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Großbanken: Nachrangige Anleihen mit Aussicht auf gute Renditen


10.02.16 09:00
GAM

Berlin (www.anleihencheck.de) - In den letzten Wochen haben die Deutsche Bank und Credit Suisse - zwei Großbanken mit einer grundsätzlich starken und diversifizierten Geschäftsbasis - große Verluste vermeldet, die zu einem Abverkauf ihrer Aktien und Anleihen führten, so Anthony Smouha, Fondsmanager bei GAM.

Beide Bankhäuser hätten in den frühen 2000er Jahren signifikante Mittel bei ihren Aktivitäten im Investmentbanking eingesetzt. Daraus resultierende Altlasten und Gerichtsverfahren würden sich in der gegenwärtigen Situation rächen. Bei beiden Banken stünden aber inzwischen neue, hartnäckige Manager an der Spitze, die eine konsequente Neuausrichtung der Unternehmensstrategien anstreben würden. Sie wollten ihre vielversprechenden Geschäftsfelder, die liquide Mittel generieren würden, stärker in Szene setzen und dadurch für Aktionäre wieder Wert schaffen. Diese Reformprozesse würden einige Zeit brauchen.

Zudem müssten die Rechtsstreitigkeiten zeitnah beigelegt werden. Die Credit Suisse habe letzte Woche eine Goodwill-Wertberichtigung vorgenommen, die auf die Übernahme der US-amerikanischen Investmentbank Donaldson, Lufkin & Jenrette aus dem Jahr 2000 zurückgehe. Aber Goodwill-Abschreibungen seien keine Maßnahmen, welche die Kapitalisierung beeinträchtigen würden. Umso mehr sollten sich Investoren die jüngst publizierten Konzernverluste genauer ansehen - vor allem hinsichtlich der Fähigkeit der Unternehmen, Cashflow zu generieren.

Denn genau diese Fähigkeit sollte - gerade mit Blick auf die begonnene und laufende Neuorganisation der Investmentbanken - auch hinsichtlich kurzfristiger Marktbewegungen keinesfalls außer Acht gelassen werden. Die Renditeaufschläge bei Anleihen seien zuletzt deutlich gestiegen, die Aktienmärkte hätten schlecht abgeschnitten. Sofern aber keine große globale Rezession anstehe, würden die Einkünfte zunächst dem Zyklus entsprechend schwach bleiben - allerdings wieder ansteigen, wenn die Märkte sich erholen würden. Diese Anpassung werde noch dauern, aber derzeit sei kein gravierender systemischer Schock in Sicht. Auch wenn die Ausfallquoten, vor allem im Energiesektor, künftig steigen würden, sollte dieses Thema nicht unnötig aufgebauscht werden. Ungesicherte Darlehen, die an Exxon, Shell und BP vergeben worden seien, würden nicht in Zahlungsrückstand geraten und Engagements bei der kurzfristigen Finanzierung am Energiemarkt würden weiterhin profitabel bleiben.

Verluste könnten für Banken aus idiosynkratischen Darlehen und Krediten an bonitätsschwache Kreditnehmer, die in besseren Marktzeiten noch Geld eingebracht hätten, entstehen. Dennoch seien die Experten der Meinung, dass die Großbanken diese potenziellen Verluste bewerkstelligen könnten und nicht von ihrem Weg der Kapitalstärkung abkommen würden. In manchen Fällen müssten Banken bei der Kapitalerhöhung möglicherweise auf ihre Aktionäre bezüglich Bezugsrechtsemissionen zugehen - wie sie es in den vergangenen Jahren bereits getan hätten. Unter dem Gesichtspunkt der Kapitalerhöhung verschiedener Banken seien daher nachrangige Anleihen, sogenannte 'Subordinated Debt' und besonders 'Senior Subordinated Debt', die bevorzugt bedient würden, sehr attraktiv.

Die Experten würden deshalb weiterhin auf Banken setzen, deren Unternehmensbereiche und Geschäftsmodelle von sehr hoher Qualität seien - denn die Experten würden glauben, dass diese Banken in der Lage seien, sich neu aufzustellen und letztendlich den Wert ihrer Aktien wieder zu heben. Die Experten würden auch in Zukunft keine Anleihen von Banken erwerben, die in unsicheren Bereichen agieren würden oder die fragwürdige Geschäftsmodelle hätten. Die Experten würden hingegen ältere Legacy-Anleihen bevorzugen, die schon länger in den Büchern der Banken stünden. Denn Banken würden ihre Bilanzen so umzugestalten versuchen, dass Positionen, die den regulatorischen Kapitalvorteil verlieren würden, ausgetauscht würden.

So sei zum Beispiel kürzlich die Deutsche Bank verfahren: Sie habe im laufenden Monat einige alte Floating-Rate-Notes zurückgezahlt und zwar zu 100 Prozent, obwohl diese am Tage zuvor noch zu 60 Prozent gehandelt worden seien. Ein wenig vorsichtiger seien die Experten bei den neuen Contingent Capital Securities, den sogenannten CoCo-Bonds - hier würden die Experten nur die besten auswählen und ihr Engagement begrenzen. Dabei sei eine gute Analyse erforderlich und Dogmatismus sollte absolut vermieden werden. Für bestimmte Anleihen seien die Renditen derzeit sehr großzügig und der aktuelle Preisrückschlag könne ein attraktiver Einstiegspunkt sein. (Ausgabe vom 09.02.2016) (10.02.2016/alc/a/a)