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Geldmärkte drücken die Rentenrenditen


25.03.13 09:58
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Zinsen und Renditen an den internationalen Geld- und Rentenmärkten haben sich in den letzten Jahren so sehr aneinander angenähert, dass man von einem einheitlichen Markt reden kann, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Das gelte für alle Währungen, die im System der Weltwährungsreserven enthalten seien. Andere Währungen würden für einen institutionellen Investor nicht infrage kommen, da sie nicht frei konvertierbar seien.

In dieser Anpassung der Zinsen und Renditen komme die aufeinander abgestimmte Geldpolitik der wichtigsten Zentralbanken zum Ausdruck. Die Wirtschaft- und Finanzkrise habe weltweite Dimensionen, so dass der Notenbanken zum gemeinsamen Handeln gezwungen seien.

Die Geldpolitik der Notenbanken sei inzwischen an ihre Grenzen gestoßen. Auch Leitzinsen von nahe 0% vermögen der Konjunktur keine Impulse mehr zu geben, so die Analysten von "fairesearch". Negative Leitzinsen seien zwar theoretisch vorstellbar, hätten in der Praxis aber so hohe Nachteile, dass sie als Mittel der Geldpolitik ausscheiden würden. Die Notenbanken würden ihre Nullzinspolitik so lange durchhalten, bis sinkende Arbeitslosenquote und steigende Teuerungsraten sie zu einer Änderung zwingen würden. Dieser Zeitpunkt sei noch nicht erkennbar.

Die Leitzinsen dürften aber noch mindestens zwölf Monate auf dem derzeitigen Niveau bleiben. Die Termingelder für 3-, 6- oder 12-Monatsgelder könnten aber schon zum Jahresende 2013 hin etwas anziehen, wenn die Märkte eine Abkehr von der derzeit ultra-expansiven Geldpolitik vorwegnehmen würden hin zu einer "neutralen" Haltung, die weder expansiv noch restriktiv sei.

Die eigentliche Bewährungsprobe stehe dann bevor, wenn die Finanzmärkte höhere Inflationserwartungen aufbauen würden (z.B. durch steigende Rohstoffpreise, höhere Importpreise durch Währungsabwertungen u.a.). Dann werde sich zeigen, ob die Zentralbanken weiterhin der Preisstabilität höchste Priorität einräumen würden.

Leitzinserhöhungen seien aus heutiger Sicht fast unvorstellbar, würden sie doch zu einer Verteuerung des Schuldendienstes führen und ganze Länder in den Bankrott treiben. In Griechenland hätten sich die Staatsschulden 2010 verdoppelt, als die Renditen über 10% gestiegen seien.

International seien die Rentenrenditen auf ein historisch außerordentlich niedriges Niveau gesunken. Bei steigender Staatsverschuldung wäre eigentlich ein Anstieg zu erwarten gewesen, aber die Zentralbanken hätten mit ihrer ultra-expansiven Geldpolitik und ihren Aufkäufen von Staatsanleihen (mit der harmlos klingenden Bezeichnung genannt "quantitative Lockerungen") diesen Anstieg verhindert. Ein marktkonformes Renditenniveau ohne Finanzierungen mithilfe der Notenpressen der Zentralbanken liege vermutlich 100 bis 300 Basispunkte höher als das gegenwärtige. Auf mittlere Sicht müssten die Rentenmärkte wieder zu diesem marktkonformen Niveau finden. Dann aber würden erhebliche Kursverluste drohen. Aus diesem Grunde würden Anlagen in Festverzinslichen für den institutionellen und den privaten Investor ausscheiden. Das gelte für Staatsanleihen, Pfandbriefe oder Unternehmensanleihen, die sich nicht voneinander abkoppeln könnten.

Für die Anleger würden Rentenrenditen von rund 2% nach Steuern nicht einmal einen Inflationsausgleich bieten. Treasuries und Bunds ebenso wie die Gilts und JGBs seien keinesfalls ein "sicherer Hafen", wenn man sich die ununterbrochen steigende Staatsverschuldung vor Augen führe.

Der Emissionsbedarf der Emittenten bleibe ungebrochen hoch. Der Schuldendienst (Soll-Zinsen + Tilgungen) nehme immer größere Teile der Budgets in Anspruch. In keinem einzigen Land sei eine Rückzahlung bestehender Schulden vorgesehen. Zur Tilgung anstehender Anleihen würden immer wieder durch Neuemissionen finanziert. Das gehe bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Emittent den Märkten für die neue Emission bessere Konditionen bieten müsse. Die öffentlichen Finanzen der meisten Industrieländer würden in einer scheinbar ausweglosen Situation stecken. Letzten Endes könnten sie vermutlich nur durch Inflationierung wieder saniert werden.

Ein Kreditnehmer sollte sich umgekehrt die günstigen Finanzierungsbedingungen langfristig sichern.

Die Rentenmärkte in der ganzen Welt seien überbewertet. Anleger sollten bestehende Engagements zügig abbauen und in Termingeldern sowie Kurzläufern bis zu zwei Jahren Laufzeit parken. Besonders gefährdet sei die Performance der Langläufer. (Ausgabe vom 24.03.2013) (25.03.2013/alc/a/a)