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Indien: Das wirtschaftliche Umfeld spricht für weitere Zinssenkungen
12.03.25 13:00
DekaBank
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das indische Bruttoinlandsprodukt ist im vierten Quartal 2024 um 6,2% gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen, so die Analysten der DekaBank.
Dies habe eine leichte Beschleunigung gegenüber dem Vorquartal bedeutet, in dem der Zuwachs bei 5,6% yoy gelegen habe. Die Dynamik bleibe aber angesichts des großen Mangels an Arbeitsplätzen enttäuschend schwach. Das Wachstum der Anlageinvestitionen liefere mit +5,7% yoy keine Hinweise, dass sich das Umfeld für die Schaffung neuer Stellen in den kommenden Quartalen verbessere. Gleichzeitig sei der Preisdruck gesunken: Die Inflationsrate sei im Januar von 5,2% auf 4,3% gefallen und liege damit nahe dem mittelfristigen Inflationsziel von 4%.
Die Notenbank habe den Leitzinssenkungszyklus Anfang Februar eingeläutet und den Reposatz von 6,50% auf 6,25% zurückgenommen. Die Kombination aus eher schwachen Konjunkturdaten und einem rückläufigen Inflationsdruck spreche für weitere Senkungen, doch das Tempo sei unsicher. Die Währungshüter würden sich weiterhin Sorgen um mögliche Finanzmarktvolatilität machen, die nach ihrer Einschätzung vor allem von einer Verschärfung des Protektionismus getrieben werden könnte. Trotz der Schwäche des US-Dollars habe die Indische Rupie seit Jahresbeginn gegenüber dem US-Dollar rund 2% an Wert verloren und zähle damit zu den schwächsten Währungen weltweit.
Perspektiven: Aufgrund der strukturellen Abschwächung des Wirtschaftswachstums in China werde Indien mit hoher Wahrscheinlichkeit in den kommenden zehn Jahren die wachstumsstärkste große Volkswirtschaft weltweit sein und damit immer mehr in den Fokus von Investoren rücken. In einer Phase, in der Unternehmen stärker um Diversifizierung ihrer Lieferketten bemüht seien, werde Indien als Produktionsstandort zumindest verstärkt geprüft. Die Größe des indischen Marktes mache das Land auch als Absatzmarkt attraktiv.
Die Regierung gelte als wirtschaftsfreundlich und sei trotz der Stimmenverluste bei den 2024 abgehaltenen Wahlen für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt worden. Doch Modi sei politisch geschwächt und der Ausblick für strukturelle Reformen habe sich eingetrübt. Indien bleibe ein schwieriger Produktionsstandort und sei nach Einschätzung der Analysten weit davon entfernt, in den kommenden zehn Jahren die Rolle einzunehmen, die China in den vergangenen 20 Jahren für die Weltwirtschaft gespielt habe.
In Indien fehle es in der Breite an gut ausgebildeten Arbeitskräften und an einer ausreichend ausgebauten Infrastruktur, auch wenn sich die Regierung verstärkt um neue Transportwege und Stromkapazitäten bemühe. Auch die Bürokratie sei weiterhin ein Bremsklotz für unternehmerische Aktivität. Zudem sei es für viele Unternehmen wichtig, ein gutes Netz an Zulieferern um sich zu haben. Dieses Netz gebe es in vielen Branchen in Indien nicht in ausreichender Qualität.
Angesichts fundamentaler Schwächen würden mittelfristig Wachstumsraten von deutlich mehr als 7% eher optimistisch erscheinen. Höhere Raten über einen längeren Zeitraum wären aber nicht nur zur Schaffung der benötigten Arbeitsplätze für die schnell wachsende Bevölkerung notwendig. Sie wären auch die Voraussetzung, damit Indien die wirtschaftliche Größe erreiche, um zum Motor der Weltwirtschaft werden zu können. Problematisch sei zudem die innenpolitische Tendenz zur Einschränkung der Rechte der Muslime und zunehmender Übergriffe auf Journalisten und Oppositionspolitiker.
