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Gehen US-FED und EZB in der Geldpolitik getrennte Wege?


31.05.21 11:45
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Inflationssorgen der Anleger haben sich in der Berichtswoche abgemildert, so die Experten von Union Investment.

Dafür hätten sich die Notenbanken zu Wort gemeldet. Den zuletzt zu vernehmenden Kommentaren einiger Zentralbankmitglieder von US-FED und EZB zufolge scheinen beide Notenbanken hinsichtlich der Geldpolitik (vorerst) getrennte Wege einzuschlagen, so die Experten von Union Investment. Zumindest werde in den USA vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Erholungsbewegung nun die Diskussion hinsichtlich einer kontraktiveren Geldpolitik immer lauter, während die EZB ihre lockere Linie vorerst beibehalten dürfte.

Die Aktienbörsen hätten insgesamt leicht ins Plus tendiert. Im Euroraum sei es nach einem positiven Wochenauftakt im weiteren Verlauf zu Rücksetzern gekommen. In den USA seien die Zugewinne etwas höher gewesen. An den Staatsanleihemärkten habe sich eine leicht freundliche Stimmung gezeigt, mit der sowohl in den USA als auch im Euroraum ein leichter Renditerückgang einhergegangen sei.

Nach den umfangreichen Hilfsmaßnahmen amerikanischen Notenbank stehe im Rahmen der fortschreitenden Erholung der US-Konjunktur der Einstieg zum Ausstieg aus der Unterstützung zur Debatte. In der Berichtswoche habe sich FED-Vize Richard Clarida dahingehend geäußert, dass in einer kommenden Sitzung der FED der Zeitpunkt für eine Diskussion über das Abschmelzen der Anleihekäufe gekommen sei. Die FED kaufe derzeit Papiere im Gegenwert von 120 Milliarden US-Dollar pro Monat an. Das Statement sei im Grunde nichts Neues gewesen, da in jüngster Vergangenheit das Thema bereits wiederholt aufgeworfen worden sei. Aber mit Clarida habe dieses Ansinnen jedoch einen gewichtigen Fürsprecher erhalten und entsprechende Beachtung an den Märkten gefunden.

Die Experten von Union Investment gehen davon aus, dass im Juni bis September eine rege interne Diskussion innerhalb der FED zu diesem Thema geführt werden dürfte. Mit dem Statement in dieser Woche dürfte die Thematik zumindest etwas an Schärfe hinzugewonnen haben. Die Befürchtungen hinsichtlich der Inflationsentwicklung hätten sich hingegen abgemildert, da Clarida diesbezüglich bei der FED-Linie geblieben sei und den zuletzt unerwartet hohen Preisanstieg noch einmal als temporär bezeichnet habe.

Etwas anders sehe es aktuell bei der Europäischen Zentralbank aus. Die Wirtschaft im Euroraum entwickelt sich weniger dynamisch als der US-Pendant, der uns um einiges voraus ist, so die Experten von Union Investment. Dies würden auch die laufenden Impffortschritte im Kampf gegen Corona deutlich aufzeigen. Die EZB werde also weiter auf eine lockere Geldpolitik setzen (müssen). Gleichzeitig könnten bei einer US-Drosselung von dorther steigende Zinsen drohen. Ein Übergreifen auf den Euroraum würde damit die zuletzt erhöhten EZB-Anleihekäufe, die dem Zinsanstieg entgegenwirken sollten, konterkarieren. Auch hätten sich innerhalb des EZB-Gremiums zuletzt Lager für und wider fortgesetzt umfangreicher Anleiheankäufe gebildet. Insgesamt werde die kommende Juni-Sitzung des EZB-Rates, im Vergleich zu den vorgehenden beiden Treffen, marktseitig als recht heikle Mission eingeschätzt. (Ausgabe vom 28.05.2021) (31.05.2021/alc/a/a)