Globaler Rentenausblick: Geringes Wachstum, schwache Inflation, niedrige Renditen


21.11.12 12:08
MFS Investment Management

Boston (www.anleihencheck.de) - In den kommenden Monaten dürften die amerikanischen Staatsanleiherenditen stabil bleiben oder leicht zurückgehen, so die Experten von MFS Investment Management.

Dafür würden das anhaltend schwache Wachstum, die niedrige Inflation, die anhaltende politische Unsicherheit und die äußerst expansive Geldpolitik der FED sorgen. Auf längere Sicht würden die Kurse von US-Staatsanleihen aber vermutlich nachgeben, da sich die Geldpolitik irgendwann normalisieren werde. Die Renditen würden dann steigen.

TIPS hätten sich in letzter Zeit besser entwickelt als Nominalzinsanleihen, da die Breakeven-Inflationsraten gestiegen seien. Der kurzfristige Ausblick für TIPS (im Vergleich zu Nominalzinsanleihen) hänge davon ab, ob QE3 die Konjunktur so weit stärke, dass die höheren Inflationserwartungen gerechtfertigt seien. Längerfristig dürften sowohl die Realrenditen als auch die Inflationserwartungen steigen. TIPS könnten dann interessant sein, weil man mit ihnen in diesem Fall weniger Geld verliere als mit Nominalzinsanleihen.

Die Experten würden Agency-MBS weiter neutral einschätzen. Da die FED diese Papiere kaufe, könnten die Spreads aus technischen Gründen etwas zurückgehen. Insgesamt würden MBS gemessen an ihren Fundamentaldaten aber noch immer überbewertet erscheinen, auch wenn es nach wie vor einzelne Chancen gebe. Die Bewertungen seien aber nicht alles: MBS seien noch immer liquider und hätten eine höhere Kreditqualität als andere Spreadprodukte. Folglich könnten sie stabiler sein, wenn die Risikobereitschaft der Marktteilnehmer wieder abnehme.

Das gute technische Umfeld aufgrund der negativen Realrenditen von Staatsanleihen habe dazu geführt, dass die meisten Unternehmensanleihen gemessen an ihren Fundamentaldaten mittlerweile fair oder fast fair bewertet seien - auch Titel mit Investmentgrade-Ratings. Die Markttechnik könnte sogar zu einem noch weiteren Spreadrückgang führen, sofern die FED ihre expansive Geldpolitik beibehalte und die Investoren auch weiter nicht mit einem haushaltspolitischen Durchbruch rechnen würden.

In Zeiten, da die Anleihenmärkte insgesamt keineswegs billig seien, würden die Experten es für angebracht halten, auf die Sektoren mit den attraktivsten relativen Bewertungen zu setzen. Ihrer Ansicht nach seien Investmentgrade-Anleihen weiter günstig bewertet, insbesondere Papiere mit eher niedrigen Ratings. Auch Crossover-Anleihen würden weiter Chancen bieten. Hier hätten sich die Experten auf Unternehmen konzentriert, deren Fundamentaldaten aus ihrer Sicht ein Investmentgrade-Rating rechtfertigen würden.

Bei hochverzinslichen Unternehmensanleihen seien die Experten noch immer recht vorsichtig, weil sie sie nicht für attraktiv bewertet halten würden. Seit Mitte September seien die Kurse gefallen, würden aber noch immer so dicht an den Rückzahlungskursen liegen, dass die Konvexität negativ bleibe und das Kurspotenzial einschränke. Seit den Allzeittiefs Mitte September seien die Yields-to-Worst leicht gestiegen. Nach wie vor würden sie aber nur einen schwachen Ausgleich für die derzeitigen Kredit-, Volatilitäts- und Liquiditätsrisiken bieten. Die Unternehmensgewinne im dritten Quartal würden nahe legen, dass sich die Fundamentaldaten dieser Assetklasse verschlechtern würden, doch sei das technische Marktumfeld nach wie vor sehr gut.

Aufgrund der guten Performance seien die Bewertungen jetzt weniger attraktiv. Dennoch würden die Experten Emerging Markets-Anleihen gemessen an anderen Rentenmarktsegmenten noch immer für interessant halten, zumal sie weiter mit recht niedrigen Zinsen und allmählich abnehmenden Extremrisiken rechnen würden. Insgesamt dürfte die Weltwirtschaft Fortschritte gemacht haben, so dass die Experten die Portfoliorisiken in den letzten Monaten leicht erhöht hätten. Ihnen sei aber bewusst, wie schnell die Risikobereitschaft der Anleger wieder abnehmen könne. Daher würden die Experten bei ihren risikoreicheren Anlagen großen Wert auf Liquidität und nicht zu große Positionsgrößen legen.

Die Aussichten für den Stadtanleihenmarkt schätzen die Experten von MFS Investment Management neutral bis positiv ein. Es gebe Extremrisiken sowohl auf kurze Sicht (durch ein mögliches Ende der bevorzugten steuerlichen Behandlung) aber auch langfristig (durch ungedeckte Pensionsverpflichtungen). Das technische Umfeld sei hingegen noch immer sehr günstig. Die Experten würden Municipals im Vergleich zu steuerbaren Anleihen weiter für sehr günstig bewertet halten und Revenue Bonds (von Versorgern) gegenüber Anleihen zur Deckung allgemeiner Ausgaben bevorzugen. (21.11.2012/alc/a/a)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

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