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Hochzinsanleihemarkt: Der Zug ist noch nicht abgefahren
16.09.14 14:35
AB
München (www.anleihencheck.de) - Einige Investoren sind der Meinung, die Rally am Hochzinsanleihemarkt verpasst zu haben. Doch Markus Peters, Senior Portfolio Manager Fixed Income bei AB, erklärt, warum ausgewählte Hochzinsanleihen auch weiterhin für gute Renditen sorgen können.
Die Stimmung an den globalen Hochzinsanleihemärkten sei in den vergangenen Jahren sehr positiv gewesen und viele Investoren hätten von den attraktiven Renditen profitiert. Viele Unternehmen hätten sich über Hochzinsanleihen refinanziert und ein großes Emissionsvolumen in Europa, aber auch in den USA, habe für eine breite Auswahl an Investitionschancen gesorgt. So seien in diesem Jahr in Europa bis Ende August beispielsweise 181 Hochzinsanleihen (High-Yield-Anleihen) mit einem Volumen von 68,7 Milliarden Euro an den Markt gekommen. Im bisherigen Spitzenjahr 2013 habe es 216 Emissionen mit einem Gegenwert von 75,7 Milliarden Euro gegeben.
Zwar hätten viele Unternehmen aktuell ihren Finanzierungsbedarf gestillt. Dennoch gehen die Experten von AB von einer hohen Wachstumsrate des europäischen Hochzinsanleihemarktes von rund 25 Prozent für die nächsten beiden Jahre aus. Denn Europa stelle zurzeit rund ein Viertel des globalen Markts für High-Yield-Anleihen und die Unternehmen mit nicht so hoher Kreditwürdigkeit würden sich bisher nur zu 10 bis 20 Prozent über Anleihen finanzieren. Die Experten würden daher glauben, dass sich - auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Bankenregulierung und dem damit verbundenen weiteren Rückgang bei der Kreditvergabe - dieser Anteil erhöhen werde.
Investoren auf der Suche nach laufenden Erträgen fänden diese derzeit weiterhin vor allem im Hochzinsbereich. In den USA seien High-Yield-Anleihen gerade mit einer durchschnittlichen Fälligkeitsrendite von 6 Prozent verzinst, in Europa mit 4,4 Prozent. Wenn man dies mit Staatsanleihen vergleiche, seien solche Renditen für Investoren tatsächlich sehr interessant. Darüber hinaus sei historisch betrachtet die Korrelation zwischen steigenden Zinsen und Preisen für Hochzinsanleihen relativ gering. Der negative Effekt von Zinssteigerungen sei in der Vergangenheit im Hochzinsbereich denn auch deutlich weniger zu spüren gewesen. Außerdem seien steigende Zinsen ein Zeichen dafür, dass sich das wirtschaftliche Umfeld verbessere. Dies komme der finanziellen Stärke der Unternehmen entgegen und sollte sich in einem stabilen oder gar verringerten Kreditaufschlag für die Emittenten widerspiegeln.
Doch der Markt berge auch Risiken und Anleger sollten ihre Wahl auf den Hochzinsanleihemärkten daher mit Bedacht treffen. Insbesondere sehen die Experten von AB die Gefahr, sich zu stark nach hohen Renditen in den niedrigsten Ratingkategorien zu strecken. Sie würden aktuell zum Beispiel viele Anleihen mit einem CCC-Rating für überteuert halten. Die Ausfallquote von Unternehmen mit diesem Rating habe im historischen Durchschnitt über einen Fünf-Jahreszeitraum bei fast 50 Prozent gelegen. Ihre Anleihen würden derzeit jedoch über Par handeln, im Preis würden sich diese Risiken also nicht widerspiegeln. Im langfristigen Durchschnitt sei dieses Ausfallrisiko mit einem Aufschlag von mehr als 500 Basispunkten auf eine Anleihe mit BB-Rating vergütet worden. Zurzeit gebe es nur einen Aufschlag von rund 300 Basispunkten.
