Inflation auf dem Vormarsch - wie nachhaltig ist diese Entwicklung?


23.02.17 12:15
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die relativ hohen Inflationsraten in Dezember und Januar (in Deutschland + 1,7 Prozent und + 1,9 Prozent) lassen an den Kapitalmärkten die Erwartungen auf ein nachhaltiges Anziehen der weltweiten Inflation wachsen, so Carsten Mumm, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL.

Schon jetzt mache vereinzelt der Begriff der "Reflation" die Runde. Glaube man den Äußerungen der Offiziellen der Europäischen Zentralbank (EZB), handle es sich allerdings nicht um eine dauerhafte Entwicklung. So würden die Inflationsraten von Dezember und Januar vor allem auf deutlich gestiegene Energiepreise zurückgeführt.

Die monatlich veröffentlichten Steigerungsraten der Gesamtinflation und einzelner Inflationskomponenten würden sich jeweils auf die Preisentwicklung im Verhältnis zum gleichen Monat des Vorjahres beziehen. Vor genau einem Jahr hätten sich die globalen Kapitalmärkte in einem ausgeprägten Konsolidierungsmodus befunden, der beispielsweise dem DAX mit einem Minus von knapp 20 Prozent innerhalb von sechs Wochen den schlechtesten Jahresstart seit Bestehen des Index beschert habe.

Eine Ursache dafür sei der rasante Verfall der Rohölnotierungen gewesen, die zeitweise unter 30 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) gelegen hätten. Diese Preise seien somit die Grundlage für die Berechnung der Ölpreissteigerung Anfang 2017. Dabei seien die jeweiligen monatsdurchschnittlichen Preise die relevanten Ausgangsdaten, im Januar und Februar 2016 jeweils rund 40 US-Dollar. Verglichen mit den derzeitigen Notierungen von rund 55 US-Dollar, entspreche dies einer Preissteigerung von 37,5 Prozent.

Auch wenn die inflationsrelevanten Energiekomponenten nicht ausschließlich die Entwicklung des Rohölpreises widerspiegeln würden, sei anzunehmen, dass die Februar-Inflationsrate für Deutschland auf einem vergleichbar hohen Niveau wie im Januar liegen werde. Unter der Annahme, dass der Preis für Rohöl in den kommenden Monaten in etwa auf dem aktuellen Niveau verharre, werde sich der preissteigernde Effekt des Ölpreises in den kommenden Monaten allerdings abschwächen. Im März und April 2016 hätten die durchschnittlichen Rohölpreise bei rund 45 US-Dollar gelegen, um danach auf Werte zwischen rund 50 US-Dollar und 55 US-Dollar im weiteren Jahresverlauf anzusteigen.

Damit bleibe die Frage nach den sogenannten Zweitrundeneffekten, also dem möglichen Eintreten einer nach oben gerichteten Lohn- und Preisspirale. Vor allem die Lohnabschlüsse würden von den allgemeinen Inflationserwartungen abhängen. Würden diese steigen, würden in der Folge stärker steigende Löhne gefordert. Jüngste Daten der EZB würden jedoch nur eine durchschnittliche Inflationserwartung für 2017 in Höhe von 1,4 Prozent nahe legen. In Deutschland könnte es dabei angesichts einer relativ niedrigen Arbeitslosenrate zu höherem Lohndruck kommen. Allerdings habe die EZB nicht ausschließlich die deutsche, sondern die Inflationsrate des gesamten Europäischen Währungsraums im Blick. In diesem liege die Arbeitslosenquote noch immer bei knapp 10 Prozent und dürfte damit den Preisdruck dämpfen.

Im Gesamtjahr 2017 werde die Inflationsrate daher noch nicht an den Zielwert der EZB von "nahe, aber unter 2 Prozent" heranreichen. Die Befürchtung einer deflationären Entwicklung sei allerdings vorerst nicht mehr gegeben.

Für Anleger bestehe angesichts eines voraussichtlich noch mindestens bis Jahresende manifestierten Null- bzw. Negativzinsniveaus noch dringender als schon in den letzten Jahren die Notwendigkeit einer durchdachten Anlagestrategie, um einen realen Kapitalverlust zu vermeiden. (23.02.2017/alc/a/a)