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Garantien der Zentralbanken wirken nach wie vor als Sicherheitsnetz


23.07.19 11:00
La Financière de l´Echiquier

Paris (www.anleihencheck.de) - Wie von uns seit längerem befürchtet, begann die Berichtssaison der Unternehmen mit einer ganzen Reihe von Enttäuschungen in Europa und den USA, so Olivier de Berranger, Chief Investment Officer und Enguerrand Artaz, Fondsmanager - La Financière de L'Echiquier.

Dies habe insbesondere auf die wachstumsstarken und die defensiven Sektoren zugetroffen, die seit Jahresbeginn in der Gunst der Anleger oben stünden.

SAP beispielsweise habe insbesondere hinsichtlich der Marge und des Betriebsergebnisses unerwartet schlechte Zahlen gemeldet. Vor allem habe das deutsche Unternehmen jedoch einen deutlichen Wachstumsrückgang bei seinem Cloud-Geschäft bekannt gegeben (15% gegenüber 26% im 1. Quartal). Richemont sei mit einem Umsatzwachstum von 3% gegenüber den laut Konsens erwarteten 5% eine herbe Enttäuschung gewesen. Asos aus Großbritannien habe zum dritten Mal binnen acht Monaten eine Gewinnwarnung herausgegeben und seine Prognosen abermals nach unten korrigiert. Der Internetriese Netflix habe erstmals in seiner Geschichte Abonnenten in den USA verloren und weltweit kaum halb so viele Neukunden hinzugewonnen, wie erwartet worden sei. Schließlich habe es auch noch die nach unten korrigierten Aussichten von Brenntag, die zu knappen Ergebnisse von Temenos oder abermals ein schlechtes Quartal für Publicis gegeben.

Zwar habe es auch solide Ergebnismeldungen wie von Asml, Burberry oder Microsoft gegeben, aber insgesamt sei diese erste Woche kein Mutmacher. Dennoch sei die Reaktion der Märkte nicht besonders negativ gewesen. Trotz der hohen Bewertungen sei der Umfang der Korrekturen, wenn man von Ausnahmen wie Asos absehe, im Nachgang der Ergebnisse eher moderat gewesen. Überdies hätten viele betroffene Titel die vergangene Woche über ihrem Niveau nach der Ergebnismeldung geschlossen. Als ob die Anleger bei diesen Ergebnissen, die die verschlechterten makroökonomischen Zahlen widerspiegeln würden, grundsätzlich keinen Anlass zur Sorge fänden.

Die immer gleiche Erklärung sei verblüffend und wenig originell: die Maßnahmen der Zentralbanken! Die Garantien, die insbesondere die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank (FED) im ersten Halbjahr ausgestellt hätten, würden nach wie vor als Sicherheitsnetz wirken - und dies umso mehr, als ihre akkommodierende Haltung in der vergangenen Woche erneut bekräftigt worden sei. So sei bekannt geworden, dass die EZB die Revision ihres Inflationszieles in Erwägung ziehe. Mit anderen Worten könnte sie den Zielwert von 2% künftig als Referenzwert, um den herum die Inflation schwanken könnte, und nicht mehr als Obergrenze ansehen. Dies würde ihr ermöglichen, ohne zwangsläufige Intervention vorübergehend eine Inflation von mehr als 2% hinzunehmen und zugleich für längere Zeit ihren geldpolitischen Lockerungskurs zu fahren.

Die FED stehe dem in nichts nach. Der Chef der New Yorker FED, John C. Williams, habe sich für "starke vorbeugende Maßnahmen" ausgesprochen. Unterstützt worden seien diese Aussagen durch den stellvertretenden Zentralbank-Chef, Richard Clarida, der es für unzweckmäßig halte, eine stärkere Verschlechterung der Konjunktur abzuwarten, um "stark auf die Zinsen einzuwirken". Diese Äußerungen seien von einigen Anlegern als Ankündigung einer Zinssenkung um 0,50% am Monatsende (und nicht nur um 0,25%) ausgelegt worden. Die Wahrscheinlichkeit hierfür sei von 17,5% in der Vorwoche auf 36,5% gestiegen.

Die Experten von La Financière de L'Echiquier halten diese Annahme für übertrieben. Während die Berichtssaison in vollem Gange ist, scheinen die Märkte dennoch nur Augen für die künftigen Sitzungen der EZB (25. Juli) und der FED (31. Juli) zu haben, so die Experten von La Financière de L'Echiquier weiter. (23.07.2019/alc/a/a)