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IWF: Jammern über Niedriginflation
07.10.16 11:30
Helaba
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Jahrestagung von IWF und Weltbank in Washington findet am 9. Oktober ihren Abschluss, so die Analysten der Helaba.
In der ablaufenden Woche seien die aktuellen Prognosen des neuen "World Economic Outlook" (WEO) des IWF vorgestellt und ausgiebig diskutiert worden. Die Finanzminister und Notenbankchefs der G20-Staaten hätten sich am 6. Oktober getroffen, um die diversen Herausforderungen zu besprechen, denen sich die Weltwirtschaft derzeit gegenüber sehe. Drei Themenkreise würden die analytischen Kapitel des WEO aufgreifen: Die globalen Effekte von Migrationsströmen und Chinas geändertem Wachstumsmodell, das verhaltene Wachstum des internationalen Handels sowie die Problematik rückläufiger Inflation, wenn viele Notenbanken ihren Leitzins schon auf null gesenkt hätten.
Habe der IWF zu letzterem Thema etwas Interessantes oder Neues zu sagen? Wenig überraschend sei, dass der kräftige Abwärtsdruck auf die Teuerungsraten in den vergangenen Jahren vor allem durch den Rohstoffpreisverfall bedingt gewesen sei. Hier sehe der IWF übrigens nicht primär Angebotsfaktoren als ursächlich, sondern in erheblichem Umfang die Umstellung des chinesischen Wachstumsmodells, die zu einer spürbar geringeren Rohstoffintensität des Outputs dort geführt habe.
Darüber hinaus würden vor allem globale Trends (fallende Importpreise in US-Dollar; Überkapazitäten im Verarbeitenden Gewerbe - in China, Japan und den USA) für den Abwärtsdruck auf die Kernrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) verantwortlich gemacht. Vor allem der geringe Auslastungsgrad der chinesischen Industrie dämpfe offenbar weltweit den Preisauftrieb.
Der IWF liefere zu diesem Thema eine umfangreiche Diagnose, aber bei Prognose und insbesondere Therapie begebe er sich dann auf dünnes Eis. So würden die alten Argumente, warum nachhaltig niedrige Inflation oder Deflation eine Katastrophe wäre, unkritisch wiedergekaut. Neben plausiblen Argumenten (wie der Problematik der global hohen Verschuldung) tauche da auch wieder der Mythos auf, die Verbraucher würden in diesem Umfeld Käufe verschieben, um zukünftig niedrigere Preise abzuwarten - obwohl die Evidenz für ein solches Verhalten in der Praxis (zumindest bei Deflationsraten wie in Japan) praktisch gleich null sei.
Auch wenn sie die Ursachen der niedrigen Inflation diagnostizieren würden, hätten die Ökonomen des IWF etwas mehr über den Tellerrand blicken können. Was sei mit der Psychologie? Oder anders formuliert: Welcher Anteil des Rückgangs der Inflationserwartungen sei auf den "geldpolitischen Ausnahmezustand" selbst zurückzuführen? Habe das ständige Gerede über "marktbasierte Inflationserwartungen" diese Größen bei den Marktteilnehmern vielleicht erst in den Fokus gerückt? Würden hektische Betriebsamkeit der Notenbanken, Negativzinsen und Kaufprogramme von astronomischen Ausmaßen das Erreichen von Inflationszielen nicht sogar erschweren?
Bei der Therapie setze der IWF dann auf Altbewährtes. In seinen Empfehlungen rate er zu einer weiterhin äußerst expansiven Geldpolitik. Im Gegensatz zur BIZ blende der IWF dabei die Risiken für Finanzstabilität und Wirtschaftsstruktur entweder aus oder stufe sie als vernachlässigbar ein. Und natürlich dürfe die obligatorische Aufforderung nicht fehlen, dass Länder mit fiskalpolitischem Spielraum diesen doch bitte unbedingt nutzen sollten, um die Konjunktur anzuschieben. (07.10.2016/alc/a/a)
In der ablaufenden Woche seien die aktuellen Prognosen des neuen "World Economic Outlook" (WEO) des IWF vorgestellt und ausgiebig diskutiert worden. Die Finanzminister und Notenbankchefs der G20-Staaten hätten sich am 6. Oktober getroffen, um die diversen Herausforderungen zu besprechen, denen sich die Weltwirtschaft derzeit gegenüber sehe. Drei Themenkreise würden die analytischen Kapitel des WEO aufgreifen: Die globalen Effekte von Migrationsströmen und Chinas geändertem Wachstumsmodell, das verhaltene Wachstum des internationalen Handels sowie die Problematik rückläufiger Inflation, wenn viele Notenbanken ihren Leitzins schon auf null gesenkt hätten.
Habe der IWF zu letzterem Thema etwas Interessantes oder Neues zu sagen? Wenig überraschend sei, dass der kräftige Abwärtsdruck auf die Teuerungsraten in den vergangenen Jahren vor allem durch den Rohstoffpreisverfall bedingt gewesen sei. Hier sehe der IWF übrigens nicht primär Angebotsfaktoren als ursächlich, sondern in erheblichem Umfang die Umstellung des chinesischen Wachstumsmodells, die zu einer spürbar geringeren Rohstoffintensität des Outputs dort geführt habe.
Der IWF liefere zu diesem Thema eine umfangreiche Diagnose, aber bei Prognose und insbesondere Therapie begebe er sich dann auf dünnes Eis. So würden die alten Argumente, warum nachhaltig niedrige Inflation oder Deflation eine Katastrophe wäre, unkritisch wiedergekaut. Neben plausiblen Argumenten (wie der Problematik der global hohen Verschuldung) tauche da auch wieder der Mythos auf, die Verbraucher würden in diesem Umfeld Käufe verschieben, um zukünftig niedrigere Preise abzuwarten - obwohl die Evidenz für ein solches Verhalten in der Praxis (zumindest bei Deflationsraten wie in Japan) praktisch gleich null sei.
Auch wenn sie die Ursachen der niedrigen Inflation diagnostizieren würden, hätten die Ökonomen des IWF etwas mehr über den Tellerrand blicken können. Was sei mit der Psychologie? Oder anders formuliert: Welcher Anteil des Rückgangs der Inflationserwartungen sei auf den "geldpolitischen Ausnahmezustand" selbst zurückzuführen? Habe das ständige Gerede über "marktbasierte Inflationserwartungen" diese Größen bei den Marktteilnehmern vielleicht erst in den Fokus gerückt? Würden hektische Betriebsamkeit der Notenbanken, Negativzinsen und Kaufprogramme von astronomischen Ausmaßen das Erreichen von Inflationszielen nicht sogar erschweren?
Bei der Therapie setze der IWF dann auf Altbewährtes. In seinen Empfehlungen rate er zu einer weiterhin äußerst expansiven Geldpolitik. Im Gegensatz zur BIZ blende der IWF dabei die Risiken für Finanzstabilität und Wirtschaftsstruktur entweder aus oder stufe sie als vernachlässigbar ein. Und natürlich dürfe die obligatorische Aufforderung nicht fehlen, dass Länder mit fiskalpolitischem Spielraum diesen doch bitte unbedingt nutzen sollten, um die Konjunktur anzuschieben. (07.10.2016/alc/a/a)
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| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 17.04./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


