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ING IM: Aussichten für EUR High Yield Bonds


24.06.13 16:45
ING Investment Management

Den Haag (www.anleihencheck.de) - Die Renditen fünfjähriger US-Treasuries und Bundesanleihen liegen derzeit bei 1,05% bzw. 0,53%, so die Experten von ING Investment Management (ING IM).

Gedämpftes Wachstum, niedrige Inflation, hohe Arbeitslosigkeit und niedrige Kurzfristzinsen würden nahe legen, dass die Verzinsung von Staatsanleihen vorerst niedrig bleibe.

Für Großkonzerne bedeute dieses Niedrigzinsumfeld Fremdkapitalkosten, die geringer seien als je zuvor. Am 1. Mai 2013 habe Apple Anleihen im rekordverdächtigen Volumen von 17 Mrd. US-Dollar ausgegeben und damit die Laufzeitbänder drei, fünf, zehn und 30 Jahre bedient. Auf die dreijährige Anleihe zahle Apple superniedrige 0,45%.

Auch in Europa würden Investment-Grade-Emittenten von Finanzierungskosten auf Rekordtief profitieren. In der ersten Maiwoche in diesem Jahr habe Volkswagen fünfjährige Anleihen im Volumen von 500 Mio. Euro zu 1,125% aufgelegt, während Nestlé ein ähnliches Volumen mit siebenjähriger Laufzeit und einem Kupon von 1,25% auf den Markt geworfen habe.

Aufgrund der geringen Verzinsung von Staats- und IG-Unternehmensanleihen würden sich Anleger einem grundsätzlichen Dilemma gegenüber sehen: Entweder müssten sie niedrigere Renditen auf ihre neuen Investments hinnehmen oder sie müssten zusätzliche Risiken ins Portfolio nehmen, um die vorherigen Renditeniveaus ihrer festverzinslichen Anlagen halten zu können. Immer mehr Anleger würden sich für die zweite Variante entscheiden und würden ihr Kapital in EMD, ultralang laufende Anleihen und Hochzinsanleihen umschichten.

In Euro denominierte Hochzinsanleihen (ehemals nachrangige Schuldverschreibungen) hätten 2012 mit knapp 26% rentiert und damit weitgehend alle anderen Segmente dieses Marktes übertroffen. Die Neuemissionstätigkeit habe 2012 ein neues historisches Hoch erreicht.

ING IM sei überzeugt, dass in Euro denominierte HY-Anleihen immer noch eine attraktive Vergütung für das Kreditrisiko bieten würden. Wenn auch die Renditen insgesamt niedrig seien, so würden sich die HY-Spreads weiterhin auf auskömmlichem Niveau bewegen. Ganz allgemein ziehe ING IM derzeit Spread-Produkte, wie EUR HY Bonds, Staatsanleihen vor, denn die Credit-Spreads würden noch Spielraum für eine weitere Verengung bieten, falls die Zinsen steigen sollten.

Hochzinsanleihen (HY Bonds) würden auch als Non-Investment-Grade-Anleihen, Speculative-Grade-Anleihen sowie Junk Bonds bezeichnet. Es handle sich dabei um Anleihen, die von den Ratingagenturen als spekulativ bzw. unsicher hinsichtlich der Emittentenbonität eingestuft würden. Diese Bonds würden in die Ratingklassen "BB" bis "C" (Standards & Poor's) bzw. "Ba" bis "C" (Moody's) fallen. Sie seien mit einem höheren Ausfallrisiko verbunden, würden im Gegenzug aber höhere Renditen als Anleihen höherer Bonität abwerfen.

Früher seien HY Bonds Anleihen gewesen, die bei Ausgabe in eine Investment-Grade-Kategorie gefallen seien, deren Bonität mit zunehmender Ausfallwahrscheinlichkeit dann aber heruntergestuft worden sei. Das seien die sogenannten Fallen Angels. Heutzutage handle es sich bei HY hauptsächlich um Anleihen, die bereits bei Emission niedrig geratet seien, weil sie von Unternehmen mit höherem Fremdverschuldungsgrad ausgegeben würden.

