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IG-Anleihen statt Aktien


20.04.23 09:15
BNY Mellon IM

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Nach den jüngsten Phasen extremer Volatilität an den Anleihemärkten und unter Berücksichtigung des relativen Risiko-Ertrags-Verhältnisses zwischen den Anlageklassen bevorzugen wir auf kurze Sicht festverzinsliche Anlagen gegenüber Aktien, so Shamik Dhar, Chefökonom bei BNY Mellon Investment Management.

Die Möglichkeiten für festverzinsliche Anlagen seien so attraktiv wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Obwohl das Durationsrisiko nach wie vor gering kompensiert werde, da viele Zinskurven invers verlaufen würden, also die Zinsen für kurze Laufzeiten über den Zinsen für lange Laufzeiten lägen, seien die Experten von BNY Mellon Investment Management der Meinung, dass Anleger den Versuch vermeiden sollten, die nächste große Bewegung der Zinskurse genau zu treffen. Denn die Märkte könnten sich schnell und unerwartet bewegen, wie das Drama im Bankensektor im März gezeigt habe. Aus Sicht der Experten von BNY Mellon Investment Management sei es besser, die Duration eher früher als später zu verlängern.

In einem defensiven und flexiblen Ansatz würden die Experten von BNY Mellon Investment Management bargeldähnliche Cash-Positionen und Staatsanleihen bevorzugen, die derzeit attraktive Renditen bieten würden. In Bezug auf Unternehmensanleihen seien die Experten vorsichtiger, da die Risikoaufschläge während einer Rezession erheblich steigen könnten. Deshalb würden sie aktiv selektierte Investmentgrade-Anleihen vor Hochzinsanleihen bevorzugen.

Nach Ansicht der Experten von BNY Mellon Investment Management sei das Risiko einer globalen Rezession seit Jahresbeginn weiter gestiegen. Staatsanleihen der Industrieländer würden wahrscheinlich volatil bleiben. Die Experten würden trotzdem erwarten, dass sie in den nächsten zwölf Monaten einen positiven Beitrag zur Gesamtrendite beitragen würden. Die vergleichsweise attraktiven Niveaus der nominalen Renditen würden gute Erträge bieten. Insbesondere US-Staatsanleihen würden attraktiver als Anleihen in anderen Regionen bleiben.

In Europa sind die Kerninflation und die Löhne noch nicht gesunken, sodass die Gefahr besteht, dass die Europäische Zentralbank ihre restriktive Geldpolitik beibehält und infolge die Renditen für Staatsanleihen im Euroraum weiter steigen, falls sich die Wirtschaft als widerstandsfähiger erweist als wir erwarten, so die Experten von BNY Mellon Investment Management.

Schwellenländeranleihen würden Sicht der Experten etwas von der Erholung der Wirtschaft in China durch die Wiederöffnung und einem weniger starken US-Dollar als im Jahr 2022 profitieren. In vielen Schwellenländern mit Investment-Grade-Rating sei die Inflation bereits auf einem niedrigeren Niveau als in den meisten entwickelten Märkten, die Reservewährungen ausgeben würden. Höhere reale Zinssätze und Flexibilität bei Devisen sowie eine starke Nachfrage aus China sollten es den Schwellenländern ermöglichen, einem Wirtschaftsabschwung oder einem unerwarteten Wertanstieg des US-Dollar standzuhalten. Für Anleger würden Schwellenländeranleihen in US-Dollar sowie in lokaler Währung einen guten Puffer für die Volatilität der Kursrenditen bieten.

Die Verschiebung der absoluten Renditeniveaus bei Investment Grade Unternehmensanleihen nach oben biete nach Ansicht der Experten von BNY Mellon Investment Management zwar einen Ertragspuffer, aber keinen vollständigen Schutz gegen einen Ausverkauf im Falle einer Rezession. Die anhaltende Verschärfung der politischen Lage und der Finanzierungsbedingungen, insbesondere nach der Kreditklemme bei regionalen Banken, dürfte die Gewinnmargen und Cashflows der Unternehmen belasten.

Unser Fazit: Wir gehen davon aus, dass sich die Spreads von Investmentgrade Anleihen in einer Rezession aufgrund der sich verschlechternden Finanzierungsbedingungen von derzeit etwa 120 Basispunkten auf etwa 250 Basispunkte ausweiten werden (Stand März 2023), so die Experten von BNY Mellon Investment Management. Unternehmensanleiherenditen von rund 5,5 Prozent würden einen teilweisen Ausgleich für die Spreadausweitung bieten. Die Experten von BNY Mellon Investment Management würden ein Engagement in IG-Unternehmensanleihen oder auf US-Dollar lautende Schwellenländer-Schuldtiteln bevorzugen, da die Renditen in dieser Anlageklasse in der Vergangenheit in Rezessionen stabiler gewesen seien. (20.04.2023/alc/a/a)