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Gefährliche Routine am Anleihenmarkt
08.11.16 12:36
Financière de l´Echiquier
Paris (www.anleihencheck.de) - Der Appetit der Anleger auf Anleihen ist ungebrochen und die letzten Emissionen zeichnen sich durch beeindruckende Volumen aus, so Didier Le Menestrel, Chairman von La Financière de l'Echiquier.
So habe Danone vor einigen Tagen Anleihen im Wert von 6 Milliarden Euro mit Laufzeiten von zwei bis zwölf Jahren ausgegeben. Das sei ein komfortabler Puffer, der den Finanzdirektor des Lebensmittelkonzerns in aller Ruhe schlafen lasse: Den Käufern seiner Anleihen zahle er vier Jahre lang Zinsen von 0,17 Prozent und 1,20 Prozent für die nächsten zwölf Jahre. Das sei schon ordentlich! Auch die Staaten stünden dem in nichts nach: Österreich nutze diese für Kreditnehmer gesegneten Zeiten und gebe Anleihen aus mit einer Laufzeit von 70 Jahren und einem Zinssatz von 1,55 Prozent.
Diese Suche nach Rendite verbunden mit geringem Risiko sei inzwischen derart zur Routine geworden, dass manche Experten hierin mittlerweile eine hoch riskante Lage sehen würden.
Man könne allerdings dagegen argumentieren, dass jeder positive Basispunkt willkommen sei, wenn das Halten von Geld auf der Bank mit einem negativen Zins von -0,40 Prozent bestraft werde. Doch man solle sich daran erinnern, dass Negativ- oder Nullzinsen anormal seien und immer gefährlichere Verhaltensweisen herbeiführen würden, je mehr man sich daran gewöhne. Dahinter stecke nämlich ein bedrohlicher Mechanismus: Mögliche Auslöser von Börsenblasen würden einfach verdrängt. Ganz nach dem Motto: "Ich weiß, dass der Preis dieser Anlage absurd ist, aber das wird so weitergehen, deswegen mache ich mit." Das sei eine Haltung, die an die besten Zeiten der Internet-Blase erinnere, nur ohne die Begeisterung des Börsenrauschs.
Diese Extremsituation bei Anleihen unterscheide sich vor allem durch die Tatsache, dass es sich hierbei um eine von den Zentralbanken gesteuerte Aktion handle. Aber könnten derartige Exzesse wirklich gesteuert werden? Eines sei jedenfalls sicher: Die Notenbanken hätten beschlossen, die Beteiligten durch Parolen mit wohl gewählten Worten und bewusstem Timing an eine neue Realität heranzuführen. So habe die Europäische Zentralbank vor kurzem das Wort Tapering durchsickern lassen, während der Amerikaner Richard Fisher erklärt habe: "Policymakers did not anticipate the scope of easy money on the financial service." Im Klartext: Zweifellos sei man mit der Geldpolitik über das Ziel hinausgeschossen und es sei Zeit, wieder zu vernünftigeren Zinsniveaus zurückzukehren.
Die Konsequenzen einer Zinserhöhung hätten für das Anleihenmanagement maßgebliche Bedeutung. Vorausschauend haben die Experten von La Financière de l'Echiquier die Duration in ihren Portfolios stark reduziert. Aber Achtung: Konsequenzen würden sich auch für die anderen Anlageklassen ergeben, denn die meisten würden anhand von Abzinsungsmodellen bewertet, die extrem empfindlich auf Schwankungen an den Anleihenmärkten reagieren würden.
Die jüngste brutale Entkoppelung des Growth-Stils (der durch eine Zinsanhebung negativ beeinflusst werde) im Verhältnis zum Value-Stil (der hierauf weniger sensibel reagiere oder - im Falle von Banken und Versicherungen - sogar positiv beeinflusst werde) sei eine gute Veranschaulichung dieser Rotation, die mit einer Anpassung der Erwartungen im Zusammenhang stehe. Die von den Börsen übersetzte Botschaft der Zentralbanken sei ein Signal, auf das man hören sollte.