Es gebe zwar Staatsanleihen, die als Non-Investment-Grade eingestuft würden (wie beispielsweise Griechenland und Venezuela), doch viele High-Yield-Indices würden diese Papiere ignorieren und auf Unternehmensanleihen fokussieren. Infolge der Finanzkrise seien Nachranganleihen zahlreicher Finanzinstitute unter den Investment-Grade-Status gefallen. In einigen Indices seien sie als Sonder-Assetklasse neben dem Kernsegment des High-Yield-Universums vertreten.

Spekulative Emittenten im Nichtfinanzbereich seien u. a. bekannte Unternehmen wie KPN, Lafarge, ArcelorMittal, Peugeot, Renault, ThyssenKrupp, Portugal Telecom und Südzucker.

Zwar sei der amerikanische Hochzinsmarkt volumenmäßig bei Weitem der größte, in den letzten Jahren hätten aber auch in Euro denominierte Anleihen an Bedeutung gewonnen. Die Marktkapitalisierung übersteige bei EUR HY bereits 200 Mrd. Euro. Ende März 2013 habe die Rückzahlungsrendite europäischer Hochzinsanleihen im Durchschnitt 5,2% bei einer Duration von 3,7 Jahren betragen.

Die Renditen von Unternehmensanleihen würden nur unerheblich mit Staatsanleiherenditen korrelieren. Es gelte die Daumenregel: Je niedriger das Rating, desto niedriger die Korrelation. Die Renditen auf Hochverzinsliche würden eine nur geringe Korrelation mit Staatsanleihen aufweisen. Mit Aktien und Schwellenländeranleihen würden sie stärker als mit Staats- und IG-Anleihen korrelieren.

Die Renditen auf EU HY Bonds hätten bereits wieder ihren Stand von vor der Finanzkrise erreicht, lägen aber noch unter dem Durchschnittsniveau der Jahre 2003 bis 2007. Die Rückzahlungsrendite liege derzeit bei 5,2%, während "Yield-to-Worst" (der frühestmögliche Kündigungstermin) immerhin noch 4,5% abwerfe.

Die Verzinsung von HY Bonds werde vor allem von zwei Faktoren beeinflusst: Zinsveränderungen bei Staatsanleihen sowie die Renditeaufschläge, die Emittenten zum Ausgleich für Ausfallrisiko, mangelnde Liquidität und Herunterstufungen zahlen müssten.

Mit Senkung des Refinanzierungssatzes durch die EZB am 2. Mai 2013 von 0,75% auf 0,50% seien die Renditen auf Staatsanleihen jetzt auf den niedrigsten Stand aller Zeiten gefallen. So sei die Rendite fünfjähriger Bundesanleihen - die Referenzrendite in Europa - Anfang Mai auf nur 0,33% gerutscht, nahezu das Allzeittief. Mit sinkenden Staatsanleiherenditen seien in den vergangenen Monaten auch die Renditen auf Hochverzinsliche gefallen.

Zum Höhepunkt der Finanzkrise 2008/09 habe sich der Renditeabstand zwischen europäischen Hochzinsanleihen und zehnjährigen Bundesanleihen dramatisch von 230 Basispunkten auf 1.950 BP ausgeweitet. Mittlerweile habe sich diese Spanne auf 350 BP verengt, liege aber immer noch über dem Vorkrisenniveau. Diese Spread-Verengung habe ebenfalls zum Rückgang der Hochzinsanleiherenditen in den letzten Monaten beigetragen. Die Spread-Entwicklung werde weitgehend davon beeinflusst, wie viele Unternehmen auf Jahressicht den Erwartungen zufolge in Verzug geraten würden. (24.06.2013/alc/a/a)