Geldpolitik: Übertreffen Europas Leitzinsen bis Ende des Jahres sogar die US-Zinsen?


11.04.23 09:15
Columbia Threadneedle

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - "Das makroökonomische Umfeld in Europa und Großbritannien hat sich in den vergangenen Wochen zunehmend verbessert und es könnte tatsächlich passieren, dass die Inflation Ende dieses Jahres in beiden Regionen unter 3 Prozent fällt", verkündet Steven Bell, Chefökonom von Columbia Threadneedle Investments.

Laut dem Chefökonom liege das am wachsenden Vertrauen der Verbraucher: Die Angst vor horrenden Energiepreisen schwinde - und das Vertrauen nehme zu. "Das dürfte zu höheren Ausgaben führen", schlussfolgere Bell. In seinem dieswöchigen Marktkommentar erörtere er, was für diese positiven Entwicklungen spreche - und was er für die Leitzinsen und Währungen erwarte.

"Bislang sprechen alle Anzeichen für dieses Szenario", betone Bell: Die Wirtschaftsdaten seien sowohl im Vereinigten Königreich als auch im Euroraum viel besser ausgefallen als erwartet. Auch in Bezug auf die Banken habe sich die Sorge als unnötig erwiesen: "Wie wir vorhergesagt haben, gab es weder in Großbritannien noch in Europa einen Ansturm auf die Banken - trotz der Besorgnis über die Kreditkrise in den USA und die Übernahme der Credit Suisse durch die UBS", so der Chefvolkswirt. Und auch die Sorgen um die Deutsche Bank hätten sich gelegt. Gleichzeitig sei die Inflation im Euroraum bereits deutlich zurückgegangen. Die jüngsten Zahlen hätten bei 6,9 Prozent gelegen - im Oktober letzten Jahres seien sie noch bei 10,7 Prozent gewesen. Im Vereinigten Königreich liege die Inflation zwar nach wie vor bei über 10 Prozent. "Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die Maßnahmen der Bank of England ihre Wirkung zeigen", beruhige Bell.

Natürlich sei es übertrieben, von einem Boom zu reden. Aber die weit verbreitete Angst vor einer Rezession, wie sie sich im vergangenen Herbst angezeichnet habe, habe sich als unbegründet erwiesen. "Im Jahr 2023 sollten wir in Europa und im Vereinigten Königreich ein langsames, stetiges Wachstum erleben", so Bell. Weitere Impulse für eine allmähliche Erholung erwarte er vor allem von den Verbraucherausgaben in Deutschland. Hier habe sich das Verbrauchervertrauen erholt, die Realeinkommen würden steigen, während die Energierechnungen sinken würden. Gleichzeitig hätten die Menschen in der Phase großzügiger steuerlicher Unterstützung während der Covid-Pandemie reichlich Geld angespart, das sie nun ausgeben könnten.

Dies habe wichtige Auswirkungen auf die Geldpolitik. Die Europäische Zentralbank freue sich, dass die Gesamtinflation zurückgegangen sei, während die Kerninflation bestehen bleibe und sich die Lohninflation sogar beschleunige. "Die Wachstumsaussichten verbessern sich, und wir rechnen damit, dass die EZB ihre Zinsen weiter anheben wird", so Bell. Doch es könnte laut dem Chefökonom noch zu einer dramatischeren Änderung kommen: "Wenn die USA, wie wir erwarten, später in diesem Jahr in eine Rezession schlittern, könnten die US-Zinsen bis zum Jahresende unter die Leitzinsen der EZB fallen - das wäre eine wirklich dramatische Veränderung."

Das alles deute laut Bell darauf hin, dass der Euro und das Pfund Sterling gegenüber dem US-Dollar aufwerten könnten. "Die Belastung der Wirtschaft durch die Hypothekenzinsen wird den Anstieg des Pfund jedoch begrenzen. Das bedeutet, dass die Bank of England die Zinsen möglicherweise nicht weiter anheben wird", gebe der Chefökonom zu bedenken. Für Anleger bedeute das: Mit einer besseren Konjunktur könnten sich auch europäische Aktien besser entwickeln als ihre US-Pendants. (11.04.2023/alc/a/a)





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