Wer könne heute schon sagen, ob man es mit einer allmählichen oder brutalen Anpassung an den Kreditmärkten zu tun bekommen werde. Das erste Szenario ist zwar für unsere Aktienmärkte weitaus günstiger, so die Experten von La Financière de l'Echiquier. Aber die Gemeinsamkeit beider Szenarien liege darin, dass sie eine neue Wachsamkeit bei den Prognosen der Experten und ihren zukünftigen Abzinsungen verlangen würden. Bei der EZB spiele die Musik immer noch, aber man sollte sich nicht von diesem Walzer niedriger Zinsen betäuben lassen. Man solle mit der Routine brechen und schon jetzt so handeln, als habe Geld einen Preis. (08.11.2016/alc/a/a)
So habe Danone vor einigen Tagen Anleihen im Wert von 6 Milliarden Euro mit Laufzeiten von zwei bis zwölf Jahren ausgegeben. Das sei ein komfortabler Puffer, der den Finanzdirektor des Lebensmittelkonzerns in aller Ruhe schlafen lasse: Den Käufern seiner Anleihen zahle er vier Jahre lang Zinsen von 0,17 Prozent und 1,20 Prozent für die nächsten zwölf Jahre. Das sei schon ordentlich! Auch die Staaten stünden dem in nichts nach: Österreich nutze diese für Kreditnehmer gesegneten Zeiten und gebe Anleihen aus mit einer Laufzeit von 70 Jahren und einem Zinssatz von 1,55 Prozent.
Diese Suche nach Rendite verbunden mit geringem Risiko sei inzwischen derart zur Routine geworden, dass manche Experten hierin mittlerweile eine hoch riskante Lage sehen würden.
Diese Extremsituation bei Anleihen unterscheide sich vor allem durch die Tatsache, dass es sich hierbei um eine von den Zentralbanken gesteuerte Aktion handle. Aber könnten derartige Exzesse wirklich gesteuert werden? Eines sei jedenfalls sicher: Die Notenbanken hätten beschlossen, die Beteiligten durch Parolen mit wohl gewählten Worten und bewusstem Timing an eine neue Realität heranzuführen. So habe die Europäische Zentralbank vor kurzem das Wort Tapering durchsickern lassen, während der Amerikaner Richard Fisher erklärt habe: "Policymakers did not anticipate the scope of easy money on the financial service." Im Klartext: Zweifellos sei man mit der Geldpolitik über das Ziel hinausgeschossen und es sei Zeit, wieder zu vernünftigeren Zinsniveaus zurückzukehren.
Die Konsequenzen einer Zinserhöhung hätten für das Anleihenmanagement maßgebliche Bedeutung. Vorausschauend haben die Experten von La Financière de l'Echiquier die Duration in ihren Portfolios stark reduziert. Aber Achtung: Konsequenzen würden sich auch für die anderen Anlageklassen ergeben, denn die meisten würden anhand von Abzinsungsmodellen bewertet, die extrem empfindlich auf Schwankungen an den Anleihenmärkten reagieren würden.
Die jüngste brutale Entkoppelung des Growth-Stils (der durch eine Zinsanhebung negativ beeinflusst werde) im Verhältnis zum Value-Stil (der hierauf weniger sensibel reagiere oder - im Falle von Banken und Versicherungen - sogar positiv beeinflusst werde) sei eine gute Veranschaulichung dieser Rotation, die mit einer Anpassung der Erwartungen im Zusammenhang stehe. Die von den Börsen übersetzte Botschaft der Zentralbanken sei ein Signal, auf das man hören sollte.
Wer könne heute schon sagen, ob man es mit einer allmählichen oder brutalen Anpassung an den Kreditmärkten zu tun bekommen werde. Das erste Szenario ist zwar für unsere Aktienmärkte weitaus günstiger, so die Experten von La Financière de l'Echiquier. Aber die Gemeinsamkeit beider Szenarien liege darin, dass sie eine neue Wachsamkeit bei den Prognosen der Experten und ihren zukünftigen Abzinsungen verlangen würden. Bei der EZB spiele die Musik immer noch, aber man sollte sich nicht von diesem Walzer niedriger Zinsen betäuben lassen. Man solle mit der Routine brechen und schon jetzt so handeln, als habe Geld einen Preis. (08.11.2016/alc/a/a)


