Erweiterte Funktionen

Große Schwankungen am Anleihenmarkt


02.04.20 16:00
Swisscanto Invest

Zürich (www.anleihencheck.de) - Behördliche Maßnahmen zur Verhinderung einer unkontrollierten Ausbreitung des Coronavirus haben rund um den Globus einen Quasistillstand ganzer Wirtschaftszweige wie auch des sozialen Lebens verursacht, so die Experten von Swisscanto Invest.

Gleichzeitig würden sich Regierungen und Notenbanken mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen den Abschwung stemmen, um eine Konkurswelle abzuwenden und einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern. Im 1. Halbjahr 2020 werde die Weltwirtschaft stärker schrumpfen als während der Finanzkrise 2008/2009. Ab Mitte des Jahres würden die Experten von Swisscanto Invest indes mit einem schrittweisen Hochfahren der wirtschaftlichen Aktivitäten rund um den Globus rechnen. China sei der Welt bei der Bekämpfung des Virus rund ein Quartal voraus.

Die Corona-Krise verursache an den Märkten große Verwerfungen und enorme Unsicherheit. Insgesamt würden die Experten von Swisscanto Invest glauben, dass sich die Finanzmärkte vorerst noch nicht beruhigen würden und das Auf und Ab in den kommenden Wochen weitergehen werde. So würden die Unternehmensgewinne drohen durch die wirtschaftliche Vollbremsung einzubrechen. Die massiven geld- und fiskalpolitischen Hilfen für Unternehmen und Arbeitnehmende würden indes hoffen lassen, dass das Schlimmste verhindert werde. Der US-Dollar verliere infolge der tieferen US-Zinsen an Attraktivität. Ein Nutznießer davon werde Gold sein.

Infolge der globalen Verbreitung von COVID-19 habe auch die Volatilität an den Anleihenmärkten stark zugenommen. Die Renditen von Staatsanleihen hätten sich im März in verschiedenen Währungsregionen sogar in unterschiedliche Richtungen bewegt. Während die 10-jährigen Renditen in den USA um 0,34% gefallen seien, hätten die Schweizer Renditen um 0,6% zugelegt. In den USA hätten Zinssenkungen und die Ankündigung unbeschränkter Anleihenkäufe der US-Notenbank zu einem starken Renditerückgang und Gewinnen auf US-Staatsanleihen geführt. Am Schweizer Anleihenmarkt seien die Renditen in einem risikoaversen Umfeld hingegen gestiegen, da viele Marktakteure auch Obligationen mit hoher Bonität verkauft hätten. In Phasen hoher Volatilität fehle an den Bondmärkten oftmals die notwendige Liquidität für den Handel von größeren Volumen, was aktuell den Renditeanstieg am Schweizer Obligationenmarkt zusätzlich verstärkt habe.

Die ultralockere Geldpolitik der globalen Notenbanken werde jedoch für Entspannung sorgen, was für fallende Renditen über die nächsten Wochen spreche. Die höheren Staatsschulden, verbunden mit einem höheren Emissionsvolumen von Staatsanleihen, würden von den Notenbanken absorbiert. Die Experten von Swisscanto Invest würden allerdings davon ausgehen, dass die Schwankungen am Anleihenmarkt weiter anhalten würden.

Im März habe die Unsicherheit der Aktieninvestoren wegen des Coronavirus ihren Höhepunkt erreicht. Der wichtigste Indikator dafür, der Volatilitätsindex für den US-Aktienmarkt (VIX), habe den bis dahin geltenden Rekord aus der Finanzkrise übertroffen. In der aktuellen Krise sollte das das Maximum gewesen sein. Die Wende am Aktienmarkt dürfte aber noch etwas auf sich warten lassen. Denn aktuell befinden wir uns in einer Phase, in der Investoren zwischen Hoffen und Bangen hin- und hergerissen bleiben, so die Experten von Swisscanto Invest. Einerseits habe die zweite Märzhälfte gezeigt, dass Regierungen und Zentralbanken der Krise entschlossen entgegentreten würden. China scheine das Schlimmste hinter sich zu haben und versuche, langsam zur Normalität zurückzukehren. Andererseits könne von Entspannung noch keine Rede sein. Abgesehen von China befinde sich die Welt größtenteils noch am Anfang oder mitten im wirtschaftlichen Stillstand. Zudem sei in China eine zweite Epidemiewelle nicht auszuschließen.

Die volle Wucht der globalen konjunkturellen Vollbremsung werde erst im 2. Quartal zu spüren sein. Für die Unternehmen und damit die Aktienmärkte bedeute dies weiterhin hohe Unsicherheit. Es sei nach wie vor kaum abschätzbar, wie hoch die Einbußen sein würden. Zwar hätten viele Regierungen Liquiditätshilfen und zinsgünstige Kredite zugesagt, aber es würden wohl nicht alle Unternehmen die Krise überstehen. Darüber hinaus seien die Finanzhilfen in der Regel mit der Auflage verbunden, Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe auszusetzen. Vor allem Letztere seien in den vergangenen Jahren ein wesentlicher Aktienkurstreiber gewesen. Die Experten von Swisscanto Invest würden deshalb davon ausgehen, dass die Volatilität an den Aktienmärkten erhöht bleibe. Sobald Investoren die - von den Experten von Swisscanto Invest in der 2. Jahreshälfte erwartete - Konjunkturerholung absehen könnten, dürfte der Boden für den nächsten nachhaltigen Aufwärtstrend am Aktienmarkt gelegt sein.

In einem von Unsicherheit geprägten Umfeld lägen die Vorteile bei den eher defensiven Aktienmärkten. Ein Blick auf die Sektorstruktur der einzelnen Regionen verrate, dass die Schweiz und die USA den größten Anteil an defensiven Sektoren wie nichtzyklischem Konsum, Gesundheit, Kommunikation und Versorger aufweisen würden. Beide Märkte würden die Experten von Swisscanto Invest weiterhin als attraktiv erachten. Die Eurozone, Großbritannien und Japan würden ein höheres Gewicht an konjunktursensitiven Sektoren besitzen. Der Finanzsektor, der noch immer mit strukturellen Herausforderungen kämpfe, sei überproportional vertreten. In diesen Märkten sähen die Experten von Swisscanto Invest nach wie vor weniger Potenzial. Auch die Schwellenländerindices würden stark vom globalen Konjunkturzyklus abhängen. Die Finanzsektoren seien darin ebenfalls hoch gewichtet. Wir erwarten aber, dass sich die im Index stark vertretenen asiatischen Schwellenländer als erste von der Corona-Krise erholen, so die Experten von Swisscanto Invest. (02.04.2020/alc/a/a)