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Geldpolitik wirkt mit größerer Verzögerung als üblich


30.06.23 11:17
RBC BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - In der vergangenen Woche stand das geldpolitische Forum der Europäischen Zentralbank (EZB) im portugiesischen Sintra im Mittelpunkt des Interesses der Marktteilnehmer, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay, RBC BlueBay Asset Management.

Neben EZB-Chefin Christine Lagarde hätten auch US-Notenbankchef Jerome Powell, Andrew Bailey von der Bank of England (BoE) und Japans Zentralbank-Gouverneur Kazuo Ueda gesprochen.

In vielerlei Hinsicht seien die Zentralbanker ihren jüngsten Verlautbarungen gefolgt. In diesem Sinne habe es nicht viel Neues zu berichten gegeben.

Klar sei: Die FED und die EZB wollten weiterhin Erwartungen frühzeitiger Zinssenkungen vermeiden - auch wenn sie sich nahe am Höhepunkt des Zinserhöhungszyklus befinden würden. Die Bank of England (BoE) habe trotz ihrer Zinserhöhung um 50 Basispunkte in der vergangenen Woche erneut das Ziel geäußert, eher zurückhaltend zu agieren und die Geldpolitik nicht zu sehr zu straffen.

Tatsache sei, dass die früheren geldpolitischen Maßnahmen noch nicht voll zum Tragen gekommen seien. RBC BlueBay Asset Management denke aber nicht, dass sie nicht ankämen. Vielmehr sei RBC BlueBay Asset Management der Meinung, dass die Verzögerungen möglicherweise größer seien als in früheren Zinserhöhungszyklen.

Die Verschuldung von Verbrauchern und Unternehmen sei zu dem Zeitpunkt gewesen, als die Zinserhöhungen begonnen hätten, nicht übermäßig hoch. Das sei nach Meinung von RBC BlueBay Asset Management ein Faktor, der dies erkläre. Je höher die Verschuldung im System, desto schneller sei zu erwarten, dass geldpolitische Veränderungen wirken würden.

Außerdem sei RBC BlueBay Asset Management der Meinung, dass die geldpolitische Straffung nicht linear wirke. Je weiter die Zinssätze über ihr natürliches Niveau hinaus steigen würden, desto stärker könnten zusätzliche Erhöhungen das Wachstum bremsen.

Schließlich hätten zahlreiche Kreditnehmer ihre Darlehen zu extrem niedrigen Zinssätzen fixiert. Das bewahre viele von ihnen vorübergehend vor den Auswirkungen der Zinserhöhungen. Es könnte sich dabei jedoch eher um einen aufgeschobenen als einen vermiedenen Schmerz handeln - schließlich würden auch diese Kredite auslaufen.

Insgesamt würde RBC BlueBay Asset Management behaupten, dass die Geldpolitik die Wirtschaftstätigkeit bremsen werde. RBC BlueBay Asset Management sehe aber, dass dies mit Verzögerung geschehe. Das bedeute, dass die Auswirkungen früherer geldpolitischer Maßnahmen die finanziellen Bedingungen weiter verschärfen würden, selbst wenn keine weiteren Schritte folgen würden.

Vor diesem Hintergrund gehe RBC BlueBay Asset Management weiterhin davon aus, dass das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte zum Stillstand kommen werde. Auch die Aussichten für 2024 seien eher schlecht. Die Zinssätze seien in diesem Zyklus erheblich gestiegen und es könnte noch eine weitere Straffung bevorstehen. In Anbetracht dessen bleibe eine leichte Rezession als Basisszenario wahrscheinlich. Daher sei es verständlich, dass die Märkte für 2024 niedrigere Zinssätze einpreisen wollten, sofern die Inflation zu diesem Zeitpunkt wieder unter Kontrolle sei.

Die nächste Woche werde wahrscheinlich ruhig beginnen, da der US-Unabhängigkeitstag am 4. Juli in die Wochenmitte falle. Das Hauptaugenmerk werde sich auf den am Freitag anstehenden Arbeitsmarktbericht für Juni richten. Die Lohn- und Gehaltsentwicklung sowie der Verbraucherpreisindex würden wohl die Zinsentscheidung der FED im Juli überproportional stark beeinflussen. (30.06.2023/alc/a/a)