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Hohe laufende Renditen rücken ins Rampenlicht


28.04.25 10:00
Swisscanto

Zürich (www.anleihencheck.de) - Die US-Zollankündigungen haben Anfang April 2025 eine deutlich volatilere Marktphase eingeläutet, so Roland Hausheer, Head Credit Specialities bei Swisscanto.

Während die Aktienmärkte zuerst deutlich korrigiert hätten, scheine der Markt aktuell nicht mehr von einem Worst-Case-Szenario einer tiefen globalen Rezession auszugehen. Ob er damit recht behalte, werde sich in den kommenden Wochen und Monaten zeigen. Klar sei jedoch, dass eine mögliche Rezession nicht die einzige Gefahr sei, welche die Investorengemeinde im Auge behalten sollte. Der globale Handelsstreit führe - in Kombination mit der strengeren Migrationspolitik in den USA sowie dem historischen Fiskalpaket diesseits des Atlantiks - auch zu einem höheren Inflationsdruck.

In diesem Umfeld der Marktverwerfungen würden hohe laufende Renditen ins Rampenlicht rücken. Entsprechend würden sich nach Meinung von Hausheer beim Anlegen in Anleihen insbesondere hochverzinsliche Anlageklassen mit kürzerer Duration großer Beliebtheit erfreuen. Denn diese könnten sowohl hohe laufende Renditen als auch eine tiefere Sensitivität gegenüber zunehmenden Inflationssorgen bieten. Zusätzlich unterstützend wirke gegenwärtig die relativ stabile Entwicklung der Fundamentaldaten von Emittenten in den Anleihensegmenten High Yield, CoCos (Contingent Convertibles) und Corporate Hybrids.

So würden jene Anleihen-Emittenten in der Regel eine tiefere Nettoverschuldung aufweisen sowie ein sich normalisierendes, aber weiterhin positives EBITDA-Wachstum. Die gesunde Verfassung der Emittenten spiegle sich auch in den tiefen Ausfallraten (Defaults) und Distressed Ratios wider - wobei deren Niveau im vergangenen März aufgrund der globalen Unsicherheiten leicht angestiegen sei. Im April 2025 hätten im Zuge der Marktverwerfungen auch die Risikoprämien in den genannten Anleihen-Segmenten zugenommen: Im High-Yield-Bereich resultierte zwischenzeitlich gar ein Spread-Anstieg von rund 176 Basispunkten auf 426 Basispunkte. Dieses Spread-Niveau reflektiere eine Rezessionswahrscheinlichkeit von 50 bis 60% und entschädige damit bereits für eine erhebliche Verlangsamung des Wirtschaftswachstums.

Anleihen aus den Bereichen CoCos und Corporate Hybrids hätten bisher deutlich weniger stark gelitten. Hausheer führe dies auf die nach wie vor hohe Nachfrage in diesen Anlageklassen sowie auf die gute Verfassung der einzelnen Schuldner zurück. Aufgrund der anhaltenden Unsicherheit bezüglich der künftigen Zollpolitik könne es durchaus sein, dass sich die Spreads über alle Anleihen-Segmente zwischenzeitlich weiter ausweiten würden. Dies vor allem dann, wenn es zu größeren Kapitalabflüssen in den einzelnen Anlageklassen kommen sollte - bisher gebe es hierfür jedoch keine Anzeichen.

Bei High-Yield-Anleihen fokussiere sich Hausheer darum auf besicherte Anleihen von Unternehmen mit soliden Fundamentaldaten. Deren Gläubiger hätten im Falle eines Konkurses oder einer Liquidation eines Unternehmens aufgrund der Besicherung Vorrang vor den Ansprüchen anderer Anleihengläubiger sowie den Aktionären. Entsprechend hätten sie eine größere Chance, ihre Investition im Konkursfall zurückzuerhalten. Darüber hinaus würden besicherte Anleihen ihren Wert in einem Wirtschaftsabschwung in der Regel besser als normale Hochzinsanleihen schützen. Dies aufgrund ihres vorrangigen Anspruchs auf die Sicherheiten des Emittenten. Die langfristige Performance besicherter High-Yield-Anleihen sei derweil durchaus vergleichbar mit dem breiten High-Yield-Markt.

Nicht zuletzt könnten beim Anlegen in Anleihen die hohen laufenden Renditen in allen drei Anlageklassen einen Puffer gegen potenzielle Kursrückschläge liefern. Vor diesem Hintergrund könnte der Einstiegszeitpunkt für die genannten Anlageklassen attraktiv sein - solange die laufenden Renditen auf den gegenwärtig hohen Niveaus verharren würden. (28.04.2025/alc/a/a)