Inflation, Unsicherheit und die Ukraine: Zwei Szenarien für die kommenden Monate


24.03.22 16:07
Nordea Asset Management

Stockholm (www.anleihencheck.de) - Vor dem Hintergrund des fortschreitenden Kriegs in der Ukraine sehen die Anlageexperten von Nordea Asset Management zwei mögliche Szenarien für die Kapitalmärkte.

Cristian Balteo, Head of Product Management - Multi Asset, und Johannes Haubrich, Head of Product Management - Fixed Income & Equity, würden erläutern, wie ein kluges Portfolio-Management in den kommenden Monaten aussehen könnte.

Szenario 1 - Stabilisierung der Krisenregion

Sollte es kurzfristig zu einem anhaltenden Waffenstillstand und einer Stabilisierung der Region kommen, würden die Öl- und Rohstoffpreise in einem moderaten Wachstumsszenario trotzdem hoch bleiben. Der Höchststand der Inflation werde erst in der zweiten Jahreshälfte 2023 erreicht. Die Zentralbanken würden an ihrem Kurs festhalten, aber schneller als derzeit signalisiert straffen.

"In diesem Szenario stabilisieren sich die Erträge und die Ausfallraten bleiben niedrig", prognostiziere Johannes Haubrich. "Unternehmensanleihen und Aktien werden wieder attraktiv, wobei der Schwerpunkt auf grünem Wandel und Inflationsschutz liegt. Aktien bieten in diesem Umfeld einen gewissen Schutz vor steigenden Preisniveaus." Sein Tipp seien globale Infrastrukturwerte. In Lösungen für den Klimawandel wie bspw. der Ressourceneffizienz sehe er Trends, die weiter an Bedeutung gewinnen würden. Unternehmen, die sich hier erfolgreich positionieren würden, seien die Gewinner der Zukunft.

Cristian Balteo unterstreiche die Chancen von flexiblen festverzinslichen Wertpapieren in diesem Umfeld: "Wir halten Qualitätsbonds mit einem durchschnittlichen Rating von AA und fünfjähriger Duration in diesem Szenario für attraktiv. Aber die Volatilität bleibt hoch, sodass Flexibilität ein entscheidender Faktor bleibt."

Szenario 2 - Der Konflikt verschärfe sich

In diesem Fall ersticke eine Rezession die Nachfrage und begrenze die Öl- und Rohstoffpreise. Die Märkte würden eine ausgeprägtere Tiefphase erleben. Jetzt werde der Höchststand der Inflation bereits etwa in der zweiten Hälfte des Jahres 2022 erreicht. Die Zentralbanken würden daraufhin ihren Kurs ändern und wieder mit Lockerungen beginnen.

"Wir erwarten für diesen Fall sinkende Erträge und steigende Ausfallraten", erkläre Johannes Haubrich. "Ein Ausverkauf von Credits und Aktien ist dann wahrscheinlich. Lediglich Aktien mit geringem Risiko schneiden besser ab. Staatsanleihen dagegen erholen sich aufgrund der Flucht in Qualität."

Eine Diversifizierung nur über Anleihen sei aber nicht genug. Sie könne ergänzend über liquide Alternativen erfolgen, führe Cristian Balteo aus: "Total Return Strategien wie Aktien long/short oder Währungsallokationen bieten Konvexität." Außerdem empfehle der Stratege Pfandbriefe. Sie seien mit Immobilienwerten hinterlegt und würden auch in einer Banken- oder Staatskrise als sehr sicher gelten. "Aber der Markt ist sehr ineffizient, sodass ein gutes Portfoliomanagement unabdingbar ist", erkläre Balteo. (24.03.2022/alc/a/a)