Erweiterte Funktionen

High-Yield-Markt: USA attraktiver als Europa - trotz teurerer Bewertung


29.09.22 12:09
Fisch Asset Management

Zürich (www.anleihencheck.de) - Die sommerliche Kurserholung im Anleihensegment war möglicherweise nur ein Strohfeuer, denn der September knüpfte an das schwache erste Halbjahr an, so Kyle Kloc, Senior Portfolio Manager bei Fisch Asset Management.

Seit Jahresanfang stehe damit ein historisch hohes Minuszeichen bei fast allen Anleihesegmenten beziehungsweise bei sämtlichen Anlageklassen zu Buche. Bei Anleihen mit besseren Ratings seien die Verwerfungen sogar zwischenzeitlich noch stärker zu spüren gewesen als bei High-Yield-Bonds. Letztere würden aktuell auf globaler Ebene einen Kursrückgang von rund 14 Prozent ausweisen (gemessen am ICE BofA ML Global High Yield-Index in Euro hedged). Bliebe es bei diesem Ergebnis, dann würde 2022 in punkto Performance als eines der schwächsten Jahre in die Geschichte des High-Yield-Markts eingehen.

Und natürlich würden sich Investoren bei dieser rückläufigen Kursentwicklung die Frage stellen: Wann lohne sich ein Einstieg oder eine Aufstockung der High-Yield-Position? Angesichts der immer noch hohen Inflation, den daraus resultierenden Zinserhöhungen und höherer Spreads sei unverändert Vorsicht geboten, aber dennoch seien die Experten der Meinung, dass Teilinvestitionen zum jetzigen Zeitpunkt wieder in Erwägung gezogen werden könnten. Kurzfristig dürften sich die Spreads zwar nochmals ausweiten - allerdings würden die aktuellen Spreadniveaus zumindest mittelfristig interessante Einstiegspunkte darstellen.

Die Experten würden den US-amerikanischen High-Yield-Markt für attraktiver als den europäischen halten, trotz der vergleichsweise höheren Bewertung. Dies hänge in erster Linie damit zusammen, dass die hohen Energiepreise positiv für den US-High-Yield-Markt und negativ für die europäischen Pendants seien. Dies liege daran, dass der Energiesektor im US-Universum besonders groß sei. Dazu würden Öl- und Erdgasproduzenten zählen, die derzeit extrem profitabel seien. Gleichzeitig seien die Strom- und Gaspreise in Europa deutlich stärker an als in den USA gestiegen, was die Gewinnmargen europäischer Unternehmen schon jetzt signifikant belaste beziehungsweise in den negativen Bereich rutschen lasse.

Generell würden die Experten momentan bessere Qualitäten bevorzugen und die Sektoren Energie, Metalle und Telekom übergewichten. Einzelhandel und Automobile würden sie dagegen aufgrund des schwächeren Konsumklimas und der weiterhin hohen Inflation untergewichten. Zur Vorsicht würden sie bei kurzen Laufzeiten aufgrund des Refinanzierungsrisikos und bei Emittenten mit Exposure zu europäischen Energiepreisen raten.

Wichtig für den High-Yield-Markt wäre die Vermeidung einer zu heftigen Rezession. Dass eine Rezession komme, scheine unausweichlich. Verlaufe sie verhältnismäßig moderat, dann könnte auch der High-Yield-Markt damit leben. Denn fundamental stünden die Unternehmen gut da. Die Auftragsbücher seien überwiegend voll und die Finanzierungen in der Regel solide gestaltet, sodass die gestiegenen Zinsniveaus zumindest oberhalb des CCC-Ratingsegments zu keiner maßgeblichen Erhöhung der Ausfallraten führen sollten. Daher gelte zum jetzigen Zeitpunkt: es gebe keine Entwarnung, aber auch keinen Grund zur Panik. Zumindest für langfristig orientierte Investoren sei eine massive Korrektur, wie man sie bisher in 2022 erlebe, auch immer eine Einstiegschance. (29.09.2022/alc/a/a)