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High-Yield-Ausblick: Kurzfristig defensiv, aber auf längere Sicht solide


24.01.24 09:30
Wellington Management

London (www.anleihencheck.de) - Die Spreads globaler High-Yield-Anleihen gegenüber durationsgleichen Staatsanleihen notieren enger als ihre historischen Mittelwerte, so Konstantin Leidman, Fixed Income Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Wellington Management.

"Ausgehend von früheren Beobachtungen erwarten wir für die nächsten drei Jahre Zusatzerträge im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Die aktuellen Renditen sind hingegen in den letzten Jahren infolge der Straffung der Geldpolitik deutlich gestiegen und lassen auch für die Zukunft attraktive Gesamterträge erwarten," so Leidman. Er empfehle ein leicht defensives Risikoprofil für globale High-Yield-Anleger und sehe 2024 Potenzial für bessere Gelegenheiten, das Engagement bei attraktiveren Bewertungen zu erhöhen.

Aus regionaler Sicht hätten die Experten eine Präferenz für Europa, da die Spreads höher seien als am US-Markt. Auf Sektorebene würden Finanzwerte in Europa auf relativer Basis besonders attraktiv erscheinen. Die Spreads europäischer Banken hätten sich trotz angemessener Kapitalausstattung und positiver Trends bei der Qualität der Aktiva noch nicht vollständig von der Krise des Bankensektors im März 2023 erholt. Im Gegensatz dazu würden zyklische US-Konsumgüterwerte selbst im Vergleich zu anderen, defensiveren Sektoren teuer erscheinen und dürften nach Erachten der Experten anfälliger für eine Verlangsamung der globalen Wirtschaftsaktivitäten sein, da die Verbraucher den Gürtel enger schnallen würden.

In den Emerging Markets würden die Experten nach wie vor das Segment unterhalb der Investment-Grade-Kategorie gegenüber dem Segment mit einer höheren Kreditqualität bevorzugen, wobei die Titelauswahl entscheidend sei, um sich angesichts der großen Zahl ausfallgefährdeter Emittenten zurechtzufinden und Zahlungsausfälle zu vermeiden. Insgesamt würden die Experten davon ausgehen, dass sich im Zuge der Abschwächung der Weltwirtschaft und der Zunahme von Zahlungsausfällen im Laufe des Jahres 2024 Gelegenheiten bieten würden, globale High-Yield-Anleihen zu weiteren Spreads zu erwerben.

Die jüngsten Wirtschaftsdaten würden die Experten in ihrer Zuversicht bestärken, dass sich derzeit ein globaler Desinflationstrend durchsetze. Die Rhetorik der Zentralbanken signalisiere jedoch eine Tendenz, die Zinsen noch über einen längeren Zeitraum hinweg auf einem erhöhten Niveau zu halten. Dies erhöhe die Wahrscheinlichkeit eines geldpolitischen Fehlers. Die Experten würden allmählich schwächere Daten aus dem Verarbeitenden Gewerbe, niedrigere Konsumausgaben und das Aufzehren der hohen Ersparnisse bei Verbrauchern in den unteren Einkommensschichten sehen.

Normalerweise sollte sich in dieser Phase des Konjunkturzyklus die vergleichsweise geringere Kaufkraft der Verbraucher in einer Verlangsamung der Investitionsausgaben niederschlagen. Staatliche Ausgabenprogramme könnten das tatsächliche Bild jedoch verzerren. Insgesamt würden die Experten Europa in einer besseren Position als die USA sehen, da die Verbraucher hier stärkere Bilanzen aufweisen würden und die Region noch nicht von einer expansiveren Fiskalpolitik profitiert habe. Die Experten würden eine leichte weltweite Rezession weiterhin für durchaus möglich halten, insgesamt aber eine sanfte Landung für wahrscheinlicher.

Die höheren Kreditkosten hätten sich zwar bislang nur begrenzt auf die Unternehmensgewinne und Kreditprofile ausgewirkt, dies dürfte sich jedoch in den kommenden Quartalen ändern, wenn sich die Konjunktur verlangsame. Die Ausfallquoten seien bereits auf 4,5 Prozent gestiegen und lägen damit unweit des historischen Durchschnitts. Diese Zahl könnte zwar leicht ansteigen, die Experten würden aber angesichts der im Vergleich zu früheren Zyklen qualitativ hochwertigeren Zusammensetzung des High Yield-Marktes keinen ausgewachsenen Ausfallzyklus erwarten (über 8 bis 10 Prozent).

Beispielsweise bestehe der US-amerikanische High-Yield-Markt heute zu fast 50 Prozent aus Anleihen mit BB-Rating und nur zu 12 Prozent aus Anleihen mit CCC-Rating, was nur etwa der Hälfte der Gewichtung von CCC-Titeln zu Beginn der globalen Finanzkrise entspreche.

Da der Marktkonsens nun das Szenario einer weichen Landung zu akzeptieren scheine, habe das Interesse der Marktteilnehmer an High-Yield-Anleihen zugenommen, wobei die Zuflüsse eine Abkehr von einer insgesamt sehr defensiven Haltung darstellen würden. Obwohl die Nachfrage nach High-Yield-Anleihen insgesamt robust bleibe, würden sich die Experten nicht wundern, wenn es aufgrund der relativ attraktiven Erträge von Unternehmens- und Staatsanleihen mit Investment-Grade-Rating zu einer gewissen Verdrängung käme.

Die Qualität der jüngsten Neuemissionen sei generell nach wie vor gut, und die Experten würden noch keine große Zahl aggressiv strukturierter Transaktionen oder eine Verwendung der Erlöse sehen, durch die sich der Fremdkapitalgrad erhöhe. Unter den von ihnen beobachteten Extremrisiken würden geopolitische Entwicklungen und die Inflation dominieren, wobei letztere allmählich an Bedeutung verlieren dürfte, sofern es nicht zu exogenen Schocks komme.

Sollte sich die Erwartung einer sanften Landung bewahrheiten, dürfte dies das Ausmaß der Spreadausweitung im Vergleich zu früheren Abschwüngen begrenzen. Bei der Bestimmung der Risikopositionierung würden die Experten aber einen größeren Schwerpunkt auf die Bewertungen als auf die Fundamentaldaten legen. Ihrer Ansicht nach würden sich flexiblen und vorausschauenden aktiven Anlegern im kommenden Jahr bessere Gelegenheiten bieten, ihr Engagement bei weiteren Spreads zu erhöhen. (24.01.2024/alc/a/a)