Inflation: Moderater Anstieg


29.12.17 10:00
Berenberg Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Entwicklung am Anleihemarkt wird auch im nächsten Jahr einerseits von verschiedenen politischen Risiken bestimmt und andererseits von der Inflation beziehungsweise den Inflationserwartungen getrieben, so Cornelia Koller von der Privatbank Berenberg.

Obwohl die Inflation in allen Industrieländern aufgrund der nun wieder etwas höheren Ölpreise und der anziehenden Konjunktur gestiegen sei, bleibe der zu Grunde liegende Preisdruck weiterhin ausgesprochen moderat. Die Globalisierung, also der zunehmende internationale Wettbewerbsdruck auf Güter- und Arbeitsmärkten ebenso wie die steigende Transparenz durch das Internet, wie auch technischer Fortschritt allgemein würden dafür sorgen, dass die Preise selbst bei guter Konjunktur in den USA und der Eurozone bisher nur langsam steigen würden.

In der Eurozone sei der Preisauftrieb besonders gedämpft. Die Inflation habe sich über das Jahr 2017 mit den Energiepreisen bewegt. Sei die Inflationsrate bis April 2017 auf 1,9% geklettert, sei sie im Zuge wieder nachgebender Ölpreise und der Euroaufwertung bis auf 1,3% im Sommer zurückgefallen. Nachdem die Energiepreise angesichts der Spannungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran wie auch die Preise für andere Rohstoffe und Nahrungsmittel wieder angezogen hätten, habe der Anstieg der Verbraucherpreise zuletzt bei 1,5% (November) gelegen.

Damit sei die Inflation immer noch weit von der Zielmarke der EZB von "nahe, aber unter 2%" entfernt. Die Kerninflation, also ohne die schwankungsanfälligen Energie- und Nahrungsmittelpreise, verharre zudem mit zuletzt 0,9% seit Langem auf hartnäckig niedrigem Niveau. Dahinter würden unter anderem die Strukturreformen auf den europäischen Arbeitsmärkten ebenso wie die relativ geringen Lohnzuwächse stecken. In vielen Ländern der Eurozone entfalle ein Großteil der Beschäftigungszuwächse bisher auf den Niedriglohnsektor. Viele Beschäftigte seien bereit, für sichere Arbeitsplätze geringere Lohnzuwächse als früher zu akzeptieren. Im Jahresdurchschnitt 2018 erwarte man für den gesamten Euroraum eine gleichbleibende Inflationsrate von 1,7%.

Auch in den USA habe die Inflation 2017 weniger stark als erwartet angezogen. Nachdem die zunächst von Präsident Trump angekündigten kreditfinanzierten Infrastrukturprogramme auf sich hätten warten lassen, sei der Preisauftrieb nur sehr zögerlich in Gang gekommen. So habe sich der Rückgang der Arbeitslosenquote auf 4,4% - also praktisch Vollbeschäftigung - auch in den USA nicht in einem höheren Lohndruck niedergeschlagen.

Die Lohnzuwächse seien mit einer Jahresrate von zuletzt 2,5% relativ gering geblieben. Zudem hätten Sondereffekte wie der Preiskampf im Mobilfunksektor die Inflation in Schach gehalten. Nachdem der Anstieg der Verbraucherpreise im Februar bis auf 2,7% geklettert sei, sei die Inflationsrate danach wieder zurückgefallen. Zuletzt habe der Anstieg der Teuerung bei 2,1% und die Kernrate bei nur 1,7% gelegen (November). Bei stärkerem Wachstum und weiter steigenden Löhnen erwarte man, dass die US-Inflation im Jahr 2018 auf 2,5% nach 2,2% im Jahr 2017 steigen werde.

In Großbritannien sei die Inflation unter dem Einfluss des Brexits und der daraus resultierenden Pfundschwäche dagegen viel deutlicher zurückgekehrt als in der Eurozone und in den USA. Habe die Inflation zu Jahresanfang nur bei 1,8% gelegen, seien die Verbraucherpreise im November um 3,1% gegenüber Vorjahr geklettert. Die Analysten würden erwarten, dass die Inflation im Verlaufe des Jahres 2018 leicht rückläufig sein werde und - wie bereits 2017 - im Jahresdurchschnitt 2,7% betragen werde. (Ausblick 2018) (29.12.2017/alc/a/a)