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Inflation der Eurozone bei 8 Prozent?
31.03.22 16:00
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der zehnjährigen Bunds überschritten in den letzten Tagen zeitweise 0,70%, den höchsten Wert seit Anfang 2018, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.
Derzeit würden die Bundesanleihen bei 0,61% rentieren. Die korrespondierenden T-Notes-Renditen hätten sich ebenfalls von ihren Jahreshochs entfernt und lägen jetzt 2,34%. Während auf der einen Seite die Inflation - in Deutschland sei diese im März auf 7,3% YoY gestiegen - eigentlich für höhere Renditen sorgen sollte, würden die Sorgen um die künftigen Erdgaslieferungen die Risikobereitschaft und damit auch den Renditeauftrieb dämpfen. Dazu komme, dass die Ölpreise weiter gefallen seien, unterstützt durch die Meldung, die USA würden planen bis zu 1 Mio. Barrel pro Tag (etwa 1% des globalen Verbrauchs) aus der strategischen Reserve zur Verfügung zu stellen.
Gestern habe das deutsche Wirtschaftsministerium die erste Stufe des Erdgasnotfallplans ausgerufen. Offensichtlich schätze die Regierung das Risiko eines Gaslieferstopps als relativ hoch ein. Aus der Sicht von Präsident Putin könne der EU durch einen Gaslieferstopp am ehesten geschadet werden, während auf der Einnahmenseite Öl und Kohle Russland viel mehr Einnahmen liefern würden als durch den Verkauf von Erdgas. Heute (31.03.) solle es angeblich Gespräche zwischen Putin, Gazprom und der Russischen Zentralbank in dieser Angelegenheit geben.
Was ein Lieferstopp von Erdgas bedeuten würde, habe der Sachverständigenrat für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung (SVR) gestern (30.03.) in seinem Zwischengutachten ausgerechnet. Hier komme der SVR zu dem Ergebnis, dass das BIP - natürlich mit dem Vorbehalt der erheblichen Unsicherheiten - um rund 2 Prozentpunkte niedriger ausfalle, wenn die russischen Erdgaslieferungen um 75% zurückgehen würden. Wenn außerdem der Ölpreis um 40% gegenüber dem Vorjahr stiege, dann kämen noch 0,4% bis 0,8% des BIP hinzu. Im Basisszenario gehe der SVR von einem Wachstum von 1,8% aus. Wenn also Erdgaslieferungen wegfallen würden und der Ölpreis stark steige, dann wäre eine Rezession von bis zu -1% wahrscheinlich.
In Bezug auf die Inflation gehe der SVR von einer Teuerungsrate von 6,1% aus. Da sei die Inflationszahl für Deutschland noch nicht bekannt gewesen. Diese sei auf 7,3% gestiegen von vorher 5,1%. Der Wirtschaftsweise Wieland schließe auch eine zweistellige Inflationsrate nicht aus. Der größte Schub komme erneut von den Energiepreisen, die seien um rund 40% gegenüber dem Vorjahr gestiegen.
Morgen solle es erneut eine Verhandlungsrunde zwischen Russland und der Ukraine geben. Außerdem finde der China-EU-Gipfel statt (virtuelle Konferenz), wo die Beziehungen Chinas zu Russland und der Ukraine sicherlich eine zentrale Rolle spielen würden. Am Mittwoch (06.04.) kämen die FED-Minutes raus. Dort würden nach Angaben von Notenbankchef Jerome Powell Details bekannt gegeben, wie die Reduktion des Anleihebestandes erfolgen solle, was die Anleihemärkte vor allem in den USA bewegen könnte. Zudem würden die Präsidentschaftswahlen in Frankreich näher rücken. Am 10. April finde die erste Runde statt. Gehe es nach den Wettbüros, werde Emmanuel Macron der klare Gewinner sein, während Marine Le Pen nur eine Chance von 1:10 zugesprochen werde.
