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Inflation: Minusgrade im Euroraum
12.01.15 10:13
Union Investment
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Es herrschen Minusgrade in der Eurozone - weniger, was das Wetter angeht als vielmehr bei der Inflation, so die Experten von Union Investment.
Die sei nämlich bereits seit geraumer Zeit auf dem Rückzug und habe nun die Nullinie nach unten durchbrochen. Nach Angaben von Eurostat sei im Dezember 2014 eine jährliche Gesamt-Teuerungsrate - die "Headline" - von -0,2 Prozent gemessen worden. Zurückzuführen sei der Rückgang in erster Linie auf den Verfall der Energiepreise, die um -6,3 Prozent abgesackt seien. Lasse man hingegen die besonders schwankungsintensiven Bereiche (neben Energie also Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak) außen vor, so ergebe sich eine Zunahme im Jahresvergleich von 0,8 Prozent. Damit habe dieser auch als "Kernrate" bezeichnete Wert leicht oberhalb der November-Messung von 0,7 Prozent gelegen.
Womit sei in den kommenden Monaten zu rechnen? Die Experten würden davon ausgehen, dass die Inflation weiter sehr niedrig bleibe. Eine Phase dauerhaft sinkender Preise, also eine Deflation, erwarte man aber nicht.
Dabei sei es wichtig, sich die Gründe für die aktuelle Entwicklung vor Augen zu führen. Einen großen Anteil an der niedrigen Headline-Inflation habe wie beschrieben der Energiesektor. So habe der Ölpreis (Brent) 2014 fast die Hälfte an Wert verloren - ein enorm inflationsdämpfender Effekt auf die europäischen Volkswirtschaften sei die Folge. Hinzu komme die schwache allgemeine Konjunkturentwicklung im Euroraum, die ebenfalls die Spielräume für Preiserhöhungen einenge. Ein weiterer Punkt sei die stockende Kreditvergabe, wodurch der Geldschöpfungsprozess in Teilen der Eurozone quasi zum Erliegen gekommen sei. Und schließlich handle es sich in einigen Ländern der Währungsunion um eine bewusste Strategie der internen Abwertung, die auf die Wiederherstellung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit dieser Volkswirtschaften abziele.
Bei allen genannten Aspekten gebe es Hinweise darauf, dass sich die Situation in den kommenden zwölf Monaten bessern dürfte. Beim Ölpreis sollte in der zweiten Jahreshälfte 2015 eine Kombination aus Nachfrageanstieg und Angebotsreduzierung für Preisauftrieb sorgen. Hinsichtlich der Konjunktur würden die Experten zwar weiter mit einer überschaubaren, aber immerhin zunehmenden Dynamik im Euroraum rechnen. Gleiches gelte für die Kreditvergabe, wo das bessere Finanzierungsumfeld der Banken die Restriktion auf der Angebotsseite spürbar verringere. Schließlich sollte die Euro-Abwertung der letzten Monate inflationstreibend wirken, da hiervon alle Importpreise erhöht würden. In Summe dürften diese Aspekte zu einer sehr niedrigen Inflation führen - aber eben kein Abrutschen der Eurozone in die Deflation bewirken.
