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Indien: Beginn des Zinssenkungszyklus im Februar ist wahrscheinlich


14.01.25 11:55
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das Protokoll der Dezembersitzung des geldpolitischen Komitees der indischen Notenbank zeigt deutliche Unterschiede in der Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung, so die Analysten der DekaBank.

Die Entscheidung für die Beibehaltung des Leitzinses bei 6,50% sei mit einer knappen Mehrheit von 4:2 gefallen. Die vier Mitglieder, die für die Beibehaltung des Leitzinses gestimmt hätten, wiesen auf die hohe Inflationsrate hin, die zum Zeitpunkt des Treffens bei 6,2% gelegen habe und damit über dem oberen Rand des Toleranzbands (2% bis 6%) gelegen habe. Sie zeigten sich zudem zuversichtlich, dass sich die Konjunktur nach dem schwachen dritten Quartal schnell erholen werde. Zudem verträten sie die Meinung, dass in Zeiten der wirtschaftlichen Unsicherheit eher eine Geldpolitik der ruhigen Hand gefordert sei. Die Abweichler wiesen darauf hin, dass die hohe Inflationsrate vor allem auf Nahrungsmittelpreise zurückzuführen sei, die vor allem von der Witterung getrieben würden und geldpolitisch kaum zu beeinflussen seien. Bei der Beurteilung der Konjunkturentwicklung setzten sie weniger auf positive Stimmungsfaktoren wie ihre Kollegen, sondern auf die Schwäche in vielen harten Daten, vor allem in der Industrie. Insgesamt erschienen die Argumente der Befürworter einer Senkung überzeugender, und das Protokoll bestärke uns in der Annahme, dass sich die Meinung in dem Gremium beim nächsten Zinsentscheid am 7. Februar zu einer Zinssenkung verschieben werde.

Perspektiven: Aufgrund der strukturellen Abschwächung des Wirtschaftswachstums in China werde Indien mit hoher Wahrscheinlichkeit in den kommenden zehn Jahren die wachstumsstärkste große Volkswirtschaft weltweit sein und damit immer mehr in den Fokus von Investoren rücken. In einer Phase, in der Unternehmen stärker um Diversifizierung ihrer Lieferketten bemüht seien, werde Indien als Produktionsstandort zumindest verstärkt geprüft. Die Größe des indischen Marktes mache das Land auch als Absatzmarkt attraktiv. Die Regierung gelte als wirtschaftsfreundlich und sei trotz der Stimmenverluste bei den 2024 abgehaltenen Wahlen für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt worden. Doch Modi sei politisch geschwächt, und der Ausblick für strukturelle Reformen habe sich eingetrübt. Indien bleibe ein schwieriger Produktionsstandort und sei nach unserer Einschätzung weit davon entfernt, in den kommenden zehn Jahren die Rolle einzunehmen, die China in den vergangenen 20 Jahren für die Weltwirtschaft gespielt habe.

In Indien fehle es in der Breite an gut ausgebildeten Arbeitskräften und an einer ausreichend ausgebauten Infrastruktur, auch wenn sich die Regierung verstärkt um neue Transportwege und Stromkapazitäten bemühe. Auch die Bürokratie sei weiterhin ein Bremsklotz für unternehmerische Aktivität. Zudem sei es für viele Unternehmen wichtig, ein gutes Netz an Zulieferern um sich zu haben. Dieses Netz gebe es in vielen Branchen in Indien nicht in ausreichender Qualität. Angesichts fundamentaler Schwächen erschienen mittelfristig Wachstumsraten von deutlich mehr als 7% eher optimistisch. Höhere Raten über einen längeren Zeitraum wären aber nicht nur zur Schaffung der benötigten Arbeitsplätze für die schnell wachsende Bevölkerung notwendig. Sie wären auch die Voraussetzung, damit Indien die wirtschaftliche Größe erreiche, um zum Motor der Weltwirtschaft zu werden. Problematisch sei zudem die innenpolitische Tendenz zur Einschränkung der Rechte der Muslime und zunehmender Übergriffe auf Journalisten und Oppositionspolitiker.

Länderrisiko: Alle drei großen Ratingagenturen stuften Indien mit Baa3/BBB- auf der untersten Stufe des Investment-Grade-Bereichs ein. Einer der Schwachpunkte im Bonitätsprofil seien die Staatsfinanzen. Das öffentliche Defizit unter Einrechnung der Bundesstaaten dürfte auch 2025 bei über 7% des BIP liegen. Pluspunkte seien das hohe Wirtschaftswachstum und die geringe Auslandsverschuldung. (Ausgabe vom 13.01.2025) (14.01.2025/alc/a/a)