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Geldpolitik allein wird Märkte nicht mehr beflügeln


25.04.16 10:59
BNP Paribas

Paris (www.anleihencheck.de) - Es gab schon Sitzungen der Europäischen Zentralbank, die mit weitaus mehr Spannung erwartet wurden, so die Analysten der BNP Paribas in ihrer aktuellen Ausgabe von "Märkte & Zertifikate weekly".

Schließlich sei schon im Vorhinein klar gewesen, dass die Notenbanker auf der Sitzung vom Donnerstag nicht erneut aktiv würden, nachdem sie erst im März eine ganze Reihe weiterer geldpolitischer Maßnahmen beschlossen hätten, die darüber hinaus noch nicht einmal alle umgesetzt seien. Folgerichtig hätten daher die Märkte auch kaum auf das Stillhalten der EZB reagiert. Dies bedeute aber nicht, dass EZB-Chef Mario Draghi mit seinem Latein am Ende sei, im Gegenteil.

Es sei sehr wahrscheinlich, dass im Laufe des Jahres die ohnehin schon extrem expansive Geldpolitik nochmals gelockert werde. Zumal mit den bisherigen Maßnahmen weder das Wachstum noch die Inflation in der Eurozone nachhaltig hätten angekurbelt werden können. Es sei jedoch auch naiv zu glauben, dass die obersten Währungshüter im Alleingang die Teuerung und das Wirtschaftswachstum beflügeln könnten, zumal in Zeiten ultralockerer Geldpolitik einige Staaten der Verlockung erliegen würden, wichtige und wachstumsfördernde Strukturreformen auf die lange Bank zu schieben.

Auch wenn die EZB weitere geldpolitische Maßnahmen ankündigen beziehungsweise umsetzen werde, sollten sich Anleger von dem Gedanken verabschieden, dass eine lockere Geldpolitik allein der Börse auf Dauer Impulse verleihe. Stattdessen dürften künftig wieder vermehrt fundamentale Daten die Richtung vorgeben - allen voran die Entwicklung der Unternehmensgewinne. Der gerade angelaufenen Bilanzsaison in Deutschland werde daher wohl mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, als dies bei den vorherigen Quartalszahlen der Fall gewesen sei.

Und: Die Chance, dass die Unternehmenszahlen zwischen Konstanz und Kiel unterm Strich besser ausfallen würden als in den USA - dort würden Analysten einen kräftigen Gewinnrückgang erwarten - bestehe durchaus. Dies würden zumindest einige der jüngst veröffentlichten Konjunkturindikatoren wie etwa der überraschend stark ausgefallene ZEW-Index signalisieren. (Ausgabe vom 22.04.2016) (25.04.2016/alc/a/a)