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Geldpolitik zurück im Fokus der Finanzmärkte
12.08.14 13:00
Bank J. Safra Sarasin AG
Basel (www.anleihencheck.de) - Eine Zeitenwende steht an: Sechs Jahre lang hat die Geldpolitik das Geschehen an den Finanzmärkten dominiert wie noch nie und die Weltwirtschaft nach der Lehmann-Pleite vor einem Totalkollaps bewahrt: Zunächst mit Leitzinssenkungen und als diese bei null angekommen waren mit dem Ankauf von privaten und staatlichen Schuldtiteln, so die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG.
In den nächsten sechs Jahren falle dieser Rückenwind der Geldpolitik weg. In den USA und UK laufe der Ankauf von Staatsanleihen langsam aus und die Zentralbanken würden die Finanzmärkte auf Zinserhöhungen im nächsten Jahr vorbereiten. In Euroland und Japan bestünden Forderungen nach weiterer geldpolitischer Stimulierung fort. Die Bereitschaft beider Zentralbanken entsprechende Programme aufzulegen sei allerdings nicht sehr hoch. Entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung werde vielmehr die allgemeine Wirtschaftspolitik sein, vor allem die Strukturpolitik. Zudem werde es darum gehen, geopolitische Gefahren zu meistern und regionalpolitische Fallstricke zu umgehen. Die Unabhängigkeitsbestrebungen einzelner Regionen in Europa würden dazu gehören.
Politische Börsen hätten kurze Beine, heiße das Sprichwort. Das möge stimmen. Mittelfristig würden aber politische Entscheidungen die wichtigen Weichen für die wirtschaftlichen Entwicklungen stellen und strukturelle Probleme in der Volkswirtschaft lösen oder verstärken. Daher habe EZB-Präsident Draghi darauf verwiesen, dass eine noch expansivere Geldpolitik nicht helfen würde, wenn Unternehmen aufgrund einer zu komplizierten Regulierung oder langsamen Administration nicht investiert hätten. Entsprechend würden in der Europäischen Währungsunion derzeit die Länder am stärksten wachsen, die in den letzten Jahren eine höhere Reformbereitschaft aufgewiesen hätten.
Das Potenzialwachstum zu erhöhen, sei allerdings nicht ganz so einfach, da Interessengruppen meist gute Gründe für wachstumsfeindliche Regulierungen fänden. Dazu komme, dass Veränderungen von der Bevölkerung häufig per se als unerwünscht wahrgenommen würden. Das derzeit diskutierte Handelsabkommen zwischen den USA und Europa wäre ein Beispiel, wie der Handel intensiviert und das Produktivitätswachstum und damit die Einkommensentwicklung in beiden Kontinenten gestärkt werden könnten. Quantifizieren lassen würden sich diese Gewinne nur schlecht, während Nachteile und Veränderungen sehr plastisch dargestellt werden könnten. Die Opposition gegenüber diesem Abkommen sei entsprechend gross.
Ähnliches gelte für viele andere Bereiche wie beispielsweise eine stärkere Liberalisierung des Dienstleistungssektors oder der Arbeitsmärkte in einigen Ländern der EU. In und nach der Finanzkrise habe die extrem expansive Geldpolitik den zeitlichen Spielraum geschaffen, einen zyklischen Nachfrageausfall abzumildern, Geschäftsmodelle zu überarbeiten und sich für zukünftige Herausforderungen vorzubereiten. Die nächsten Jahre würden zeigen, welche Länder und Sektoren diesen Spielraum gut und welche ihn nicht genutzt hätten. (12.08.2014/alc/a/a)
In den nächsten sechs Jahren falle dieser Rückenwind der Geldpolitik weg. In den USA und UK laufe der Ankauf von Staatsanleihen langsam aus und die Zentralbanken würden die Finanzmärkte auf Zinserhöhungen im nächsten Jahr vorbereiten. In Euroland und Japan bestünden Forderungen nach weiterer geldpolitischer Stimulierung fort. Die Bereitschaft beider Zentralbanken entsprechende Programme aufzulegen sei allerdings nicht sehr hoch. Entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung werde vielmehr die allgemeine Wirtschaftspolitik sein, vor allem die Strukturpolitik. Zudem werde es darum gehen, geopolitische Gefahren zu meistern und regionalpolitische Fallstricke zu umgehen. Die Unabhängigkeitsbestrebungen einzelner Regionen in Europa würden dazu gehören.
Das Potenzialwachstum zu erhöhen, sei allerdings nicht ganz so einfach, da Interessengruppen meist gute Gründe für wachstumsfeindliche Regulierungen fänden. Dazu komme, dass Veränderungen von der Bevölkerung häufig per se als unerwünscht wahrgenommen würden. Das derzeit diskutierte Handelsabkommen zwischen den USA und Europa wäre ein Beispiel, wie der Handel intensiviert und das Produktivitätswachstum und damit die Einkommensentwicklung in beiden Kontinenten gestärkt werden könnten. Quantifizieren lassen würden sich diese Gewinne nur schlecht, während Nachteile und Veränderungen sehr plastisch dargestellt werden könnten. Die Opposition gegenüber diesem Abkommen sei entsprechend gross.
Ähnliches gelte für viele andere Bereiche wie beispielsweise eine stärkere Liberalisierung des Dienstleistungssektors oder der Arbeitsmärkte in einigen Ländern der EU. In und nach der Finanzkrise habe die extrem expansive Geldpolitik den zeitlichen Spielraum geschaffen, einen zyklischen Nachfrageausfall abzumildern, Geschäftsmodelle zu überarbeiten und sich für zukünftige Herausforderungen vorzubereiten. Die nächsten Jahre würden zeigen, welche Länder und Sektoren diesen Spielraum gut und welche ihn nicht genutzt hätten. (12.08.2014/alc/a/a)


