Erweiterte Funktionen

Großes Potenzial für Unternehmensanleihen 2023


28.02.23 11:43
AB

München (www.anleihencheck.de) - Die anhaltende Inflation und die Aussicht auf eine weltweite Konjunkturabschwächung beherrschen weiterhin die Anleihenmärkte, so Vivek Bommi, CFA, Head European Fixed Income, Director European and Global Credit bei AllianceBernstein.

Die Zentralbanken würden versuchen, die Inflation zu bekämpfen, und auch wenn das Tempo der geldpolitischen Straffung angesichts des nachlassenden globalen Wirtschaftswachstums sich wahrscheinlich verlangsamen werde, sei 2023 mit weiteren Zinserhöhungen zu rechnen. Zum Glück für Anleger in Investment-Grade- und Hochzinsanleihen seien die Kennzahlen vieler Emittenten gut und Anleihen böten 2023 trotz eines zunehmend trüben Makrobildes Potenzial.

So habe noch im dritten Quartal 2021 etwa die Hälfte der europäischen Investment-Grade-Unternehmensanleihen negative Renditen aufgewiesen. Dieses Bild habe sich jedoch stark gewandelt und sowohl die Anleihenrenditen als auch die Renditeaufschläge (Spreads) würden sich auf einem Mehrjahreshoch befinden. Auch die Renditen für US-Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating seien heute auf dem höchsten Stand seit der globalen Finanzkrise. Zudem seien viele Unternehmen finanziell solide aufgestellt.

Die Fundamentaldaten der Unternehmen in den USA und Europa würden sich zunehmend von der pandemiebedingten Schwäche erholen und die Rohstoffpreise würden sinken. Im Vergleich zu ihren Bandbreiten nach der globalen Finanzkrise würden die meisten Sektoren gemessen an der Profitabilität sowie an wichtigen Kennzahlen wie Verschuldungsgrad und Schuldendienstabdeckung solide erscheinen. Die starken Fundamentaldaten seien zum Teil auf die Haushaltsdisziplin während der Corona Pandemie zurückzuführen. Sie würden auch widerspiegeln, dass die typischerweise prozyklischen Rohstoffunternehmen vom knappen Angebot und den hohen Preisen profitiert hätten.

Solch ein verantwortungsbewusstes Handeln werde in Zukunft besonders wichtig sein, da die Experten davon ausgehen würden, dass sich das globale Wachstum im Jahr 2023 verlangsame. Damit würden meist eine geringere Nachfrage und strengere Kreditbedingungen einhergehen, Unternehmen mit soliden Bilanzen und Zugang zu Finanzmitteln würden jedoch in der Lage sein, das zu überstehen.

Darüber hinaus dürften die Emittenten von Hochzinsanleihen im kommenden Jahr von niedrigen Kupons profitieren, denn es gebe keine nahende Fälligkeitsschwemme, die die Unternehmen zwingen würde, Schuldtitel zu höheren Zinsen zu begeben. Selbst wenn die Renditen in den nächsten vier Jahren hoch bleiben würden, dürften die Zinsen erst Anfang 2026 wieder das Niveau von 6 Prozent erreichen, das sie vor der Pandemie gehabt hätten.

In den USA hätten die Ausfälle bei Hochzinsanleihen im Oktober 2020 mit 6,3 Prozent ihren Höhepunkt erreicht. Darüber hinaus habe eine Kohorte "Gefallener Engel" (ehemalige Investment-Grade-Anleihen) den BB-Anteil des Hochzinsuniversums auf 50 Prozent erhöht und damit die Gesamtqualität der Hochzinsanleihen verbessert. Auf dem europäischen Hochzinsmarkt sei der Anteil der BB-Anleihen sogar auf 63 Prozent gestiegen. Damit seien beide Hochzinsmärkte gut aufgestellt, um Marktbelastungen standzuhalten. Ein signifikanter Anstieg der Zahlungsausfälle in den nächsten zwölf bis 18 Monaten sei deshalb unwahrscheinlich. (28.02.2023/alc/a/a)