Erweiterte Funktionen

Geldmarkt: Weltweiter Schuldenberg erreicht 100 Billionen USD


23.04.14 10:37
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hat jetzt die Größenordnung der globalen Verschuldung geschätzt, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Danach sei die kreditmarktfinanzierte Verschuldung (gemessen am Schuldtitelumlauf) seit Mitte 2007 um USD 30 Billionen auf jetzt USD 100 Billionen gestiegen. Die Entwicklung sei in den wichtigsten Marktsegmenten unterschiedlich verlaufen. Wegen der erheblichen Ausweitung der Staatsausgaben sei es nicht überraschend, dass der öffentliche Sektor (Zentralstaat, regionale und lokale Gebietskörperschaften) der größte Emittent von Schuldtiteln gewesen sei. Die Emissionen der Nichtfinanzunternehmen hätten sich in ähnlichem Tempo ausgeweitet.

Gebietsfremde Investoren würden rund USD 27 Billionen oder 25% als Anlagen von Währungsreserven oder Portfolioinvestitionen halten. 75% würden auf nationale Anleger entfallen. Neue US-Emissionen seien zunehmend von ausländischen Anlegern erworben worden.

Astronomische Größenordnungen! Der Planet Uranus sei von der Sonne 2,974 Milliarden Kilometer entfernt. Die Schulden der US-Regierung in 1 USD-Scheinen (Länge 15,5956 cm) aneinander gelegt, würden diesen Planeten Ende 2014 bei USD 19 Billionen Schulden (letzter Stand: USD 18,6 Billionen) von der Sonne aus erreichen. Die Raumsonde "Voyager 1" habe jetzt nach fast 36 Jahren Flugzeit Regionen erreicht, in denen der Einfluss der Sonne nachlasse. Bis hierhin reiche inzwischen der weltweite Schuldenberg. Zurzeit sei "Voyager 1" rund 18,5 Milliarden Kilometer weit von der Sonne entfernt. Ein Schuldenberg von USD 100 Billionen reiche von der Sonne aus bis an den Rand des Sonnensystems.

Neben den kreditmarktfinanzierten Schulden gebe es auch noch andere, wie z.B. nicht verbriefte Schulden, Garantieleistungen, Bürgschaften, Zahlungsverpflichtungen für künftige Pensionen u.a. Deren globale Höhe sei nicht bekannt. In den USA seien diese etwa ebenso hoch wie die kreditmarktfinanzierten Schulden aller Sektoren von USD 58,991 Billionen. Unterstelle man, dass dies in der Größenordnung weltweit so sei, dann reiche der gesamte weltweite Schuldenberg bis weit in die Milchstraße hinein.

Die Finanzmärkte würden die Verschuldungsprobleme gegenwärtig nicht sonderlich ernst nehmen. Das werde erst dann geschehen, wenn die Zentralbanken zu einer "normalen Geldpolitik" zurückkehren würden. Dann würden nicht nur die Zinsen auf USD 100 Billionen steigen. Auch für die Refinanzierung der Tilgungen würden erheblich höhere Zinssätze anfallen. Die erste Zentralbank, die einen Schritt in diese Richtung beschließen werde, könnte die Bank of England zum Jahreswechsel 2014/2015 sein. (Ausgabe vom 22.04.2014) (23.04.2014/alc/a/a)