Datenseitig sei auf die Schnellschätzung der Inflation in der Eurozone für den Monat März zu achten (01.04.). Angesichts des Anstiegs der Inflation in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien gegenüber dem Vormonat, erscheine eine Inflation in der Eurozone von 8% durchaus im Bereich des Möglichen zu liegen. Weiter sei auf die US-Arbeitsmarktdaten für März zu achten, wo vor allem auf den Lohndruck das Hauptaugenmerk liegen sollte (01.04.), aus dem man Rückschlüsse für die Inflation ziehen könne. Wichtig seien auch die zahlreichen PMI-Indikatoren für die kleineren Länder (die Schnellschätzungen für die größeren Länder lägen bereits vor). (31.03.2022/alc/a/a)
Derzeit würden die Bundesanleihen bei 0,61% rentieren. Die korrespondierenden T-Notes-Renditen hätten sich ebenfalls von ihren Jahreshochs entfernt und lägen jetzt 2,34%. Während auf der einen Seite die Inflation - in Deutschland sei diese im März auf 7,3% YoY gestiegen - eigentlich für höhere Renditen sorgen sollte, würden die Sorgen um die künftigen Erdgaslieferungen die Risikobereitschaft und damit auch den Renditeauftrieb dämpfen. Dazu komme, dass die Ölpreise weiter gefallen seien, unterstützt durch die Meldung, die USA würden planen bis zu 1 Mio. Barrel pro Tag (etwa 1% des globalen Verbrauchs) aus der strategischen Reserve zur Verfügung zu stellen.
Gestern habe das deutsche Wirtschaftsministerium die erste Stufe des Erdgasnotfallplans ausgerufen. Offensichtlich schätze die Regierung das Risiko eines Gaslieferstopps als relativ hoch ein. Aus der Sicht von Präsident Putin könne der EU durch einen Gaslieferstopp am ehesten geschadet werden, während auf der Einnahmenseite Öl und Kohle Russland viel mehr Einnahmen liefern würden als durch den Verkauf von Erdgas. Heute (31.03.) solle es angeblich Gespräche zwischen Putin, Gazprom und der Russischen Zentralbank in dieser Angelegenheit geben.
In Bezug auf die Inflation gehe der SVR von einer Teuerungsrate von 6,1% aus. Da sei die Inflationszahl für Deutschland noch nicht bekannt gewesen. Diese sei auf 7,3% gestiegen von vorher 5,1%. Der Wirtschaftsweise Wieland schließe auch eine zweistellige Inflationsrate nicht aus. Der größte Schub komme erneut von den Energiepreisen, die seien um rund 40% gegenüber dem Vorjahr gestiegen.
Morgen solle es erneut eine Verhandlungsrunde zwischen Russland und der Ukraine geben. Außerdem finde der China-EU-Gipfel statt (virtuelle Konferenz), wo die Beziehungen Chinas zu Russland und der Ukraine sicherlich eine zentrale Rolle spielen würden. Am Mittwoch (06.04.) kämen die FED-Minutes raus. Dort würden nach Angaben von Notenbankchef Jerome Powell Details bekannt gegeben, wie die Reduktion des Anleihebestandes erfolgen solle, was die Anleihemärkte vor allem in den USA bewegen könnte. Zudem würden die Präsidentschaftswahlen in Frankreich näher rücken. Am 10. April finde die erste Runde statt. Gehe es nach den Wettbüros, werde Emmanuel Macron der klare Gewinner sein, während Marine Le Pen nur eine Chance von 1:10 zugesprochen werde.
Datenseitig sei auf die Schnellschätzung der Inflation in der Eurozone für den Monat März zu achten (01.04.). Angesichts des Anstiegs der Inflation in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien gegenüber dem Vormonat, erscheine eine Inflation in der Eurozone von 8% durchaus im Bereich des Möglichen zu liegen. Weiter sei auf die US-Arbeitsmarktdaten für März zu achten, wo vor allem auf den Lohndruck das Hauptaugenmerk liegen sollte (01.04.), aus dem man Rückschlüsse für die Inflation ziehen könne. Wichtig seien auch die zahlreichen PMI-Indikatoren für die kleineren Länder (die Schnellschätzungen für die größeren Länder lägen bereits vor). (31.03.2022/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 23.04./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


