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Großbritannien droht eine Finanzmarktkrise


30.09.22 14:21
BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Die Entwicklungen im Vereinigten Königreich beherrschten in der vergangenen Woche das Geschehen an den globalen Märkten: Der Renditeanstieg britischer Staatsanleihen löste Schockwellen aus, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management.

Der Verlust des Vertrauens in die Tragfähigkeit der britischen Staatsfinanzen nach dem "Mini-Budget" vom vergangenen Freitag habe das Pfund stark unter Druck gesetzt. Das habe die Erwartung geweckt, dass die Bank of England (BoE) die Zinsen deutlich anheben müsse, um die Währung zu schützen und den Inflationsdruck einzudämmen.

Mitte vergangener Woche habe die BoE schließlich eingreifen müssen, um die Marktstabilität zu wahren. Sie habe den Ankauf langlaufender Anleihen zugesagt - nachdem sie eigentlich beabsichtigt habe, im Rahmen der quantitativen Straffung mit dem Verkauf von Staatspapieren zu beginnen. Dies habe zu einer Rekordrally bei langlaufenden Anleihen geführt: 30-jährige Gilts seien an einem einzigen Tag um 105 Basispunkte gefallen.

Dowding sehe wenig Anzeichen dafür, dass die Regierung um Premierministerin Liz Truss ihre geplanten Steuersenkungen zurücknehmen werde. Die Konzentration auf das Wachstum könnte jedoch schnell nach hinten losgehen, wenn die BoE die Zinsen so schnell anheben müsse wie von den Marktteilnehmern erwartet. Einfach ausgedrückt: 7 Prozent Hypothekenzinsen könnten zu einem Zusammenbruch des Immobilienmarktes und einem schnellen Ende der Amtszeit von Truss führen.

In vieler Hinsicht sei es unwahrscheinlich, dass die Steuerpläne die Inflation - oder das Wachstum - sehr stark ankurbeln würden. Sie könnten als vorübergehend angesehen werden, da die Labour-Partei plane, sie wieder rückgängig zu machen. Außerdem würden sie erst ab April 2023 in Kraft treten. Da sie zudem den Wohlhabendsten zugutekommen würden, dürfte es kaum einen fiskalischen Multiplikator geben.

Die Begrenzung der Energiepreise dagegen habe dazu beigetragen, die Inflation im Vergleich zu den Prognosen der Zentralbank zu senken. Obwohl ein schwaches Pfund den Inflationsdruck verstärken könnte, seien die bisherigen Kursschwankungen gegenüber dem Euro im historischen Vergleich recht gering gewesen. Daher bezweifle Dowding, dass die BoE zu einer außerordentlichen Zinserhöhung gezwungen sein werde - zumal ein solcher Schritt durchaus eine Vertrauenskrise gegenüber der Regierung auslösen könnte.

Dowding bleibe gegenüber britischen Staatsanleihen und dem Pfund zurückhaltend. Die Risikoprämien im Vereinigten Königreich seien gestiegen und Dowding vermute, dass der Inflationsanstieg viel länger anhalten werde als in anderen Ländern. Der Experte bleibe jedoch bei seiner positiven Einschätzung zur Entwicklung der kurzfristigen Zinsen.

Das Jahr 2008 habe gezeigt, wie schnell aus einer Finanzmarktkrise eine Wirtschaftskrise geworden sei. Gegenwärtig scheine sich im Vereinigten Königreich eine Energie- und Wirtschaftskrise in eine Finanzmarktkrise zu verwandeln. Es sei sicherlich lehrreich wie schnell sich die Lage in kurzer Zeit ändern könne und wie gefährlich es für eine Schuldnernation sein könne, mit dem Vertrauen der Märkte zu spielen. (30.09.2022/alc/a/a)