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Immobilienboom könnte EZB zum Handeln zwingen
17.02.22 12:00
FONDS professionell
Wien (www.anleihencheck.de) - Über die Art und Weise, wie man Teuerungsraten am wirklichkeitsnahesten misst, wird seit je her zwischen Ökonomen gestritten, so die Experten von "FONDS professionell".
Mit Beginn der Corona-Pandemie habe die Dauerdebatte neuen Schwung erhalten. Grund: Dass die Inflationsraten während des Shutdowns so extrem in die Knie gegangen seien, habe auch damit zusammengehangen, dass beispielsweise Benzin spottbillig gewesen sei, weil wegen des Homeoffice-Trends und der Reisebeschränkungen kaum jemand mit dem Auto gefahren sei - während sich andere Dinge wie Lebensmittel, die man weiter dringend gebraucht habe, oder Wohnungsmieten kräftig verteuert hätten, was aber die offiziellen Daten kaum bewegt habe.
Auch aktuell sorge das Messverfahren für die Inflationsrate für Unmut in der Gesellschaft. Isabel Schnabel, Direktorin der Europäischen Zentralbank (EZB), sei der Ansicht, dass die EZB bei der Inflationserhebung auch den Anstieg der Immobilienpreise berücksichtigen müsse. Dies gehe aus einem Interview mit der "Financial Times" hervor. Der bislang nur unzureichend berücksichtigte Immobilienboom berge das Risiko, dass die Währungshüter zu spät bei der Änderung der Geldpolitik agiert hätten, so Schnabel.
Bislang wehre sich EZB-Präsidentin Christine Lagarde gegen alle Forderungen, möglichst rasch eine Zinswende nach oben vorzubereiten. Eine Umstellung der Inflationsberechnung würde den Handlungsdruck indes massiv erhöhen: Würden die Preise für selbstgenutzte Immobilien eingeschlossen, fiele die Inflationsrate deutlich höher aus als bisher. Kenner würden mit einem Steigerungseffekt von bis zu 0,3 Prozentpunkten pro Jahr rechnen.
Die Kosten für selbstgenutztes Wohneigentum seien allerdings nicht leicht zu ermitteln, stelle die FAZ fest. Zum einen müssten die Kosten des Wohngebäudes berechnet und anschließend vom Anstieg des Immobilienvermögenswert getrennt werden. Zum anderen lägen die Werte für Immobilienpreise aktuell nur quartalsweise vor. "Die langfristigen Wirkungen dieser Umstellung werden überschätzt", meine beispielsweise Bundesbank-Noch-Präsident Jens Weidmann. (17.02.2022/alc/a/a)
Mit Beginn der Corona-Pandemie habe die Dauerdebatte neuen Schwung erhalten. Grund: Dass die Inflationsraten während des Shutdowns so extrem in die Knie gegangen seien, habe auch damit zusammengehangen, dass beispielsweise Benzin spottbillig gewesen sei, weil wegen des Homeoffice-Trends und der Reisebeschränkungen kaum jemand mit dem Auto gefahren sei - während sich andere Dinge wie Lebensmittel, die man weiter dringend gebraucht habe, oder Wohnungsmieten kräftig verteuert hätten, was aber die offiziellen Daten kaum bewegt habe.
Bislang wehre sich EZB-Präsidentin Christine Lagarde gegen alle Forderungen, möglichst rasch eine Zinswende nach oben vorzubereiten. Eine Umstellung der Inflationsberechnung würde den Handlungsdruck indes massiv erhöhen: Würden die Preise für selbstgenutzte Immobilien eingeschlossen, fiele die Inflationsrate deutlich höher aus als bisher. Kenner würden mit einem Steigerungseffekt von bis zu 0,3 Prozentpunkten pro Jahr rechnen.
Die Kosten für selbstgenutztes Wohneigentum seien allerdings nicht leicht zu ermitteln, stelle die FAZ fest. Zum einen müssten die Kosten des Wohngebäudes berechnet und anschließend vom Anstieg des Immobilienvermögenswert getrennt werden. Zum anderen lägen die Werte für Immobilienpreise aktuell nur quartalsweise vor. "Die langfristigen Wirkungen dieser Umstellung werden überschätzt", meine beispielsweise Bundesbank-Noch-Präsident Jens Weidmann. (17.02.2022/alc/a/a)


