Inflation erhöht vor allem Vermögenspreise - Gefahr der Blasenbildung gering


30.09.20 11:30
Merck Finck Privatbankiers

München (www.anleihencheck.de) - Notenbanken und Staaten pumpen derzeit massiv Geld in die Märkte, so Robert Greil, Chefstratege, Merck Finck Privatbankiers AG.

Werde dies in deutlich mehr Inflation münden? Robert Greil halte das für wahrscheinlich. Allerdings denke er dabei weniger an die Erhöhung der Preise bei Gütern und Dienstleistungen, sondern vielmehr an die Erhöhung der Preise für Geldanlagen, wie zum Beispiel Aktien.

Eine signifikante Veränderung des allgemeinen Preisniveaus für Güter und Dienstleistungen stehe gegenwärtig nicht auf der Tagesordnung. Angesichts schwächerer Arbeitsmärkte sei es unwahrscheinlich, dass die Löhne in absehbarer Zeit stärker anziehen würden. Die Unternehmen würden daher keine Preiserhöhungen vornehmen müssen, um einen höheren Kostendruck von Personalseite auszugleichen. Und mit Ausnahme der USA seien die Inflationserwartungen nach wie vor recht niedrig. Für Verbraucher bestehe daher kein besonderer Anlass, heute Ausgaben zu tätigen, um Preiserhöhungen von morgen aus dem Weg zu gehen. Das bedeute nicht, dass sich die Verbraucherpreisinflation nicht irgendwann beschleunigen werde. Auf absehbare Zeit werde dies aber kaum der Fall sein.

Die Inflation finde ihren Weg in das Finanzsystem vielmehr über höhere Vermögenspreise. Anhaltend niedrige Zinssätze würden sich auf die Diskontierung von Risikoanlagen auswirken. Sie würden deren aktuellen Wert erhöhen. Die Folge seien steigende Preise für entsprechende Werte. Aktien würden daher bei Merck Finck gegenwärtig weiterhin leicht übergewichtet. Mit geldpolitisch getriebenen Kursteigerungen bei Aktien gehe zwar grundsätzlich das Risiko einher, dass sich die Entwicklung an den Börsen zu stark von den tatsächlichen Verhältnissen in der Realwirtschaft entkopple, es mithin zur Blasenbildung kommen könnte.

Angesichts der nach einem schwierigeren Schlussquartal 2020 im nächsten Jahr voraussichtlich wieder klarer fortschreitenden Konjunkturerholung sehen wir derzeit allerdings keine ernsthafte Gefahr einer Blase an den Aktienmärkten, so Robert Greil, Chefstratege, Merck Finck Privatbankiers AG. (30.09.2020/alc/a/a)