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Indien: Notenbank läutet die Zinswende ein


11.02.25 11:29
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die indische Notenbank hat erstmals über vier Jahren den Leitzins gesenkt, so die Analysten der DekaBank.

Der Reposatz sei von 6,50% auf 6,25% zurückgenommen worden. Die Währungshüter hätten mit diesem Schritt vor allem auf die Verschlechterung der Konjunkturlage reagiert. Nach dem schwachen dritten Quartal hätten auch im vierten Quartal wichtige Indikatoren wie die Investitionstätigkeit keine durchgreifende Verbesserung angezeigt. Die Entscheidung zu dieser Zinssenkung dürfte der Zentralbank dennoch nicht leicht gefallen sein. Denn diese erste Senkung wecke die Erwartung weiterer Schritte in den kommenden Monaten und dürfte damit tendenziell zu einem Anstieg der Inflationserwartungen führen.

Trotz der schwachen Konjunktur sei die Preisentwicklung auch heute schon nicht unproblematisch. So sei die Inflationsrate im Dezember zwar von 5,5% auf 5,2% gesunken, doch bleibe sie deutlich oberhalb des mittelfristigen Inflationsziels von 4%. Für die Entscheidung hilfreich sei dagegen die weiterhin konservative Haltung der Fiskalpolitik gewesen: Im kommenden Fiskaljahr, das am 1. April beginne, solle das Budgetdefizit des Zentralstaats bei 4,4% des BIP liegen, nachdem das Defizit im laufenden Fiskaljahr bei 4,8% des BIP gelegen haben dürfte und damit leicht geringer ausfallen werde als bislang geschätzt. Die Analysten würden erwarten, dass dem jüngsten Zinsschritt im laufenden Jahr noch zwei weitere Senkungen um jeweils 25 Basispunkte folgen würden.

Aufgrund der strukturellen Abschwächung des Wirtschaftswachstums in China werde Indien mit hoher Wahrscheinlichkeit in den kommenden zehn Jahren die wachstumsstärkste große Volkswirtschaft weltweit sein und damit immer mehr in den Fokus von Investoren rücken. In einer Phase, in der Unternehmen stärker um Diversifizierung ihrer Lieferketten bemüht seien, werde Indien als Produktionsstandort zumindest verstärkt geprüft. Die Größe des indischen Marktes mache das Land auch als Absatzmarkt attraktiv. Die Regierung gelte als wirtschaftsfreundlich und sei trotz der Stimmenverluste bei den 2024 abgehaltenen Wahlen für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt worden. Doch Modi sei politisch geschwächt und der Ausblick für strukturelle Reformen habe sich eingetrübt.

Indien bleibe ein schwieriger Produktionsstandort und sei nach Einschätzung der Analysten weit davon entfernt, in den kommenden zehn Jahren die Rolle einzunehmen, die China in den vergangenen 20 Jahren für die Weltwirtschaft gespielt habe. In Indien fehle es in der Breite an gut ausgebildeten Arbeitskräften und an einer ausreichend ausgebauten Infrastruktur, auch wenn sich die Regierung verstärkt um neue Transportwege und Stromkapazitäten bemühe. Auch die Bürokratie sei weiterhin ein Bremsklotz für unternehmerische Aktivität. Zudem sei es für viele Unternehmen wichtig, ein gutes Netz an Zulieferern um sich zu haben.

Dieses Netz gebe es in vielen Branchen in Indien nicht in ausreichender Qualität. Angesichts fundamentaler Schwächen würden mittelfristig Wachstumsraten von deutlich mehr als 7% eher optimistisch erscheinen. Höhere Raten über einen längeren Zeitraum wären aber nicht nur zur Schaffung der benötigten Arbeitsplätze für die schnell wachsende Bevölkerung notwendig. Sie wären auch die Voraussetzung, damit Indien die wirtschaftliche Größe erreiche, um zum Motor der Weltwirtschaft werden zu können. Problematisch sei zudem die innenpolitische Tendenz zur Einschränkung der Rechte der Muslime und zunehmender Übergriffe auf Journalisten und Oppositionspolitiker.

Alle drei großen Ratingagenturen würden Indien mit Baa3/BBB- auf der untersten Stufe des Investment-Grade-Bereichs einstufen. Einer der Schwachpunkte im Bonitätsprofil seien die Staatsfinanzen. Das öffentliche Defizit unter Einrechnung der Bundesstaaten dürfte auch 2025 bei über 7% des BIP liegen. Pluspunkte seien das hohe Wirtschaftswachstum und die geringe Auslandsverschuldung. (Ausgabe vom 07.02.2025) (11.02.2025/alc/a/a)