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Indien: Notenbank bleibt abwartend
12.08.24 08:45
DekaBank
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die indische Notenbank hat auf ihrer August-Sitzung den Leitzins erwartungsgemäß unverändert bei 6,50% gelassen, so die Analysten der DekaBank.
Vier Mitglieder des sechsköpfigen geldpolitischen Komitees hätten für eine Beibehaltung des Leitzinses gestimmt, während zwei Mitglieder für eine Senkung votiert hätten. Mit demselben Stimmenverhältnis habe das Komitee entschieden, die Geldpolitik weiterhin eher restriktiv auszurichten. Die Mitglieder würden mehrheitlich weiterhin Inflationsgefahren auf der oberen Seite sehen, die insbesondere von den volatilen Nahrungsmittelpreisen ausgehen würden. Zwar dürften Basiseffekte dazu führen, dass die Inflationsrate schon im Juli von zuvor 5,1% Richtung dem mittelfristigen Zielwert von 4% gefallen sei, doch im vierten Quartal werde die Rate nach Einschätzung der Notenbank wieder steigen.
Gleichzeitig entwickele sich die Konjunktur weiterhin robust. Es erscheine daher wahrscheinlich, dass der Leitzins auch auf der kommenden Sitzung am 7. Oktober nicht gesenkt werde, sondern erst im Dezember. Erfreulich aus Sicht sowohl der Zentralbank als auch der Finanzmärkte sei die Vorlage des aktualisierten Budgetentwurfs der neuen Regierung für das laufende Fiskaljahr gewesen, in dem das geplante Budgetdefizit für den Zentralstaat leicht auf 4,9% des BIP reduziert worden sei.
Perspektiven: Aufgrund der strukturellen Abschwächung des Wirtschaftswachstums in China werde Indien mit hoher Wahrscheinlichkeit in den kommenden zehn Jahren die wachstumsstärkste große Volkswirtschaft weltweit sein und damit immer mehr in den Fokus von Investoren rücken. In einer Phase, in der Unternehmen stärker um Diversifizierung ihrer Lieferketten bemüht seien, werde Indien als Produktionsstandort zumindest verstärkt geprüft. Die Größe des indischen Marktes mache das Land auch als Absatzmarkt attraktiv. Die Regierung gelte als wirtschaftsfreundlich und sei trotz der Stimmenverluste bei den jüngst abgehaltenen Wahlen für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt worden. Doch Modi sei politisch geschwächt und der Ausblick für strukturelle Reformen habe sich eingetrübt.
Indien bleibe ein schwieriger Produktionsstandort und sei nach Einschätzung der Analysten weit davon entfernt, in den kommenden zehn Jahren die Rolle einzunehmen, die China in den vergangenen 20 Jahren für die Weltwirtschaft gespielt habe. In Indien fehle es in der Breite an gut ausgebildeten Arbeitskräften und an einer ausreichend ausgebauten Infrastruktur, auch wenn sich die Regierung verstärkt um neue Transportwege und Stromkapazitäten bemühe. Auch die Bürokratie sei weiterhin ein Bremsklotz für unternehmerische Aktivität.
Zudem sei es für viele Unternehmen wichtig, ein gutes Netz an Zulieferern um sich zu haben. Dieses Netz gebe es in vielen Branchen in Indien nicht in ausreichender Qualität. Angesichts fundamentaler Schwächen erscheinen mittelfristig Wachstumsraten von deutlich mehr als 7% eher optimistisch, so die Analysten der DekaBank. Höhere Raten über einen längeren Zeitraum wären aber nicht nur zur Schaffung der benötigten Arbeitsplätze für die schnell wachsende Bevölkerung notwendig. Sie wären auch die Voraussetzung, damit Indien die wirtschaftliche Größe erreiche, um zum Motor der Weltwirtschaft werden zu können. Problematisch sei zudem die innenpolitische Tendenz zur Einschränkung der Rechte der Muslime und zunehmender Übergriffe auf Journalisten und Oppositionspolitiker.