Bei den Ausfallrisiken am breiten High-Yield-Markt sei eine allzu negative Haltung derzeit jedoch nicht angebracht, denn auf den ersten Blick würden die Zahlen täuschen: Bis Ende August 2014 hätten die USA ein Ausfallvolumen von 49 Milliarden US-Dollar gehabt - das fünfhöchste Ergebnis für ein Kalenderjahr. Auf den zweiten Blick relativiere sich die Summe: Etwa drei Viertel würden auf ein einziges Unternehmen entfallen. Nichtsdestotrotz liege die Ausfallquote auch in diesem Jahr auf einem niedrigen Niveau von annualisiert 1,93 Prozent (Stand August 2014). Der langfristige Durchschnitt betrage 3,9 Prozent. Man rechne auch in der zweiten Jahreshälfte und 2015 mit keinem nachhaltigen Anstieg. Denn die Finanzierungskosten würden relativ niedrig bleiben. Zudem rechne man nicht mit einer übermäßigen Refinanzierungswelle, die zu Ausfällen führen könnte.
Die Experten von AB erwarten gerade bei nachrangigen Bankanleihen viele Emissionen, diese sind vor allem in Europa ein Thema. Dabei seien insbesondere diejenigen Finanztitel von Interesse, die vor einigen Jahren emittiert worden seien, aber nicht den neuen Basel-III-Regularien entsprechen würden und somit von den Banken nicht mehr zum Eigenkapital hinzugerechnet werden könnten. Die Nachrang-Anleihen seien für die Banken ein teurer Klotz am Bein und würden durch neue ersetzt, die den aktuellen Kriterien entsprechen würden. Es sei daher anzunehmen, dass die Banken von ihrem Recht Gebrauch machen würden, die alten Anleihen vor Fälligkeit zu einem festen Datum zu einem festen Preis vom Markt zu nehmen.
Der Umstand, dass die Banken ihre Eigenkapitalquote erhöhen müssten, lasse eine Emissionswelle von neuen Anleihen gemäß den Basel-III-Regularien erahnen. Allein in Europa stehe in den nächsten Jahren bei den nachrangigen Finanzanleihen ein Neuemissionsvolumen von 200 bis 250 Milliarden Euro an. Das werde den hiesigen Markt für Hochzinsanleihen nachhaltig beeinflussen und könne weitere Investitionsmöglichkeiten bieten.
Dennoch sei zurzeit noch Vorsicht angesagt, da das große Angebot auch durch eine entsprechende Nachfrage gedeckt werden müsse. Sonst würden diese Anleihen in Zukunft günstiger zu haben sein. Aufgrund der geringen Rendite am breiten Rentenmarkt würden Hochzinsanleihen also weiterhin interessant bleiben, vor allem da sich durch die strukturellen Trends auch wieder neue, ausgewählte Investmentmöglichkeiten ergeben würden. (16.09.2014/alc/a/a)
Die Stimmung an den globalen Hochzinsanleihemärkten sei in den vergangenen Jahren sehr positiv gewesen und viele Investoren hätten von den attraktiven Renditen profitiert. Viele Unternehmen hätten sich über Hochzinsanleihen refinanziert und ein großes Emissionsvolumen in Europa, aber auch in den USA, habe für eine breite Auswahl an Investitionschancen gesorgt. So seien in diesem Jahr in Europa bis Ende August beispielsweise 181 Hochzinsanleihen (High-Yield-Anleihen) mit einem Volumen von 68,7 Milliarden Euro an den Markt gekommen. Im bisherigen Spitzenjahr 2013 habe es 216 Emissionen mit einem Gegenwert von 75,7 Milliarden Euro gegeben.
Zwar hätten viele Unternehmen aktuell ihren Finanzierungsbedarf gestillt. Dennoch gehen die Experten von AB von einer hohen Wachstumsrate des europäischen Hochzinsanleihemarktes von rund 25 Prozent für die nächsten beiden Jahre aus. Denn Europa stelle zurzeit rund ein Viertel des globalen Markts für High-Yield-Anleihen und die Unternehmen mit nicht so hoher Kreditwürdigkeit würden sich bisher nur zu 10 bis 20 Prozent über Anleihen finanzieren. Die Experten würden daher glauben, dass sich - auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Bankenregulierung und dem damit verbundenen weiteren Rückgang bei der Kreditvergabe - dieser Anteil erhöhen werde.
