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Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit - Anleger nehmen dafür garantierte Verluste in Kauf


20.06.16 08:40
BNP Paribas

Paris (www.anleihencheck.de) - Der 14. Juni 2016 ist ein historischer Tag, so die Analysten der BNP Paribas in ihrer aktuellen Ausgabe von "Märkte & Zertifikate weekly".

Um Punkt 9:24 Uhr sei die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen erstmals in den negativen Bereich gefallen. Börsengeschichte auf der einen, der nächste Nackenschlag für Sparer auf der anderen Seite. Durch die turbulenten Tage an den Aktienmärkten und einen Verlust von rund 800 DAX-Punkten in wenigen Handelstagen beginne eine neue Fluchtbewegung in vermeintlich sichere Häfen. Die zehnjährige Bundesanleihe gehöre dazu: Die Wirtschaft zeige sich robust und so gelte Deutschland als solventer Schuldner. Doch nicht nur deshalb sei die Rendite in den negativen Bereich gerutscht - die EZB kaufe im Rahmen ihres massiven Kaufprogramms Bundesanleihen und habe so auch ihren Teil zu dieser Entwicklung beigetragen.

Global gesehen gebe es neben Deutschland noch zwei weitere Länder, deren Anleihen negative Renditen abwerfen würden. In der Schweiz sei es bereits im April 2015 so weit gewesen. Heute sei die Rendite mit etwa 0,5 Prozent noch weiter im Minus. Auch die Schweiz gelte als sicheres und solventes Land, doch greife hier noch ein weiterer Effekt. Anleger würden gleichzeitig aus dem Euro herauskommen und sich somit quasi doppelt gegen Turbulenzen in Europa absichern.

In Japan würden seit März dieses Jahres die Renditen für alle Anleihe-Laufzeiten im negativen Bereich notieren - und das obwohl Japan als Schulden-Weltmeister nun wirklich alles andere als ein sicherer Schuldner sei. Doch die Bank of Japan habe mit ihrer ultralockeren Zinspolitik und dem Absenken des Einlagezinses der Banken ins negative Terrain dafür gesorgt, dass Investoren auch in Japan draufzahlen würden, wenn sie dem Staat Geld leihen würden. Auch in Japan werde das Minus bei der Rendite stetig größer - mittlerweile betrage es etwa -0,2 Prozent.

Die Entwicklungen in Japan und der Schweiz würden zeigen: Auch wenn Kursverluste mit Staatsanleihen garantiert seien, würden sie für Investoren nicht automatisch unattraktiv und ein Rutsch in den negativen Bereich sei nicht automatisch der Zeitpunkt für einen Turnaround bei den Renditen. Profiteur davon sei natürlich der Staat, der nun sogar Geld bekomme, wenn er Schulden mache. An dieser Stelle sollten Anleger einen Schritt weiter denken: Sollte der Bund dieses kostenlos geliehene Geld schlau einsetzen - zum Beispiel für Infrastrukturprojekte -, dann würden am Ende auch die Unternehmen profitieren, was sich wiederum attraktiv auf deren Börsenkurse auswirken könnte. Auch wenn es dafür keine Sicherheit gebe, sei bei Bundesanleihen doch eines sicher: Investoren würden Geld verlieren. (Ausgabe vom 17.06.2016) (20.06.2016/alc/a/a)