Länderrisiko: Alle drei großen Ratingagenturen würden Indien mit Baa3/BBB- auf der untersten Stufe des Investment-Grade-Bereichs einstufen. S&P habe den Ausblick Ende Mai auf positiv angehoben. Einer der Schwachpunkte im Bonitätsprofil seien die Staatsfinanzen. Das öffentliche Defizit unter Einrechnung der Bundesstaaten dürfte auch 2024 bei rund 8% des BIP liegen. Ein weiterer Schwachpunkt sei das fortgesetzte Leistungsbilanzdefizit. Pluspunkte seien das hohe Wirtschaftswachstum, die geringe Auslandsverschuldung sowie die gute Ausstattung mit Währungsreserven. (12.08.2024/alc/a/a)
Vier Mitglieder des sechsköpfigen geldpolitischen Komitees hätten für eine Beibehaltung des Leitzinses gestimmt, während zwei Mitglieder für eine Senkung votiert hätten. Mit demselben Stimmenverhältnis habe das Komitee entschieden, die Geldpolitik weiterhin eher restriktiv auszurichten. Die Mitglieder würden mehrheitlich weiterhin Inflationsgefahren auf der oberen Seite sehen, die insbesondere von den volatilen Nahrungsmittelpreisen ausgehen würden. Zwar dürften Basiseffekte dazu führen, dass die Inflationsrate schon im Juli von zuvor 5,1% Richtung dem mittelfristigen Zielwert von 4% gefallen sei, doch im vierten Quartal werde die Rate nach Einschätzung der Notenbank wieder steigen.
Gleichzeitig entwickele sich die Konjunktur weiterhin robust. Es erscheine daher wahrscheinlich, dass der Leitzins auch auf der kommenden Sitzung am 7. Oktober nicht gesenkt werde, sondern erst im Dezember. Erfreulich aus Sicht sowohl der Zentralbank als auch der Finanzmärkte sei die Vorlage des aktualisierten Budgetentwurfs der neuen Regierung für das laufende Fiskaljahr gewesen, in dem das geplante Budgetdefizit für den Zentralstaat leicht auf 4,9% des BIP reduziert worden sei.
Indien bleibe ein schwieriger Produktionsstandort und sei nach Einschätzung der Analysten weit davon entfernt, in den kommenden zehn Jahren die Rolle einzunehmen, die China in den vergangenen 20 Jahren für die Weltwirtschaft gespielt habe. In Indien fehle es in der Breite an gut ausgebildeten Arbeitskräften und an einer ausreichend ausgebauten Infrastruktur, auch wenn sich die Regierung verstärkt um neue Transportwege und Stromkapazitäten bemühe. Auch die Bürokratie sei weiterhin ein Bremsklotz für unternehmerische Aktivität.
Zudem sei es für viele Unternehmen wichtig, ein gutes Netz an Zulieferern um sich zu haben. Dieses Netz gebe es in vielen Branchen in Indien nicht in ausreichender Qualität. Angesichts fundamentaler Schwächen erscheinen mittelfristig Wachstumsraten von deutlich mehr als 7% eher optimistisch, so die Analysten der DekaBank. Höhere Raten über einen längeren Zeitraum wären aber nicht nur zur Schaffung der benötigten Arbeitsplätze für die schnell wachsende Bevölkerung notwendig. Sie wären auch die Voraussetzung, damit Indien die wirtschaftliche Größe erreiche, um zum Motor der Weltwirtschaft werden zu können. Problematisch sei zudem die innenpolitische Tendenz zur Einschränkung der Rechte der Muslime und zunehmender Übergriffe auf Journalisten und Oppositionspolitiker.
Länderrisiko: Alle drei großen Ratingagenturen würden Indien mit Baa3/BBB- auf der untersten Stufe des Investment-Grade-Bereichs einstufen. S&P habe den Ausblick Ende Mai auf positiv angehoben. Einer der Schwachpunkte im Bonitätsprofil seien die Staatsfinanzen. Das öffentliche Defizit unter Einrechnung der Bundesstaaten dürfte auch 2024 bei rund 8% des BIP liegen. Ein weiterer Schwachpunkt sei das fortgesetzte Leistungsbilanzdefizit. Pluspunkte seien das hohe Wirtschaftswachstum, die geringe Auslandsverschuldung sowie die gute Ausstattung mit Währungsreserven. (12.08.2024/alc/a/a)