Investoren auf der Suche nach laufenden Erträgen fänden diese derzeit weiterhin vor allem im Hochzinsbereich. In den USA seien High-Yield-Anleihen gerade mit einer durchschnittlichen Fälligkeitsrendite von 6 Prozent verzinst, in Europa mit 4,4 Prozent. Wenn man dies mit Staatsanleihen vergleiche, seien solche Renditen für Investoren tatsächlich sehr interessant. Darüber hinaus sei historisch betrachtet die Korrelation zwischen steigenden Zinsen und Preisen für Hochzinsanleihen relativ gering. Der negative Effekt von Zinssteigerungen sei in der Vergangenheit im Hochzinsbereich denn auch deutlich weniger zu spüren gewesen. Außerdem seien steigende Zinsen ein Zeichen dafür, dass sich das wirtschaftliche Umfeld verbessere. Dies komme der finanziellen Stärke der Unternehmen entgegen und sollte sich in einem stabilen oder gar verringerten Kreditaufschlag für die Emittenten widerspiegeln.
Bei den Ausfallrisiken am breiten High-Yield-Markt sei eine allzu negative Haltung derzeit jedoch nicht angebracht, denn auf den ersten Blick würden die Zahlen täuschen: Bis Ende August 2014 hätten die USA ein Ausfallvolumen von 49 Milliarden US-Dollar gehabt - das fünfhöchste Ergebnis für ein Kalenderjahr. Auf den zweiten Blick relativiere sich die Summe: Etwa drei Viertel würden auf ein einziges Unternehmen entfallen. Nichtsdestotrotz liege die Ausfallquote auch in diesem Jahr auf einem niedrigen Niveau von annualisiert 1,93 Prozent (Stand August 2014). Der langfristige Durchschnitt betrage 3,9 Prozent. Man rechne auch in der zweiten Jahreshälfte und 2015 mit keinem nachhaltigen Anstieg. Denn die Finanzierungskosten würden relativ niedrig bleiben. Zudem rechne man nicht mit einer übermäßigen Refinanzierungswelle, die zu Ausfällen führen könnte.
Die Experten von AB erwarten gerade bei nachrangigen Bankanleihen viele Emissionen, diese sind vor allem in Europa ein Thema. Dabei seien insbesondere diejenigen Finanztitel von Interesse, die vor einigen Jahren emittiert worden seien, aber nicht den neuen Basel-III-Regularien entsprechen würden und somit von den Banken nicht mehr zum Eigenkapital hinzugerechnet werden könnten. Die Nachrang-Anleihen seien für die Banken ein teurer Klotz am Bein und würden durch neue ersetzt, die den aktuellen Kriterien entsprechen würden. Es sei daher anzunehmen, dass die Banken von ihrem Recht Gebrauch machen würden, die alten Anleihen vor Fälligkeit zu einem festen Datum zu einem festen Preis vom Markt zu nehmen.
Der Umstand, dass die Banken ihre Eigenkapitalquote erhöhen müssten, lasse eine Emissionswelle von neuen Anleihen gemäß den Basel-III-Regularien erahnen. Allein in Europa stehe in den nächsten Jahren bei den nachrangigen Finanzanleihen ein Neuemissionsvolumen von 200 bis 250 Milliarden Euro an. Das werde den hiesigen Markt für Hochzinsanleihen nachhaltig beeinflussen und könne weitere Investitionsmöglichkeiten bieten.
Dennoch sei zurzeit noch Vorsicht angesagt, da das große Angebot auch durch eine entsprechende Nachfrage gedeckt werden müsse. Sonst würden diese Anleihen in Zukunft günstiger zu haben sein. Aufgrund der geringen Rendite am breiten Rentenmarkt würden Hochzinsanleihen also weiterhin interessant bleiben, vor allem da sich durch die strukturellen Trends auch wieder neue, ausgewählte Investmentmöglichkeiten ergeben würden. (16.09.2014/alc/a/a)


