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Hitzewelle in der Geldpolitik


24.07.19 14:00
BNY Mellon IM

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Weite Teile Europas stöhnen unter der Hitzewelle, so Nick Clay, Manager des BNY Mellon Global Equity Income Fund bei Newton Investment Management - einer Gesellschaft von BNY Mellon Investment Management.

Auch an den Märkten würden sich die Gemüter erhitzen, sobald die Diskussion auf die Geldpolitik komme. Zinssenkungen würden sowohl für die Eurozone als auch die USA erwartet, und die Märkte seien schon dabei, zusätzliche Lockerungsmaßnahmen einzupreisen. Nick Clay gehe davon aus, dass das schwächere Wirtschaftswachstum weiteren Druck ausüben werde.

Wenn die EZB und die FED reagieren würden, könnte sich die Inversion der Zinsstrukturkurve stärker ausprägen und damit weitere Zinssenkungen auslösen. Die aktuelle Botschaft sei klar: Die nächste QE-Welle werde anders aussehen als in den letzten zehn Jahren. Es sei nicht mehr akzeptabel, nur die Finanzmärkte zum Nutzen weniger Menschen zu unterstützen. Geldpolitische Anreize müssten jetzt breiteren Bevölkerungsschichten zugutekommen - denn sonst würden populistische Parteien noch weiter Auftrieb erhalten.

Für manche Großkonzerne, die sich aktuell vor den Behörden rechtfertigen müssten, koche die Stimmung schon jetzt. Anreiz- und Bonusmodelle würden zukünftig auf den Faktor Arbeit anstatt Kapital ausgerichtet sein, und die verfügbare Liquidität werde eher Staaten als Unternehmen zugutekommen. Sowohl Margen als auch Geschäftsmodelle dürften damit unter Druck geraten. Die Phase, in der es an den Märkten stets nach oben gegangen sei, neige sich wohl ihrem Ende zu, und man gehe volatileren Zeiten entgegen.

Die Konsequenz: Der Fokus verlagere sich von QE auf haushaltspolitische Maßnahmen, wie Steuersenkungen, Infrastrukturprojekte etc., und damit zur Finanzierung staatlicher Freigebigkeit - die Modern Monetary Theory liefere die theoretische Begründung für die extreme Variante dieses Ansatzes. Der übliche Pawlowsche Reflex der Zentralbanken, immer weiter die Märkte zu füttern, werde damit nicht mehr angebracht sein. (24.07.2019/alc/a/a)