Länderrisiko: Alle drei großen Ratingagenturen würden Indien mit Baa3/BBB- auf der untersten Stufe des Investment-Grade-Bereichs einstufen. Einer der Schwachpunkte im Bonitätsprofil seien die Staatsfinanzen. Das öffentliche Defizit unter Einrechnung der Bundesstaaten dürfte auch 2025 bei über 7% des BIP liegen. Pluspunkte seien das hohe Wirtschaftswachstum und die geringe Auslandsverschuldung. (Ausgabe vom 10.03.2025) (12.03.2025/alc/a/a)
Dies habe eine leichte Beschleunigung gegenüber dem Vorquartal bedeutet, in dem der Zuwachs bei 5,6% yoy gelegen habe. Die Dynamik bleibe aber angesichts des großen Mangels an Arbeitsplätzen enttäuschend schwach. Das Wachstum der Anlageinvestitionen liefere mit +5,7% yoy keine Hinweise, dass sich das Umfeld für die Schaffung neuer Stellen in den kommenden Quartalen verbessere. Gleichzeitig sei der Preisdruck gesunken: Die Inflationsrate sei im Januar von 5,2% auf 4,3% gefallen und liege damit nahe dem mittelfristigen Inflationsziel von 4%.
Die Notenbank habe den Leitzinssenkungszyklus Anfang Februar eingeläutet und den Reposatz von 6,50% auf 6,25% zurückgenommen. Die Kombination aus eher schwachen Konjunkturdaten und einem rückläufigen Inflationsdruck spreche für weitere Senkungen, doch das Tempo sei unsicher. Die Währungshüter würden sich weiterhin Sorgen um mögliche Finanzmarktvolatilität machen, die nach ihrer Einschätzung vor allem von einer Verschärfung des Protektionismus getrieben werden könnte. Trotz der Schwäche des US-Dollars habe die Indische Rupie seit Jahresbeginn gegenüber dem US-Dollar rund 2% an Wert verloren und zähle damit zu den schwächsten Währungen weltweit.
Die Regierung gelte als wirtschaftsfreundlich und sei trotz der Stimmenverluste bei den 2024 abgehaltenen Wahlen für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt worden. Doch Modi sei politisch geschwächt und der Ausblick für strukturelle Reformen habe sich eingetrübt. Indien bleibe ein schwieriger Produktionsstandort und sei nach Einschätzung der Analysten weit davon entfernt, in den kommenden zehn Jahren die Rolle einzunehmen, die China in den vergangenen 20 Jahren für die Weltwirtschaft gespielt habe.
In Indien fehle es in der Breite an gut ausgebildeten Arbeitskräften und an einer ausreichend ausgebauten Infrastruktur, auch wenn sich die Regierung verstärkt um neue Transportwege und Stromkapazitäten bemühe. Auch die Bürokratie sei weiterhin ein Bremsklotz für unternehmerische Aktivität. Zudem sei es für viele Unternehmen wichtig, ein gutes Netz an Zulieferern um sich zu haben. Dieses Netz gebe es in vielen Branchen in Indien nicht in ausreichender Qualität.
Angesichts fundamentaler Schwächen würden mittelfristig Wachstumsraten von deutlich mehr als 7% eher optimistisch erscheinen. Höhere Raten über einen längeren Zeitraum wären aber nicht nur zur Schaffung der benötigten Arbeitsplätze für die schnell wachsende Bevölkerung notwendig. Sie wären auch die Voraussetzung, damit Indien die wirtschaftliche Größe erreiche, um zum Motor der Weltwirtschaft werden zu können. Problematisch sei zudem die innenpolitische Tendenz zur Einschränkung der Rechte der Muslime und zunehmender Übergriffe auf Journalisten und Oppositionspolitiker.
Länderrisiko: Alle drei großen Ratingagenturen würden Indien mit Baa3/BBB- auf der untersten Stufe des Investment-Grade-Bereichs einstufen. Einer der Schwachpunkte im Bonitätsprofil seien die Staatsfinanzen. Das öffentliche Defizit unter Einrechnung der Bundesstaaten dürfte auch 2025 bei über 7% des BIP liegen. Pluspunkte seien das hohe Wirtschaftswachstum und die geringe Auslandsverschuldung. (Ausgabe vom 10.03.2025) (12.03.2025/alc/a/a)


