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High Yield-Anleihen beim Renditepotenzial an der Spitze


27.01.22 10:45
Swisscanto Invest

Zürich (www.anleihencheck.de) - Fast sieben Jahre nach der ursprünglichen Ankündigung einer quantitativen Lockerung in Europa schwächt sich die Flut der globalen Zentralbankliquidität allmählich ab, so Roland Hausheer, Head Credit Specialities bei Swisscanto Invest.

Mit der Drosselung der Anleihenkäufe (Tapering) werde der Kreditimpuls schwächer und dürfte wiederum höhere Risikoprämien generieren. Die Experten seien jedoch der Auffassung, dass das Umfeld für Risikoanlagen weiterhin attraktiv sei, da die geldpolitische Straffung durch die FED weitgehend angekündigt worden sei. In einem Umfeld positiven Wirtschaftswachstums, sich weiter verbessernder Fundamentaldaten und extrem niedriger Ausfallraten würden die Experten bei High Yield-Anleihen zwar eine 'Risk-on'-Positionierung anstreben, aber wachsam angesichts der volatilen Finanzmärkte bleiben.

Unserer Einschätzung nach befinden wir uns nun in der Phase 'Mitte des Zyklus'/'Expansion des Kreditzyklus', so die Experten von Swisscanto Invest. Dies bedeute, dass am Kreditmarkt nicht mehr ein genereller Trend zu engeren Risikoprämien dominiere, sondern dass sich die Risikoprämien erwartungsgemäß in einer Range bewegen würden. Spreads würden in diesen Zeiten zu höherer Volatilität und höheren Schwankungsbreiten tendieren. Es sei in dieser Phase des Zyklus viel eher möglich, durch 'buying dips and selling rallies' Mehrwert zu schaffen. Insofern würden die Experten vorerst an einer Long-Position festhalten, seien gleichzeitig aber auch bereit, vermehrt Gewinne in Positionen zu realisieren, die sich insbesondere im Bereich 'generische' Risiken bewährt hätten.

Die technischen Faktoren seien mit denen im Jahr 2021 vergleichbar, wobei insgesamt nur begrenzt zusätzliche Kapitalströme in die Anlagekategorie fließen würden. Gleichzeitig würden die Experten davon ausgehen, dass Rising Stars im Wert von rund 70 bis 90 Mrd. USD den High Yield-Markt verlassen würden. In Kombination mit einer um rund 15 Prozent tieferen Neuemissionstätigkeit werde das Verhältnis von Angebot und Nachfrage dieses Jahr tatsächlich recht ausgewogen sein. Dies schaffe zusätzliche Unterstützung für Risikoprämien. Der Anteil der refinanzierungsgetriebenen Emissionen gehe voraussichtlich zurück und die Verwendung der Erlöse verlagere sich deutlich von der Refinanzierung auf Fusionen und Übernahmen. Daher verschiebe sich die Ratingqualität eher von BB/B zu B und CCC-Ratings.

Aus einer Risk-on/Risk-off-Perspektive dürfte sich der High Yield-Markt in einer Bandbreite von 300 bis 400 Basispunkten bewegen. Im Vergleich zum Renditepotenzial anderer festverzinslicher Anlagekategorien stünden High Yield-Anleihen damit an der Spitze. Die Experten seien überzeugt, dass Phasen von Volatilität/Schwäche Opportunitäten bieten würden, um neue Long-Positionen auf attraktiveren Niveaus einzugehen, denn insgesamt würden sie die Erwartungen für Unternehmensergebnisse und das Wachstumsbild in 2022 als konstruktiv einschätzen. Und angesichts der Underperformance von EUR-High Yield gegenüber US-High Yield im November und Dezember würden die Experten Europa als chancenreich sehen und aktuell EUR-High Yield übergewichten. Es habe sich zu Jahresbeginn bereits eine Gegenbewegung gezeigt. (27.01.2022/alc/a/a)