Inflation - hü oder hott?


10.03.21 09:45
OFI Asset Management

Paris (www.anleihencheck.de) - Inflationsängste bei Anlegern sind zurück und die Debatte unter Ökonomen darüber, ob die Inflation kommt oder nicht, ist voll im Gange, so die Experten von OFI Asset Management.

Was sei dran am Schreckgespenst Inflation? Darauf gebe Jean-Marie Mercadal, CIO bei OFI Asset Management, eine Antwort. Obwohl sich die westlichen Volkswirtschaften eher in einer Art "Japanisierung" befinden würden, also in einer längeren Phase der Deflation, gebe es aktuell Anzeichen für eine sich beschleunigende Preissteigerung.

Die Wirtschaft ziehe an. Die Ölpreise seien im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Deflationäre Auswirkungen der Pandemie auf bestimmte Dienstleistungen würden abklingen. Denn die Konsumausgaben würden genauso wie die Kosten für Unternehmer steigen (z.B. höhere Frachtkosten, Halbleiterknappheit, höhere Rohstoffpreise etc.). Es sei möglich, dass steigende Löhne - insbesondere in den USA, wo US-Präsident Joe Biden einen Mindestlohn auf Bundesebene eingeführt habe - sich letztendlich in den Verbraucherpreisen niederschlagen würden. Allerdings müsse dabei berücksichtigt werden, dass sowohl die USA als auch Europa weit entfernt von einer Vollbeschäftigung seien, was das Risiko einer Lohn-Preisspirale kurzfristig erheblich verringere.

Die jüngsten Statistiken würden zwar auf einen deutlichen Anstieg der Inflationsrate von ihrem sehr niedrigen, durch die Coronakrise verursachten Niveau hindeuten - eine gute Nachricht für die FED und die EZB, die beide eine Preissteigerung von 2 Prozent anstreben würden. In den USA dürfte sie aber auch für einige Zeit um die 3 Prozent liegen, ohne dass die FED eingreifen würde, wie sie bereits angedeutet habe. Da die Inflation jedoch auf Basis der letzten zwölf Monate gemessen werde, handele es sich nach Meinung der Experten im Moment vor allem um eine logische Erholung von der einzigartigen Situation des letzten Jahres und nicht um den Beginn einer Inflationsspirale.

Denn langfristig gesehen sei die deflationäre Entwicklung nicht gestoppt. Die Globalisierung und die zunehmende Verflechtung der Volkswirtschaften seit nunmehr fast 30 Jahren und insbesondere seit dem Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation hätten zu einem flächendeckenden Rückgang der Preise für Industriegüter geführt, wovon alle Verbraucher profitiert hätten. Zwar werde dieses Modell inzwischen aus ökologischen Gründen und politischem Kalkül in Frage gestellt (Stichwort Handelskonflikt zwischen China und den USA, Coronakrise, soziale Ungleichheit und Proteste). Da es jedoch Zeit und Kapital erfordere, um die inzwischen stark globalisierten Produktionsketten wieder zurück ins Inland zu verlagern, sei diese "Rückentwicklung" weltweit gesehen als eher marginal einzustufen.

Hingegen beschleunigt habe sich die Digitalisierung und der technische Fortschritt in der Wirtschaft. Blicke man auf die Demographie, erinnere die alternde Bevölkerung in den USA, Europa und China einmal mehr an die Situation in Japan.

Kurzum: Im Moment sei es schwer vorstellbar, dass sich in der aktuellen Situation eine Inflationsspirale über das aktuelle Niveau hinaus durchsetze. Wir meinen, dass wir eher am Ende einer deflationären Phase stehen als am Beginn einer strukturellen Inflation, so die Experten von OFI Asset Management.

Trotzdem könne das Szenario einer Inflationsspirale nicht vollkommen ausgeschlossen werden. Denn es sei noch nicht absehbar, welche Auswirkungen die in der Geschichte beispiellose ultralockere Geldpolitik der vergangenen Jahre auf die Preisentwicklung in Zukunft haben werde. Insbesondere dann, wenn die Zentralbanken die Zinsen wieder anheben würden. Anleger, die sich gegen dieses Szenario absichern möchten, sollten in inflationsgebundene Anleihen und reale Vermögenswerte (einschließlich Gold) investieren. (10.03.2021/alc/a/a)