr für Jahr mehr Schulden getilgt als neue aufgenommen. Der Anstieg der Neuverschuldung sei aber kein Indiz für eine deutliche Veränderung der Verschuldungsmentalität. Er stehe vielmehr in einem direkten Zusammenhang mit der spürbaren Belebung der Investitionen in den Wohnungsbau. So seien 2017 rund 85% der Netto-Neuverschuldung auf Wohnungsbaukredite entfallen. Zugleich sei die Verschuldungsdynamik immer noch nicht sonderlich hoch. Zwar sei das Volumen der Verbindlichkeiten der privaten Haushalte 2017 um 3,4% gestiegen. Damit sei der relative Zuwachs aber deutlich hinter dem Anstieg der Geldvermögensbestände von 5,0% zurückgeblieben.
Der Verschuldungsgrad, der an der Relation 'absoluter Schuldenstand / Verfügbare Einkommen' gemessen werden könne, habe sich in den Jahren 2014 bis 2017 bei rund 90% eingependelt. Im Jahr 2000 habe er noch bei rund 113% gelegen und sei anschließend im Zuge des langanhaltenden Einbruchs bei den Wohnungsbauinvestitionen und einer damit einhergehenden sehr geringen Nachfrage nach Immobilienkrediten kräftig gefallen. Aufgrund der hier im wesentlichen seit 2014 zu beobachtenden, sukzessiven Verstärkung, die sich nach Einschätzung der Analysten aufgrund der anhaltenden Knappheit an Wohnraum noch einige Jahre fortsetzen sollte, dürfte der Verschuldungsgrad seinen Abwärtstrend in absehbarer Zukunft aber wohl nicht wieder aufnehmen.
Der natürliche Feind des Sparers sei die Inflation. Diese drücke den Realwert seines Geldvermögens. Während Sachvermögen, wie z.B. Immobilien, in Inflationsphasen oftmals parallele oder sogar überproportionale Wertsteigerungen erfahre, wodurch Inhaber 'entschädigt' würden, sei Finanzvermögen viel anfälliger. Auf Dauer würden selbst Inflationsraten, die gemeinhin als eher moderat angesehen würden, am Realwert des Geldvermögens zehren.
So seien die Verbraucherpreise in Deutschland von 2000 bis 2013 um rund 23% gestiegen. Dies habe einer durchschnittlichen Inflationsrate von 1,6% entsprochen. Aber selbst dieser verhaltene Preisauftrieb habe dazu geführt, dass von dem Anstieg der Geldvermögensbestände um nominal 1.468 Mrd. EUR in realer Rechnung gerade einmal 562 Mrd. EUR übrig geblieben seien. Ganz anders sei hingegen die Bilanz der Jahre 2014 bis 2016 ausgefallen. Die durchschnittliche Inflationsrate sei in diesem Zeitraum auf sehr niedrige 0,5% gesunken. Von dem nominalen Anstieg des Geldvermögens um 726 Mrd. EUR oder 15% seien nach Herausrechnung der Preissteigerungen real 641 Mrd. EUR übrig geblieben.
Im vergangenen Jahr seien die Zeiten für Sparer aber schon wieder härter geworden. Die Inflationsrate sei auf 1,7% gesprungen. Das Geldvermögen der privaten Haushalte sei dadurch um 100 Mrd. EUR entwertet worden. Dass dessen Realwert dennoch um sehr beachtliche 180 Mrd. EUR zugelegt habe, sei neben der regen Spartätigkeit der im Jahr 2017 positiven Börsenentwicklung zu verdanken. Im laufenden Jahr habe sich die über den Sparern hängende Wolkendecke gleich von zwei Seiten verdichtet. Die Inflationsrate dürfte auf 1,9% anziehen, wodurch sich die Entwertung der Geldvermögen auf ca. 115 Mrd. erhöhen dürfte.
Dazu habe sich Lage an den Aktienmärkten eingetrübt. Die Entwicklung im restlichen Verlauf des Jahres müsste schon überraschend positiv verlaufen, damit die Anleger in der Summe überhaupt Kursgewinne erzielen könnten. Für wahrscheinlicher würden die Analysten es derzeit aber halten, dass im Gesamtjahr 2018 moderate Kursverluste verbucht werden müssten. Sollten die Aktienmärkte bis zum Jahresende einen spürbaren Rückschlag erleiden, wäre es sogar möglich, dass der Realwert der Geldvermögensbestände gegenüber dem Vorjahr sinke, obwohl die aktive Sparleistung der privaten Haushalte voraussichtlich auf mehr als 220 Mrd. EUR steige.
