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Globaler Rentenausblick: Steigende Zinsen schwächen die Märkte


26.02.13 11:03
MFS Investment Management

Boston (www.anleihencheck.de) - Die Zinsen werden allmählich steigen. Das glauben die Experten von MFS Investment Management aufgrund des moderaten Wachstums, der geringeren Extremrisiken, der besseren Marktstimmung und der höheren Risikobereitschaft.

Der Anstieg dürfte jedoch nur moderat ausfallen. Die Gründe dafür: Eine latente Angst vor neuen schlechten Nachrichten, die sehr expansive Geldpolitik und die alles andere als stabilen gesamtwirtschaftlichen Fundamentaldaten. Folglich sei damit zu rechnen, dass sich die Renditen in den kommenden Monaten in einem engen Korridor bewegen würden.

Bei steigenden Zinsen und langsam zunehmenden Renditen für US-Staatsanleihen seien Mindererträge amerikanischer inflationsindexierter Anleihen (Treasury inflation-protected security: TIPS) gegenüber nominalverzinslichen Staatsanleihen denkbar. Denn TIPS hätten eine längere Duration. Mindererträge seien umso wahrscheinlicher, wenn die zurzeit vergleichsweise hohen Inflationserwartungen stabil bleiben oder zurückgehen würden. Mit ihren negativen Realrenditen würden TIPS gegenüber Spread-Produkten alles andere als attraktiv erscheinen. Langfristig könnten sich die Renditen für US-Staatsanleihen aber normalisieren. Dies würde dann bei Nominalzinsanleihen und TIPS gleichermaßen zu Verlusten führen.

Investmentgrade-Unternehmensanleihen würden die Experten weiter für recht attraktiv bewertet halten. Auch insgesamt seien Anleihen kaum noch unterbewertet. Trotzdem hätten sich die Experten entschlossen, die Übergewichtung von Investmentgrade-Titeln beizubehalten, da die Aussichten für die risikoadjustierten Erträge im Vergleich zu anderen Marktsegmenten gut seien.

Das attraktivste Risiko-Ertrags-Profil würden die Experten bei Titeln mit eher niedrigen Investmentgrade-Ratings sehen. Auch ausgewählte Crossover-Anleihen sowie Finanzanleihen mit A-Rating würden interessant erscheinen.

Noch immer seien High-Yield-Anleihen so hoch bewertet wie selten zuvor. Die Yield-to-Worst sei auf ein neues Allzeittief gefallen. Der Durchschnittskurs habe ein neues Allzeithoch erreicht. Nach den Schätzungen der Experten notiere mindestens die Hälfte des Marktes über dem nächsten möglichen Rückzahlungskurs. Das habe eine ausgeprägte negative Konvexität zur Folge. Die Chance auf weitere Kursgewinne sei daher begrenzt. Die Risiken würden die Chancen überwiegen.

Am Markt für Agency MBS (Mortgage Backed Securities) würden weiterhin technische Faktoren eine wichtige Rolle spielen. Das Netto-Emissionsvolumen dürfte 2013 nahe Null liegen, und im Rahmen von QE3 könnte die FED für über 400 Mrd. Euro Papiere kaufen. Daher sei der Sektor nach Ansicht der Experten zurzeit fundamental überbewertet. Zwar gebe es noch immer einige günstig bewertete Titel, doch würden die Experten insgesamt bei einer neutralen Positionierung bleiben. Sie würden eine Übergewichtung aufgrund der hohen Bewertungen scheuen, aber wegen des guten technischen Umfeldes auch eine Untergewichtung nicht für angebracht halten.

Aufgrund der guten Fundamentaldaten und der ebenso guten Markttechnik würden die Experten für Emerging Markets-Anleihen optimistisch bleiben. Zwar seien sie zurückhaltend, hätten die Portfoliorisiken aufgrund des wieder besseren Weltwirtschaftsausblicks aber dennoch leicht erhöht. Allerdings würden sie bei Dollar-denominierten Emerging Market Anleihen in diesem Jahr mit Kursverlusten rechnen. Die wichtigste Ertragskomponente werde 2013 also die laufende Rendite sein. In diesem Jahr könnten Lokalwährungsanleihen vor Fremdwährungsanleihen liegen - sowohl aufgrund ihrer höheren Renditen als auch wegen möglicher Währungsgewinne.

Nach zwei Jahren mit einer sehr guten Wertentwicklung ist unser Ausblick für diese Assetklasse jetzt verhaltener, so die Experten von MFS Investment Management. Die Spreads seien drastisch zurückgegangen, und die Bewertungskennziffern hätten sich in ähnlicher Weise verschlechtert. Im letzten Jahr seien die Kurse deutlich gestiegen, so dass Stadtanleihen jetzt fair bewertet erscheinen würden. Das Potenzial für einen weiteren Spread-Rückgang und für Kursgewinne sei daher eher begrenzt. Für Erträge dürften 2013 vor allem die Coupons sorgen. Mit Stadtanleihen würden Anleger in diesem Jahr wahrscheinlich weniger verdienen als im letzten, aber immer noch mehr, als mit amerikanischen Staatsanleihen. (26.02.2013/alc/a/a)