Spannend werde in den kommenden Tagen, wie die Europäische Zentralbank (EZB) die Zahlen interpretiere. Bereits in der Vergangenheit hätten sich die Währungshüter besorgt über die Preisstabilität gezeigt. Erst zum Jahreswechsel habe EZB-Chef Mario Draghi in einem Zeitungsinterview betont, gegen mögliche Deflationsrisiken angehen zu wollen. Am 22. Januar stehe nun die nächste geldpolitische Sitzung in Frankfurt an. Einige Marktbeobachter würden bereits zu diesem Termin die Bekanntgabe eines breit angelegten Ankaufprogramms für Staatsanleihen für möglich halten. Durch das Durchbrechen der Null-Prozent-Marke bei der Inflation sei die Wahrscheinlichkeit für die Ankündigung einer solchen quantitativen Lockerung der Geldpolitik ("quantitative easing", kurz QE) im Euroraum jedenfalls deutlich gestiegen. (Ausgabe vom 09.01.2014) (12.01.2015/alc/a/a)
Die sei nämlich bereits seit geraumer Zeit auf dem Rückzug und habe nun die Nullinie nach unten durchbrochen. Nach Angaben von Eurostat sei im Dezember 2014 eine jährliche Gesamt-Teuerungsrate - die "Headline" - von -0,2 Prozent gemessen worden. Zurückzuführen sei der Rückgang in erster Linie auf den Verfall der Energiepreise, die um -6,3 Prozent abgesackt seien. Lasse man hingegen die besonders schwankungsintensiven Bereiche (neben Energie also Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak) außen vor, so ergebe sich eine Zunahme im Jahresvergleich von 0,8 Prozent. Damit habe dieser auch als "Kernrate" bezeichnete Wert leicht oberhalb der November-Messung von 0,7 Prozent gelegen.
Dabei sei es wichtig, sich die Gründe für die aktuelle Entwicklung vor Augen zu führen. Einen großen Anteil an der niedrigen Headline-Inflation habe wie beschrieben der Energiesektor. So habe der Ölpreis (Brent) 2014 fast die Hälfte an Wert verloren - ein enorm inflationsdämpfender Effekt auf die europäischen Volkswirtschaften sei die Folge. Hinzu komme die schwache allgemeine Konjunkturentwicklung im Euroraum, die ebenfalls die Spielräume für Preiserhöhungen einenge. Ein weiterer Punkt sei die stockende Kreditvergabe, wodurch der Geldschöpfungsprozess in Teilen der Eurozone quasi zum Erliegen gekommen sei. Und schließlich handle es sich in einigen Ländern der Währungsunion um eine bewusste Strategie der internen Abwertung, die auf die Wiederherstellung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit dieser Volkswirtschaften abziele.
Bei allen genannten Aspekten gebe es Hinweise darauf, dass sich die Situation in den kommenden zwölf Monaten bessern dürfte. Beim Ölpreis sollte in der zweiten Jahreshälfte 2015 eine Kombination aus Nachfrageanstieg und Angebotsreduzierung für Preisauftrieb sorgen. Hinsichtlich der Konjunktur würden die Experten zwar weiter mit einer überschaubaren, aber immerhin zunehmenden Dynamik im Euroraum rechnen. Gleiches gelte für die Kreditvergabe, wo das bessere Finanzierungsumfeld der Banken die Restriktion auf der Angebotsseite spürbar verringere. Schließlich sollte die Euro-Abwertung der letzten Monate inflationstreibend wirken, da hiervon alle Importpreise erhöht würden. In Summe dürften diese Aspekte zu einer sehr niedrigen Inflation führen - aber eben kein Abrutschen der Eurozone in die Deflation bewirken.
Spannend werde in den kommenden Tagen, wie die Europäische Zentralbank (EZB) die Zahlen interpretiere. Bereits in der Vergangenheit hätten sich die Währungshüter besorgt über die Preisstabilität gezeigt. Erst zum Jahreswechsel habe EZB-Chef Mario Draghi in einem Zeitungsinterview betont, gegen mögliche Deflationsrisiken angehen zu wollen. Am 22. Januar stehe nun die nächste geldpolitische Sitzung in Frankfurt an. Einige Marktbeobachter würden bereits zu diesem Termin die Bekanntgabe eines breit angelegten Ankaufprogramms für Staatsanleihen für möglich halten. Durch das Durchbrechen der Null-Prozent-Marke bei der Inflation sei die Wahrscheinlichkeit für die Ankündigung einer solchen quantitativen Lockerung der Geldpolitik ("quantitative easing", kurz QE) im Euroraum jedenfalls deutlich gestiegen. (Ausgabe vom 09.01.2014) (12.01.2015/alc/a/a)
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