Die Ausstattung der privaten Haushalte Deutschlands mit finanziellen Mitteln sei gemessen an den Verfügbaren Einkommen im internationalen Vergleich mäßig. In UK liege das Verhältnis zwischen Geldvermögen und Einkommen um rund 60% höher, in den USA um gut die Hälfte. Selbst im Euroraum übersteige die Relation die Deutschlands um ein Fünftel. Dabei sei die Sparquote, also der Teil des Verfügbaren Einkommens, der nicht für Konsumzwecke verwendet werde, in Deutschland wesentlich höher als in den genannten Ländern und Regionen. Zu Zeiten der Finanzkrise habe Deutschland dadurch zwar zwischenzeitlich einmal spürbar aufgeholt, nachfolgend aber klar an Boden verloren.
Zugleich sei festzustellen, dass die Vermögensbildung hierzulande wesentlich konstanter verlaufe als in anderen Teilen der Welt. Ursächlich für all diese Phänomene sei der geringe Anteil kapitalmarktbasierter Anlageformen an der Vermögenshaltung hierzulande, da er dazu führe, dass sich Entwicklungen an den Börsen in vergleichsweise geringem Umfang niederschlagen würden - im guten wie im schlechten Falle.
Eine Ausnahmestellung nehme Deutschland bei der Entwicklung der Verschuldung ein. Habe die Verschuldungsquote der privaten Haushalte zu Beginn des Jahrtausends noch deutlich höher gelegen als in den USA, UK oder in der EWU, so hätten sich die Verhältnisse inzwischen umgekehrt. Deutschland weise innerhalb der betrachteten Gruppe seit gut zehn Jahren die niedrigste Verschuldungsquote auf, wenn auch nur knapp vor den USA.
Zugleich zeige sich auch diesbezüglich die hohe Robustheit von Trends hierzulande. Während die hiesige Quote von 2002 bis 2014 nahezu durchgängig gefallen sei und sich seitdem stabilisiert habe, habe sie in anderen Ländern zum Teil starken Schwankungen unterlegen. So habe es insbesondere in den USA, aber auch in einigen Ländern des Euroraums, bis zur Finanzkrise einen regelrechten Kreditboom gegeben, dem dann aber ein schmerzhafter Anpassungsprozess nach unten gefolgt sei. Davon sei Deutschland praktisch vollständig verschont geblieben.
Konstanz und Sicherheit könnten als eigene Werte betrachtet werden. Sie würden aber nicht notwendigerweise zu besseren ökonomischen Ergebnissen führen. Bei der Kombination aus Sparverhalten und Vermögensentwicklung zeige sich über längere Zeiträume sogar ein negativer Einfluss. So würden die Deutschen im internationalen Vergleich sehr regelmäßig sparen und hierfür auch einen überproportionalen Anteil ihrer Einkommen aufwenden. Zugleich seien sie sehr zurückhaltend bei der Aufnahme von Schulden. Die Entwicklung der Netto-Geldvermögen sei aber eher bescheiden.
Insbesondere die angelsächsischen Länder haben uns diesbezüglich in den letzten Jahren abgehängt, so die Analysten von Postbank Research. Verantwortlich hierfür sei die ausgeprägte Risikoaversion. Da sich hieran vorläufig wohl nur wenig ändern werde, dürften die deutschen Privathaushalte vor dem Hintergrund des nach Erachten der Analysten auf mittlere Sicht weiterhin konstruktiven Umfeldes für Aktienanlagen beim Vermögensaufbau gegenüber Ländern, die eine ausgeprägte kapitalmarktorientierte Anlagekultur aufweisen würden, weiter zurückfallen. Aus einer langfristigen Perspektive werde Deutschland selbst unter der Annahme, dass die Sparquote hierzulande überdurchschnittlich hoch bleiben werde, den Rückstand zu anderen führenden Wirtschaftsnationen nur verkürzen können, wenn die Bereitschaft, bei der Geldanlage Risiken in Kauf zu nehmen, spürbar steige. (Ausgabe September 2018) (29.08.2018/alc/a/a)
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