Großbritannien: Inflation wird auf 15 Prozent steigen


19.08.22 12:08
BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Die Staatsanleiherenditen stiegen in der vergangenen Woche weltweit an, so Mark Dowding, Chief Investment Officer von BlueBay Asset Management.

Im Fokus der Marktteilnehmer habe die anhaltend hohe Inflationsrate in Europa gestanden. Die Großhandelspreise für Gas seien in der Region inzwischen zehnmal so hoch wie im vergangenen Jahr.

Auch wenn die Regierungen versuchen würden, Verbraucher und Unternehmen vor den vollen Auswirkungen des Energieschocks zu schützen: Allmählich würden sich Zweitrundeneffekte bei den Preisen für Waren und Dienstleistungen zeigen. Unterdessen verschärfe die jüngste Dürre in Europa die Teuerung bei Lebensmitteln. Durch den Mangel an Düngemitteln bestehe das Risiko einer künftigen weiteren Verknappung der Lebensmittelversorgung.

Infolge dieser Auswirkungen dürfte die Inflation in der Eurozone erst Anfang 2023 ihren Höhepunkt erreichen. Im Vereinigten Königreich könnte der Verbraucherpreisindex sogar noch monatelang zweistellig bleiben und im ersten Quartal 2023 möglicherweise einen Höchststand von 15 Prozent erreichen.

Der Druck auf die Realeinkommen in ganz Europa verschärfe die Rezessionsrisiken. Die Europäische Zentralbank lasse indes verlauten, dass höhere Zinssätze derzeit kaum Auswirkungen auf die Preisentwicklung hätten. Das zeige, dass die Währungshüter weiterhin die Zinsen erhöhen müssten - selbst wenn das Wachstum weiter einbreche. Dieses stagflationäre Umfeld sei eine Herausforderung und es sei verständlich, dass die Regierungen die Auswirkungen abfedern möchten.

Eine Erhöhung der Ausgaben in Zeiten sinkender Staatseinnahmen drohe jedoch, die Haushaltsdefizite in der gesamten Region in den kommenden Quartalen in die Höhe zu treiben. Eine lockere Fiskalpolitik könnte bedeuten, dass die Zentralbanken zu gegebener Zeit mehr Spielraum für weitere Zinserhöhungen hätten. Es sei absehbar, dass die Renditen im Laufe des kommenden Jahres weiter steigen würden, sofern keine besseren Nachrichten mit Blick auf die Inflation zu erwarten seien.

Innerhalb Europas sehen wir das Stagflationsdilemma weiterhin am deutlichsten im Vereinigten Königreich, die Experten von BlueBay Asset Management. Daher seien die Experten von BlueBay Asset Management nach wie vor strukturell bearish gegenüber Gilts, britischen Risikoanlagen und dem Pfund.

In den USA seien die Entscheidungsträger derweil offenbar viel zuversichtlicher, dass die Inflation ihren Höhepunkt erreicht habe und sich auf einem Abwärtspfad befinde. Die nachlassenden Ölpreise, der starke US-Dollar und die Abkühlung auf dem Immobilienmarkt seien Faktoren, die in den kommenden Monaten zu einer Mäßigung der Preise beitragen könnten.

Im Gegensatz zur Fiskalpolitik in Europa, die die Inflation anheizen könne, sei das Haushaltsdefizit in den USA im vergangenen Jahr dank der robusten Wirtschaft deutlich gesunken. Nach zweistelligen Defiziten - in Prozent der Wirtschaftsleistung - in den Jahren 2020 und 2021 liege es im laufenden Quartal bei knapp 3 Prozent. Die US-Fiskal- und Geldpolitik seien in den vergangenen Jahren gut aufeinander abgestimmt gewesen: In der Pandemiezeit hätten sie die Wirtschaft angekurbelt und würden in jüngster Zeit daran arbeiten, den Nachfrageüberhang zu dämpfen.

Vor diesem Hintergrund sei es unwahrscheinlich, dass die Ausnahmestellung des US-Wachstums in absehbarer Zeit ein Ende finde. Grundsätzlich scheine die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten in einer viel solideren Lage zu sein als auf der anderen Seite des Atlantiks. (19.08.2022/alc/a/a)